Es ist mir peinlich. Über 30 Minuten habe ich gebraucht, um mich zumindest vom Gefühl her einigermaßen zurechtzufinden. Und dabei war ich, wie ich nach 45 Minuten feststellte, nicht mal am Anfang. Aber vielleicht liegt es einfach daran, dass ich kein Techi bin – oder altmodisch strukturiert – und doch sehr dem alten Sartre-Wort nachhänge: „Ich bin, also denke ich.“ (Und wer mir jetzt mit Descartes kommt, den verweise ich gerne und mit Nachdruck auf die
Losung des Tages 
)
Wie gestern versprochen, ich öffne das Paket. Dabei fielen mir an der Seite – es ist wahrlich unglaublich, was alles auf so einer Umverpackung steht, klebt und abgebildet ist – ein Ver- sowie ein Hinweis auf.
Ich wurde aufgefordert, mein eigenes Cover für diese Gerät zu gestalten – in der Packung fände ich einen entsprechenden Gutschein. Zum anderen wurde mir kommuniziert, was ich da bekomme: den TESTSIEGER. Aha, schön und wovon, denn ich wusste ja immer noch nicht, was es ist und auch der
Deeplink , den ich noch vor dem Auspacken anklickte, führte mich zwar zum Produkt, aber nicht wirklich weiter, weshalb ich auch den Rechner ausmachte. (Ich rate ja immer davon ab, das Internet als virtuellen Prospektständer zu nutzen, aber wer hört denn heute noch auf Worte?) Das PC-Magazin testete acht – 8UNG! Jetzt kommt’s …: Navigationslösungen, davon waren 6 gut und 2 befriedigend und eben mein Pocket LOOX der erste (wohl, wenn ich das richtig verstehe. Die genannte
Quelle habe ich nicht gecheckt, was hätte es mir gebraucht, ich hatte es ja schon. Ich verstehe ja auch nicht, warum Menschen mit Heuschnupfen zum Allergologen gehen. Damit er ihnen sagt, dass sie Heuschnupfen haben? Oder dass sie allergisch sind gegen Birke, Gräser oder sonst was? Was bringt das Wissen? Kann man Pollen meiden? Ich verstehe das nicht, was mich zurückbringt zu meiner Navigationslösung …)
Dann endlich der große Augenblick: Schön sah es aus. Wirklich hübsch. Handlich, putzig und ich fragte mich, warum benötigt ein so niedliches Ding von 9 x 6 x 1,5 cm einen 23 x 17 x 14 cm großen Karton. Die Antwort nahm wenige Minuten später rund 2 Quadratmeter ein: unzählige Kabel und Käbelchen, eine DVD, zwei CD-ROMs, diverse zellofanierte Dinge aus schwarzem Plastik, die mich an Einmalwerkzeuge beim Internisten bzw. an Kopfhörer aus Urlaubsflieger erinnerten, wobei es Kopfhörer auch noch mal gab, den angepriesenen Gutschein, dazu ein eingeschweißtes Buch und andere Printerzeugnisse. Ich war völligst überfordert.
Das eine Faltblatt war sehr hilfreich. Da ich nicht nur als alter Billy-Besitzer das große Dechiffrierungsdiplom von IKEA-Bauanleitungen besitze, war es mir wirklich ein leichtes zu erkennen, wo ich was reinstecken muss, damit das Ding überhaupt mal angeht. Dann irritierte mich allerdings der stete Verweis in den Illustrationen auf einen Stift, den ich beim besten Willen nicht finden konnte. Ich weiß, was gemeint war. Dieser Fingerersatz, mit dem Manager wie Krähen auf ihren Blackberrys rumhacken. Nach 20 Minuten Suche gab ich es auf. Meine Mutter ist Messie, ich bin Kreativer, also nahm ich einfach einen abgebrochenen Bleistift, damit ließ sich der Bildschirm ebenfalls kalibrieren, zumindest wurde das „Auf-die-Mitte-eines-sich-auf-dem-Bildschirm-bewegenden-Kreuzes-tippen“ so genannt.
Dann ward es aufgeladen. Das ging wirklich schnell und ich war sehr beeindruckt, so dass ich mich daran machte, die diverse Kabel den diversen Öffnungen zuzuführen, was diesmal allerdings nicht klappte. Zwar steckte mal was da, mal da, aber es tat sich nichts. Ich fummelte überall an dem Gerät herum, wobei mir plötzlich der Stift entgegenfiel. Tolles Design. Jetzt, wo ich weiß, dass er integriert ist, ich muss schon sagen: Klasse. Allerdings ward dadurch auch wieder meine These geschürt, wonach Design maßgeblichen Anteil an der Zunahme von Neurotikern und Sozialautisten hat, denn während der Urmensch einst noch direkte Kontakt zu Werkzeuge und zu dem hatte, was er erle(di)gte, muss man heute immer weniger berühren oder sich damit händisch befassen. Aber das ist ein anderes Thema. Das hat mit Navigation nur insofern zu tun, als man sich fragen muss, wohin die Menschheit abdriftet, aber das will keiner wirklich wissen und überhaupt gibt es Wichtigeres …
Warum gab es das Bedienungshandbuch nur als .pdf? Ich sah das nicht ein und ließ meinen Rechner aus. Außerdem gab es ja ein Miniheft, auf dem
Bedienungsanleitung und Sicherheitsanweisungen stand. Ganze 2 Seiten waren auf deutsch dafür vorgesehen. Ich wurde stutzig.
Ich las und weiß bis jetzt nicht, wie meine Jungs bei dem Lärm weiterschlafen konnten, denn nach der obligatorischen Versicherung, dass ich ein „qualitativ und zuverlässiges GNS-Produkt“ besitze, wobei ich dankbar für den Aufkleber bin, denn der Begriff „GNS-Produkt“ hätte mir jetzt mal nicht wirklich was gesagt, stand da Folgendes. Ich zitiere:
Es ist zu empfehlen, den Inhalt der Verpackung zu überprüfen:
- GNS TrafficBoxFM9 RDS TMC Receiver
- Wurfantenne mit 2,5mm Klinkenstecker
- Diese Anleitung
Sollte etwas fehlen, wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Händler!
Ich fragte mich, was tut derjenige, bei dem „Diese Anleitung“ fehlt?
Es erinnerte mich stark an das PS in einem Brief einer ostfriesischen Mutter an Ihren Sohn, wo sie ihn versichert: „Gerne hätte ich dir noch etwas Geld beigelegt, aber da war der Brief schon zu.“
Ich konnte nicht mehr. Morgen mache ich es an …