Nachgedanken zu einem Meeting mit Junioren

Pianist in einem Bordell

"Erzählt meiner Mutter nicht, dass ich in der Werbung arbeite.
Sie denkt, ich bin Pianist in einem Bordell."


Eines der berühmtesten Bonmots aus der wunderbaren Werbewelt. Es stammt von Jacques Séguéla, Gründer von Euro RSCG (Er ist das S.) - und aus seiner Zeit.

Heute hat Werbung in der Masse einen wesentlich besseren Ruf. Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist, dass sie "normal" geworden ist, da sie zum einen fest zum Alltag (sei es in den konsumierten Medien, sei es im Stadtbild) gehört, zum anderen ist es heutzutage für jeden möglich oder erschwinglich in irgendeiner Form zu werben. Oder auch "in der Werbung" zu arbeiten.

Auch hat diese Branche viel für die Akzeptanz seiner selbst getan. Transparente Ergebnisse aus Marktforschung, Studien, anderen Untersuchungen haben den Irrglauben vertrieben, dass diese Agenturen in ihren Keller Massenmanipulatoren beschäftigen, die sich heimlich irgendwelcher Psychotricks bedienen, um Menschen zu etwas verleiten, was sie nicht wollen. Es ist ein seriöses Geschäft geworden, bei dem es klare Zahlen gibt.

Und das ist das Problem. Zahlen gibt es immer, Ideen gibt es keine mehr. Das heißt, es gibt sie schon, nur werden sie als solche nicht mehr erkannt, denn die Beurteilung obliegt Menschen, die nur Zahlen verstehen, aber eben Menschen nicht.

Sei es in Marketingabteilungen oder bei der Kundenberatung - es gilt das Gebot der Zahl. Und ansonsten der eigene Horizont. Und sich vorzustellen, wie groß der ist bei Menschen, die klein an Erfahrung sich mit Bergen an Zahlen umgeben - und sich im Grunde ja darin wohlfühlen, ist ja alles überschaubar -, bedarf auch keiner großen Phantasie.

Und kommt da dann wer mit einer Idee, wird er angesehen, als handele es sich um eine Stange Dynamit, denn man tut alles dafür, dass sie nicht zündet. (Auch wenn das Gegenteil behauptet wird.)

Wie gesagt, Agentur- und Kundenseite geben sich da nichts. Und dank der Bologna-Reform wird das nicht besser. Was die damit zu tun hat? Immer mehr Menschen bekommen in immer jüngeren jahren einen Universitätsabschluss, der sie in der per se korrekten Annahme bestärkt, sie wüssten etwas und hätten schon etwas erreicht. Haben sie ja. Einen Universitätsabschluss. Da aber greift die Autosuggestion ins Spiel.

"Ich habe meinen Abschluss gemacht!" sagen sie nicht ohne Stolz und Kenntnis dessen, was sie sich antun. Denn sie haben "einen" Abschluss gemacht. In ihrer Wahrnehmung aber, haben sie abgeschlossen. Mit ihrem Leben nicht. Das soll gerade mal von ihnen aus genau so weiter gehen. Aber mit dem Lernen? Das muss nicht sein - und wenn dann kommt es "von oben" oder "von vorn". Und was mit dem Gelernten tun? In Zeiten der Bildungsbulemie maximal wiederkäuen. Ansonsten schlucken, verdauen, Scheiße!

Kritisch hinterfragen? Kostet Zeit. Zeit ist Geld. Beides hat keiner mehr. Also verplempert man beides. Durch Diskussionen, Verweise auf die Berge und ihre Gefahren. Der Absturz scheint heutzutage das Privileg des Wochenendes. Ansonsten - nichts riskieren. Schon gar nicht das eigene Weltbild. Das will man sich erhalten. Zum Aufstieg wartet man auf eine Gondel. Auf steinigen Wegen kann man sich schmutzig machen, ausrutschen, abrutschen, blaue Flecke holen. Und die macht weder Mutti noch Persil wieder raus. Es gibt zu wenig weiße Riesen. Und auch zu wenig weise.

Droben thront der Chef und wundert sich, dass nichts von unten nachkommt. Er schaut nach. Ja, alle Wege sind offen. Daran liegt es also nicht. Und warum die Gondel reparieren, denkt er sich. Die war ja schon kaputt, als ich hier ankam. In seiner Verzweiflung schreit er in die Welt: "Kommt denn da niemand mehr?" Und das Echo wirft seine Worte zurück ins Tal. Von allen Wänden schallt es nun "mehr ... mehr ... mehr".

Unten steht das Jungvolk, lauscht, fühlt sich bedroht - und bestätigt. Ein gutes Gefühl.

Oben vereinsamt der Chef - und verhungert.

Tja, hätte er mal besser Klavier gelernt.

Audi Service: Vorsprung durch Vorsprung

Audi Service Werbung
Wie immer die Idee entstanden sein mag, ob beim Start des WSV, vor einer griechischen Bank, beim letzten Pitch... Vielleicht musste auch nur World War Z herhalten. Egal: Der Spot ist allemal gelungen.



Die von thjnk kreierte Kampagne für Audi Serive läuft unter dem Motto „Damit Ihr Audi nicht in falsche Hände gerät“ ab sofort in ausgesuchten TV-Sendern, Kinosälen sowie digital.
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Die Zukunft kommt --- aber ich arbeite noch dran

Mein Blogbeitrag ist noch nicht fertig. ich wollte Sie hiermit nur kurz informieren, dass es noch dauert. Die Materie ist komplex. Ich denke nämlich darüber nach, welchen Ausschnitt der Welt ich überhaupt noch verstehen kann, wenn sie sich immer schneller (!) schneller (!) ändert als ich mitkomme.

Sie sehen das Dilemma? Und dabei hat nachdenken über die Schwierigkeiten, den ganzen Wandel etc. innerlich nachzuvollziehen, noch nichts dazu beigetragen, ihn zu erfassen. Geschweige denn in der Komplexität seiner Bezüge zu begreifen. Geschweige denn, ihn mitzugestalten. Und zwar in die richtige Richtung, denn es liegt ja auf der Hand, dass Entwicklungen auch völlig falsch laufen können. Siehe Lybien, siehe Syrien, siehe Ukraine, siehe den behäbig-wohlmeinenden Informationsschwäche-Stoizismus der politisch Handelnden, deren Hauptansinnen es ist, "ihr Volk" möglichst geräuschlos zu verwalten usw.

Symbolbild mit Saurier
Symbolbild mit Saurier
























Ich glaube, Ray Kurzweil hat Recht. Er sagt, die Änderungen schwappen mit exponentiell ansteigendem Grad über uns hinweg. Ich erinnere mich an Bekannte, es sind die gleichen, die nicht wirklich ans Internet glauben, die der Ansicht waren, dass viel Neues einfach nur "alter Wein in neuen Schläuchen" wäre. Und die damit auch oft gar nicht so falsch lagen. Schließlich denke ich das auch oft: Content-Marketing ist so was. Da könnte ich tagein, tagaus erzählen, warum ein Begriff, der kein Anfang und kein Ende hat, der nicht messbar und nicht unterscheidbar ist und keine Grenze zu allem hat, womit er zusammanhängt, eigentlich inhaltsleer ist. Aber mit so einer Einzelheit richtig zu liegen, heißt nicht, dass man generell richtig liegt. Das Neue ist irrerweise inzwischen wirklich neu. Die Bemühung ist heute nicht mehr, Altes im neuen Gewand zu verkaufen, die Bemühung ist vielmehr schon seit Jahren und zunehmend (und mit steigender Geschwindigkeit zunehmend), Neues und Unerhörtes und Ungesehenes und vor allem Unverstandenes als alten Hut, kennen wir, kein Ding, regt euch nicht auf usw. zu verkaufen.

Dazu möchte ich mich gern äußern. Dass ich die Disruption verstanden hab usw. Bin aber noch nicht fertig. Versuche dabei, drei Tage voraus in die Zukunft zu denken und schreiben, damit der Beitrag nicht schon zu sehr veraltet ist, wenn er erscheint. Vielleicht erzwinge ich über das Serendipity-System, den Beitrag 2008 zu veröffentlichen. Für damalige Verhältnisse wäre er sensationell aktuell!

WWF: Jeder Like rettet Leben

WWF: Likes retten Leben
Eine Printkampagne von TBWA Copenhagen für den WWF. worldwildlife.org/social

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Was ist eigentlich ... eine Marketing-Offensive?

In unserer kleinen Reihe geht es heute ausnahmsweise mal nicht um einen dämlichen Anglizismus. Die Tatsache aber, dass er jedoch nur (zu 100%) aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum kommt macht ihn nicht weniger dämlich.

Ein erster und immer richtiger Test zur Beurteilung eines Begriffs und seine Werbewirksamkeit ist seine Verkehrung ins Gegenteil. Ist es möglich? Ergibt er dann noch einen Sinn? Dann ist es ein akzeptabler Begriff. Wenn nicht, nicht.

Warum benutzt man ihn denn? Niemand würde von einer „Marketing-Defensive“ sprechen.

Warum wird Begriff, der ja in kaum einer Ankündigungs-PR-Meldung fehlt (nebst Rebranding, Markenrelaunch, Lead-Agentur, Work-Life-Balance etc.) fehlt, dennoch benutzt? Es gibt nur eine logische Erklärung:

    Der Verweis auf eine Marketing-Offensive nach extern ist nach intern nichts anderes als der Hinweis an den Einkauf:


Welche andere Bedeutung könnte der Begriff sonst haben? Letztlich sagt er ja nur, dass nun endlich etwas geschieht, d.h. dass sich Agentur und Unternehmen endlich nicht nur grundsätzlich darauf verständigt haben, dass (und) was zu tun ist, sondern dies nun auch umgesetzt haben.

Das heißt wiederum, es gibt nichts mehr zu besprechen. Das gab es auch schon vor Wochen und Monaten nicht. Wenn man sich den Prozess anschaut, wenn es darüber Protokolle gäbe, die auch gelesen und für weitere Folgeprojekte genützt würden, könnte man nicht umhin festzustellen, dass man nach die Idee, die letztlich auch umgesetzt wird (sofern eine Idee je umgesetzt wird), schon nach dem 2. Meeting hatte.

Was also war der Grund, dass man sich ein 3., 4., 5., 12., 34. Mal traf? Es können nur die Kekse gewesen sein. Oder sollte es wirklich die Entscheidungsunfähigkeit gewesen sein? Die schiere Angst, etwas falsch zu machen, weshalb man lieber nichts machte – außer eben Kosten verursachen und Kekse zu futtern?

Und warum sich dann nicht n och mal ein 35. Mal treffen? Gab es Druck vom Auftraggeber, jetzt nicht zum Kaffee zu kommen, sondern zu Potte? Das wäre natürlich auch möglich. Um dann aber davon abzulenken, kompensiert man die Verschleppung und Verschiebung mit diesem Terminus?

Das wäre für mich als Auftraggeber ein willkommener Anlass, mir sowohl meine Marketing-Abteilung als auch meine Werbe- bzw. Lead-Agentur genauer anzuschauen – und das nicht nur um zu sehen, ob man die Kekse in Form von Krümeln oder Körperfett wahrnehmen kann.

Die Zukunft des Content-Marketings

Symbolbild mit Saurier

Was ist eigentlich ... Work-Life-Balance?

In unserer kleinen Reihe kümmern wir uns heute um die Serviceneger. Oh pardon, darf man das überhaupt sagen? Drängt sich aber auf, denn diesmal geht es im Grunde um Sklaverei – nur finden diese halt, zumindest in unseren Breiten, nicht mehr auf den Baumwollfeldern, sondern in den Bürotürmen statt. Allerdings ist es eine Art „demokratische Sklaverei“, denn sie trifft sowohl als auch jene, die für unter 5 Euro pro Stunde die Scheiße derer wegputzen, die ein 50-, 60-, 70-faches dieses Stundenlohns erhalten. Beim einen ist es die Bezahlung, beim anderen die Zeit, die der Tätigkeit etwas Unmenschliches gibt.

Und nun scheinen dies einige Unternehmen mitbekommen zu haben und beginnen, sich dieses Problems bewusst zu werden und postulieren / versprechen Änderung – natürlich völlig losgelöst von der Vergangenheit. Also kein Eingeständnis früherer Missstände, sondern ein angeblich völlig neues Konzept, für das man auch gleich einen Weichspüler-Anglizismus parat hatte: work life balance, den wir gerne wie folgt übersetzen:

Work-Life-Balance

„Work-Life-Balance“ steht für „Wohlfühl-Sklaverei“.

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Oskar erklärt die Marketing-Welt – heute: „Lügen! Lügen, was das Zeug hält!“

Oskar ist ein Bekannter aus dem Münchner Milliardärs-Club. Nein, ich bin kein Milliardär. Aber ich hab einen Mitgliedsausweis, den hab ich durch ein Versehen bekommen. Vielleicht auch durch einen unbekannten Freund, "a friend", der zufälligerweise Milliardär ist. Ich wüsste aber nicht, wer das sein soll. Der einzige Milliardär, den ich kenne (außer Bill Gates), ist Oskar. Er muss Milliardär sein, schließlich ist er Mitglied im Milliardärs-Club.

Als ich Oskar neulich das Foto gemailt habe, das ich auf der letzten Wiesn von ihm mit Anni, der Bedienung in seiner Box, gemacht habe, hat er auf den „About.me“-Button in meiner Signatur geklickt und ein, zwei Beiträge hier im Blog gelesen. Bei unserer nächsten Begegnung hat er mir dann erzählt, was er davon hält:

Symbolbild "Marketing", aufgenommen irgendwann auf der Wiesn
Symbolbild "Marketing" mit Oskar und Anni (irgendwo weiter hinten, rechts, nein, das andere rechts)



WAS OSKAR VON MARKETING-TIPPS IN BLOGS HÄLT


„Hör mal, Junge, Selbstvermarktung schön und gut, aber ehrlich, wenn ich mir schon die Arbeit mache, würde ich lügen! – Ja, da schaust du! Daran merkt man, dass du keine Ahnung hast. Sag mir eins, Schlauberger: Warum soll man das bisschen Wissen, das man hat, mit anderen teilen? Okay, es sieht schick aus, jaja, großzügig usw. Aber worum es geht, worum es doch eigentlich geht, ist, irgendwas zu verkaufen. Alle wollen was verkaufen. Und alle wollen so tun, als hätten sie was zu verschenken.

Wenn man das nötig hat, dass man sich verkauft, – eigentlich ist das Mist, du musst die richtigen Leute kennen, verstehst du, hier im Club sitzt du doch an der Quelle, nein, natürlich kannst du hier nicht mit deinem Business-Scheiß ankommen, aber – wo war ich … ähm, ach ja, wenn ich das nötig hätte, würd ich doch keinem erzählen, was er machen muss, damit er mein Business kann!!! Ich würd lügen. Ich würd lügen, was das Zeug hält, und den Leuten einen Scheiß erzählen. Ich würd hoffen, dass sie den Scheiß ausprobieren, und damit auf die Fresse fallen, verstehst du?!“

Natürlich habe ich Oskars Rat beherzigt. Er ist schließlich Milliardär und muss wissen, wovon er redet. Den nächsten Blogbeitrag, den ich geschrieben habe, habe ich von A bis Z erfunden.

Als Kurt bei uns vor dem Haus parkte, wusste ich, dass die Zukunft beginnt

In meiner Straße gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Niemand parkt vor einem anderen als seinem eigenen Haus! Gestern dann geschah es: Kurt stand bei uns vor dem Haus. In diesem Moment, etwas irre, ich gebe es zu, hab ich die Zukunft verstanden.

Das Wesen der Zukunft: Die Vergangenheit ist vorbei


Ja, das ist trivial, zumindest klingt es trivial, aber kaum jemand lebt danach. Alle, die ich kenne, zumindest alle über 21, leben im Gedenken an die Vergangenheit. Natürlich nicht immer und nicht in jeder Hinsicht, klar, aber immerhin doch in Bezug auf einige der wichtigsten Themen des Lebens so generell. Das kommt daher, dass dieses ganze Zeitzeugs, Vergangenheit, Zukunft usw., ehrlich verflixt schwer zu kapieren ist. Die Vergangenheit ist vorbei. Jaja, trivial, wie gesagt, aber was heißt das?

Gefühlte 90% von allem, womit Politik sich befasst, ist Vergangenheitsbewältigung. Die alten Werte, wie es früher mal war, wie schön ruhig das war, dass es noch Familien gab, dass man im Fluss baden konnte, dass der Winter besser war, jaja, furchtbar, furchtbar, das ganze Klimagedöns, dass das Essen besser war, die Natur intakt, mehr Vögel in der Stadt, nicht so viel Werbung überall - und natürlich, dass es nicht so viel Autos gab. Genau. Und das mit dem Parken war auch nicht so schlimm. Als ich vor ewigen Jahren hierher gezogen bin, hatte jede Familie ein Auto, später hatten auch die Mütter eins für die Fahrdienste für ihre Kindern, und inzwischen haben all diese Kinder auch eins. Kein Wunder, dass die alten Regeln nicht mehr gelten. Aber so ist das eben. Vorbei ist vorbei. Kommt auch nicht wieder.

Und so ist es mit allem. Die grüne Wiese hinter dem Haus, mit den Kletterbäumen, auf denen die Kinder immer rumgeturnt sind, ist zugebaut. Das wird nicht mehr wie früher. Ist so. Pferdedroschken gibt es ja auch nicht mehr. Windows XP - vorbei. Sehen Sie sich eins Ihrer Kinderfotos an - vorbei; kein einziges Atom Ihres damaligen Körpers ist vermutlich noch in Ihnen enthalten.

"There's no place like home"


Als ich verstanden hatte, dass die Vergangenheit vorbei ist, und vor allem auch, wie sehr sie vorbei ist, und dass ich in Zukunft entweder in der Einfahrt oder - völlig verrückt - irgendwo anders als direkt vor dem Haus in meiner Straße parken werde, ist mir klar geworden, was die Zukunft ist (ungefähr - denn sie ist ja noch nicht passiert und insofern unbestimmt). Der Boden unter unseren Füßen bewegt sich. Die Erde rast mit einem Affenzahn durch's All. Und die Marketing-Rezepte, über die im Allgemeinen (medial) geredet wird, sind ein Versuch, rauszukriegen, wo wir denn eigentlich grad sind. Es ist Omas Kochbuch, in dem wir blättern.

Die Zukunft besteht nicht darin, mit irgendwelchen Apps die Zumutungen der Veränderung aufzuhalten. Sie besteht auch nicht darin, die Menschen an noch mehr Gelegenheiten im Leben mit Werbung zu nerven. Sie besteht auch nicht darin, in das große Big-Data-Lamento einzustimmen und zu hoffen, dass eventuell die amerikanische Politik wieder oder die deutsche Politik endlich vernünftig wird. Nein.

Die Zukunft besteht darin, dass wir uns einen USB-Zugang ins Gehirn legen lassen. So ähnlich wie in "eXistenZ". Das, was unser Gehirn jetzt schon leistet, Langeweile und Mist auszublenden, könnte eine App bestimmt besser und schneller. Denn unser Problem ist nicht unbedingt, dass wir zu viel, sondern dass wir zu viel unrelevante Werbung sehen. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Mistwerbung einfach irgendwo unten verschwindet. Wie ein dämlicher Kommentar bei Reddit. Oder so teuer wird, dass jeder Werbetreibende es sich zweimal überlegt, ob er - wie jetzt noch üblich - weite Teile einer überhaupt nicht gemeinten Zielgruppe mit seiner Botschaft mitbeschallen soll.

Menschen nerven muss teurer werden. Behauptungen müssen vom Supercomputer in meinem Keller verifiziert werden. Dummheiten behaupten muss unbezahlbar, lügen muss wahrhaft unerschwinglich werden. Die Daten, die per USB in mein Gehirn kommen, müssen durch den Supercomputer in meinem Keller, werden hier gefiltert und dabei durch einen Vergleich mit den Daten der NSA, die selbstverständlich nach CC-Lizenz frei zugänglich sind, geratet, je nach Relevanz günstig oder teuer gemacht, und nur, wenn der Werbetreibende durch eine Cash-Transaktion den von mir definierten Gehirnbelegungsbedingungen zugestimmt hat, durchgelassen. Mein Dateneingang gehört mir! Das ist die Zukunft. Daten, die allen gehören! Und vernünftig verwendet werden.

Symboldbild, um zu verdeutlichen, dass die Zukunft jetzt ist
Die Zukunft ist jetzt!
Selbstverständlich können derart in das Leben eingreifende Vorgänge nicht irgendeinem x-beliebigen Unternehmen oder - behüte! - einer Behörde überlassen werden.

Es gibt überhaupt nur ein Unternehmen, das so integer ist, dass ich ihm diese sensiblen Dinge anvertrauen würde: Die Augustiner-Brauerei in München! Prost! Auf eine schöne Zukunft!

"Content-Marketing" - über die Unterscheidungskraft des abgefrühstücktesten Begriffes der Welt

Es reicht. Wenn ich noch einmal das Wort "Content-Marketing" lesen muss, male ich ein Schild und poste es auf Facebook, Twitter, mache ein Video davon, einen Podcast, ruf meine Omi an und benenne einen Sack Reis danach. Es reicht. "Content-Marketing" ist der abgefrühstückteste Begriff der Welt. Millionen und Aber-Millionen von Google-Treffern, nicht einmal "Gott" hat so viele Hits. Und jetzt, hier, noch einen mehr. Tja, unlucky.

"Content-Marketing" ist so generisch, dagegen verblasst alles. Und das, was unter den ersten 500 Millionen Treffern dort verhandelt wird, ist genauso generisch, langweilig, fad, beliebig, obvious und selbstverständlich. Ich glaube, die Welt hat es noch nicht oft erlebt, dass etwas derart geradezu abartig Banales derart gehypet wurde. Das Wort "Content-Marketing" ist der FKK-Strand der Kommunikation, voll pyknischer Trommel-Bäuche und soooolch langer Bärte. Dem Wort "Content-Marketing" wachsen Haare aus den Ohren, daran kann man Christbaumkugeln aufhängen. Es ist die von rechts quer über die Glatze gekämmte letzte Strähne von Horst oder Heinz, der Versuch, etwas vorzutäuschen, was es hier nicht mehr gibt: Inhalte, Bedeutung, Sinn. (Haare, Potenz ...)

Die Tatsache, dass Keywords oder Googles Panda im selben Atemzug erwähnt werden, widerspricht nicht der Rückständigkeit dieses Begriffes. In Wahrheit ist es ja kein Begriff, denn dahinter steht kein wirkliches Begreifen, sondern dahinter steht der Angstgriff einer over the VERGE into the VOID abrutschenden Branche, die sich mit up to date klingendem Geschnatter gegenseitig einer Zeitgemäßheit zu versichern bemüht, die sie längst nicht mehr hat. Noch nie hatte. Früher war das aber nicht so dramatisch. Jetzt ist es tödlich. Es ist einfach nur Ausdruck von Visionslosigkeit, Fantasielosigkeit, Kommunikationsunfähigkeit. Und mangelndem Verständnis.

Machen Sie den Test! Achten Sie mal darauf, wie alt der nächste ist, der "Content-Marketing" sagt oder schreibt, und wie nah seine Profession an dem ist, was Sie sich unter Content vorstellen.
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