Raus! Das Einzige, was zählt, denn,
wie berichtet, kein GPS in meiner Hütte.
Und wie wunderbar ist das denn, bei so einem Wetter im Grunde gezwungen zu sein, den Schreibtisch zu verlassen und mindestens 20 Minuten spazieren zu gehen.
Und so schlendere ich durch das beschauliche Heidelberg, erfreue mich der Sonnenstrahlen und versuche, Mörikes „Er ist’s“ zu rezitieren. Ich krieg’s nicht hin. „Blaues Band“, „Düfte“, „ahnungsvoll durchs Land“, ja, ja, so was, aber nicht so ganz (wer’s wissen will:
Bitte sehr!). Ich bin einfach zu sehr abgelenkt.
Als ich meine erstes Handy hatte, war ich weniger schlimm, und doch schaute ich schon damals mehr oder weniger minütlich drauf, ob es noch an ist, ob jemand angerufen oder mir noch jemand, nach meinem Netzbetreiber, eine Textnachricht geschickt hat. War mir doch egal, dass kaum einer meine Nummer hatte und die, die sie hatten, keinen Bock die damals wirklich horrenden Festnetz-Mobil-Preise zu zahlen. Jetzt aber toppe ich das noch. Es ist ein Wunder, dass ich an keinen Laternenmast geknallt oder von einem Fahrradfahrer an- oder gar überfahren wurde. Glotz, glotz, glotz. Immer nur auf das Display. Und plötzlich tat sich was. Das Satelitten-Icon zeigte mir an, dass mich mindestens drei Orbitstationen erfasst hatte und ich war gewillt mir an die linke Brust zu schlagen und „Bereitmachen zum Beamen“ ins Nichts zu sprechen.
Jetzt haben sie mich also, dachte ich mir so. Das feire ich doch mal mit einem koffeinhaltigen Heißgetränk bei meiner
Lieblingskaffeetante. Nicht, dass ICH nicht wüsste, wo der Neuenheimer Markt ist, aber weiß es
LOOX?
Inzwischen weiß ich ja, wo der Stift ist, also rausgezogen und rumgehackt, zuletzt auf „Route berechnen“. Ich wartete und wartete und da war’s geschehen. Eine Grafik tat sich auf, ein orangener Balken wies mir den Weg an das in wenigen hundert Metern befindliche Ziel. Dazu natürlich eine Frauenstimme, die eine ganz wunderbare Eigenschaft hat, was ich in realiter doch sehr vermisse. Wenn man etwas tut, was nicht dem entspricht, was sie möchte, gibt es kein Gezeter, keine Vorwürfe, keine Diskussionen, sondern sofort den nächsten konstruktiven, eben: zielführenden Vorschlag. Dieser Aspekt sollte unbedingt mal in die Geschlechterdiskussion mitaufgenommen werden. Und vielleicht gibt es deshalb auch keine männlichen Stimmen in Navis (oder doch)?
Wie dem auch sei, endlich weiß ich, was das Ding und wozu das Ding gut ist. All der andere Kram wie MP3-Player und Spiele ist nur Schischi, der nicht wirklich stört (außer eben
zu Anfang, wenn man glaubt, es verstehen zu müssen), aber den es auch nicht wirklich braucht. Als Navigationsgerät, ein Scheißwort finde ich, also noch mal: Als Wegweiser (eigentlich Wegsager, aber das klingt auch doof), also als Wegweiser macht das Ding richtig Spaß. Vor allem mir, vor allem jetzt als Fußgänger, denn es ist natürlich für Autofahrer konzipiert. Seine programmierte Logik bietet natürlich keine Gänge gegen die Richtung im Falle einer Einbahnstraße oder durch Hinterhöfe an. Aber zum einen, wie oben bereits erwähnt, irritiert „sie“ das null, zum anderen weckt es den Jungen in mir, wenn ich so wie gestern durch ein ruhiges Wohnviertel laufe, wo für gewöhnlich akademisierte Hausfrauen ihre Biolebensmittel natürlich nicht in umweltschädlichen Plastiktüten, sondern im Cayenne o. Ä. nach Hause transportieren (in einem Fair-Trade-Bastkorb befindlich) und plötzlich erschallt so mir nichts, dir nichts, ein „Nach Möglichkeit hier bitte wenden.“ aus der Hose.
Das macht große Freude. Schade nur, dass keine Leute auf der Straße waren. Ich werde das mal in einer Fußgängerzone machen müssen, wobei es da wahrscheinlich so laut sein wird, dass keine meinen Hosensopran bemerkt. Na, da wird mir schon noch was einfallen.
Jetzt schalte ich das Ding erst mal wieder aus. Es funktioniert. Und es funktioniert gut. Wie gut teste ich übers Wochenende in
meinem 4-Liter-Auto.