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Twitter-TV

„Deutschland sucht den Superstar“ ist beliebteste TV-Sendung auf Twitter



Studie untersucht die Mediennutzungsgewohnheiten und das Involvement von Fernsehsendungen
Auf den Plätzen zwei und drei liegen „Schlag den Raab“ und „Tatort“
Fazit: Sender nutzen ihr Potenzial auf Twitter nicht aus

„Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) ist auf Twitter die Sendung mit dem meisten Involvement im deutschen Fernsehen. Dies belegt eine Studie, die der Mediendienstleister X-Ray in Kooperation mit Scholz & Friends und Lowe Deutschland durchgeführt hat. Die Studie belegt, dass Fernsehsendungen ihr Publikum unterschiedlich aktivieren. So wurde DSDS über 11.000 mal in der Zeit vom 8. bis 24. Januar 2010 von durchschnittlich ca. 1100 Teilnehmern auf Twitter erwähnt. Knapp dahinter liegt „Schlag den Raab“ (SDR) auf ProSieben, das in der ersten Sendung des Jahres von über 1000 Usern diskutiert wurde. Mit etwa 800 aktiven Twitterern pro Folge liegt der ARD-Tatort auf Platz drei der meistkommentierten Sendungen.

Abgeschlagen dagegen die ZDF-Show „Wetten dass…“ vom 23.01., die es nicht schafft, die Twitter-Gemeinde zu mobilisieren. Trotz Einschaltquoten von über zehn Millionen und damit fast doppelt so vielen Zuschauern wie die am gleichen Tag ausgestrahlte Folge von DSDS sowie einer Sendelänge von fast vier Stunden gab es lediglich 560 Kommentatoren (DSDS=940). Weitere Sendungen, die intensiv auf Twitter besprochen werden, sind u.a. „Big Brother“, „Die Simpsons“ und „Wer wird Millionär“.

Zusätzlich zu den quantitativen Zahlen wurden auch positive sowie negative Kommentare ausgewertet und daraus der so genannte „Sentiment-Faktor“ gebildet. Daraus lassen sich für TV-Sender direkte Rückschlüsse ziehen, wie die Sendung beim Publikum ankommt.

„Der quantitativen Einschaltquote stellen wir eine qualitative Real-Time-Quote zur Seite“, so Andreas Quest, Managing Director bei X-Ray. „Die Fernsehsender erhalten so einen relevanten Insight zu Nutzungsverhalten und Meinung Ihrer aktiven Zuschauer.“


Fazit:

- Twitter ist ein Impulsmedium, bei dem die Nutzer ungefiltert und spontan kommentieren

- Fernsehsender nutzen das Potenzial zur Involvierung und Aktivierung der Zuschauer nicht aus

- Pause im Programm heißt auch Pause beim Zuschauer: Sender verhindern durch ihre Passivität, dass die Zuschauer während der Werbung dranbleiben

- Das direkte und unmittelbare Feedback ermöglicht Fernsehsendern qualitative Insights über ihre Zielgruppe

- Fernsehzuschauer sind aktiv („lean-forward“), und zwar unabhängig von Show, Serie und Spielfilm


Die Studie im Detail

DSDS:
Die Kandidaten/innen der Show werden auf Twitter intensiv besprochen. Für Ina beispielsweise drückt man die Daumen. „Die Gesangsstimme ist aber geil“ „So will ich auch singen können“ „Die kenn ich irgendwoher, aber sie hat ne gute Stimme“. Der „Sentiment“-Faktor – sozusagen das Stimmungsbarometer – schlägt bei ihr vergleichsweise positiv aus. Kim ist zwar im Recall, hat bei Twitter jedoch kaum Fürsprecher. „Man wie sieht denn Kim aus? Hoby = schminken?!“ An Menderes scheiden sich die Geister. Der 8-fache Teilnehmer spaltet die Gemeinde. „ich finde menderes irgendwie voll lustig.“ „Taki... Der Kerl ist zu geil“ „könnte es denn sein, dass man ohne talent, aber mit genügend hartnäckigkeit doch was wird? äh, nein, kann nicht sein.“ „der singt stevie Wonder- . ahahahahaha!! menderes ist einfach geil!“ „Menderes hat doch wirklich einen Knall! Komplett... aber er ist DSDS-Kult!“ Polarsierend auch die gesamte Sendung: Neben 327 positiven Kommentaren gabe es auch 298 negative. Besonders auffällig ist, dass mit Beginn der Werbepausen das Involvement der Zuschauer abrupt abnimmt. Daraus und in zeitlicher Beziehung zur Sendung lässt sich schließen, dass Twitter überwiegend ein Impuls-Medium ist, bei dem die User nicht lange überlegen, was sie schreiben, sondern unmittelbar und ungefiltert ihre Meinung abgeben.

Schlag den Raab:
„Schlag den Raab“ gelingt es, über die gesamte Länge der Sendung (3:45 Stunden) eine beinah gleichbleibende Interaktion mit dem Publikum zu führen. Ausschlaggebend dafür sind u.a. die gebrandeten Twitter-Accounts von ProSieben und TV total, die während der Sendung das Geschehen kommentieren und Fragen beantworten: „Das war Aura Dione mit "I will love you monday" RT @andreasgress @TVtotal Wie hat nochmal der erste musikalische Beitrag geheißen?“ Auffällig ist, dass der Sentiment-Faktor während der Sendung sehr hoch ist: 241 positiven Kommentaren stehen lediglich 76 negative gegenüber.

Tatort:
Der Tatort am Sonntag ist bei den Twitter-Teilnehmern gleichzeitig heiß begehrt und wild umstritten. Im Schnitt beteiligen sich knapp 800 Twitter-User an der Diskussion über Täter, Mörder und Handlungsort. Am besten wird im Netz dabei die Folge „Der Polizistinnenmörder“ am 17. Januar bewertet, mit 327 positiven und 220 negativen Stimmen.

Basierend auf den Ergebnissen lässt die Studie verschiedene Rückschlüsse zu: Zuschauer nutzen zunehmend mehr als ein Medium aktiv. Statt sich vor dem Fernseher zurückzulehnen („Lean-back“), nehmen sie aktiv am Geschehen auf dem Bildschirm teil („Lean-forward“). Allerdings wird diese Zielgruppe von den Sendern unzureichend involviert. Lediglich ProSieben sendet Informationen über seine Sendungen auf eigenen Twitter-Kanälen (@prosieben und @tvtotal) und zeigt damit, wie Fernsehsender mit ihren Zuschauern interagieren können. Belohnt werden sie dafür mit einer großen Anhängerschaft: 11.000 User „folgen“ dem TV total-Account, ganze 27.000 dem ProSieben-Account.


Studiendesign

Im Zeitraum vom 8.-24. Januar 2010 wurden die deutschsprachigen Kurzmitteilungen auf der Plattform Twitter im Hinblick auf Fernsehsendungen quantitativ und qualitativ untersucht. Zum Einsatz kam dabei das Tool „Topic Tracker“, mit dessen Hilfe systematisch verfolgt werden kann, worüber Menschen in Social Media wie Blogs und Foren reden. Dabei können sechs grundlegende Beitragsparameter analysiert und abgebildet werden: Inhalt, Qualität, Verlauf, Volumen, Verlinkung und Verteilung. Zurzeit gibt es etwa 180.000 aktive Nutzer auf Twitter in Deutschland.


X-Ray Personal Media Digest ist ein Tochterunternehmen der Commarco Holding und bietet integrierte und strategische Medienauswertungen an, die vorstandsfähige elektronische Medienspiegel, Summarys, Medienresonanzanalysen und weitere Dienstleistungen umfassen. Commarco ist die größte deutsche Holding für Kommunikations- und Marketing-Services Agenturen, zu der bekannte Agenturmarken wie Scholz & Friends, deepblue networks, gkk DialogGroup und Lowe Deutschland gehören.

Mehr dazu:
Studie untersucht Social-Media-Verhalten von TV-Zuschauern
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