Ich hatte ja schon
Freitag berichtet, das ich inzwischen kapiert habe, dass es sich bei dem
LOOX-Teil um einen satelitten-gesteuerten Wegweiser mit unnötigem Schischi. Mir hätte es ja schon
beim Auspacken dämmern müssen, als da auf einmal Dinge auf mich zukamen, für die ich keine Worte kannte.
Nicht zu töten, um seine Brut zu versorgen, ist das Ziel der Jagd des modernen homo urban, sondern zu zerstören, um zu verstehen. So scheint mir. Wir weiden keine Tiere mehr aus, sondern Tüten. Nur so kommen wir an das, was unseren Hunger stillt – wovon wir zumindest glauben, dass es das tut, denn leicht verdaulich ist das Ganze ja nicht, aber nun genug der Analogien.
Das Ding, das mich am meisten befremdete und meinen
Pylorus verkrampfen ließ, da es in mir Assoziation weckte, die in den Bereich der
Proktologie fallen, war die Halterung für das Teil mit so einem Riesensaugnapf, um die Halterung irgendwo festzumachen. Passat und Benzfahrer, aber auch Minivans klatschen das ja gerne an die Windschutzscheibe, was alles über diese Menschen aussagt. Nein, ich will nicht schlecht sprechen über jene Wesen ohne Hirn und Sinn für Schönheit, ich will es gar nicht. Genauso wenig wie ich den Umgang mit Menschen pflege, die ihr Mobiltelefon in einer Plastikhülle, im schlimmsten Fall noch am Gürtel tragen. Es gibt Grenzen und die sind da überschritten.
Doof nur, dass Ding sonst zu befestigen, da es ja in diesen Pseudodesignkutschen von heute nur noch Rundung…äh… organische Formen gibt. Ich frage mich ohnehin, warum es diese Befestigung gibt, denn in der Bedienungsanleitung steht ausdrücklich, dass man während der Fahrt nicht nie und niemals nie auf das Display gucken soll, was auch nicht einfach ist, da es rund 90% der Draufsichtfläche ausmacht. Noch geiler finde ich ja in diesem Zusammenhang, das man bei der Funktion „Navigator“ das Display, auf das man während der ja nicht und niemals nie schauen soll, nicht ausschalten kann, den Ton aber schon.
Wieder auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wie das denn logisch zusammenpasst, finde ich Befriedigung in der Vermutung, dass die Programmierer und Fließbandarbeiter Anarchisten sind. Sieht man nicht immer mal Bilder von Unruhen in Seoul, oder so? Und bevor ich mich als Globalisierungs- und damit auch dort meist als Regimegegner zu erkennen gebe und Repressalien fürchten muss, mache ich doch lieber was Subtiles, bau eine Funktion ein oder aus, die entweder genutzt oder nicht vermisst wird.
Schulzeiterinnerungen tauchen auf. War es nicht die Quintessenz aus den
„Physikern“: Es ist möglich – und was möglich ist, wird gemacht.
Ich finde so was ja toll. So wie früher die Steinmetze ja nicht nur Fresken, sondern auch Fratzen in die Fassaden schlugen, wie Programmierer gewisse Funktionen, z. B. den „Monster Kill“ (ich nenn’ den jetzt mal so) bei Apple einfach ins Betriebssystem gesteckt haben, so ist es doch auch möglich, dass in irgendeinem asiatischen Betrieb Menschen sitzen, die sich einen Spaß daraus machen, andere, vor allem Wessis (und damit ist hier
die gesamte indoeuropäische Sprachgruppe gemeint) zu verarschen. In Europa machen das Verleger von Weisheiten schon lange, aber ich komme schon wieder vom Thema ab…
Nicht vom Weg. Ich muss ja sagen. Ich bin beeindruckt. Oder ist es doch eher Schock? Das Ding kennt die Geschwindigkeitsbegrenzung der Straße, auf der ich bin und warnt mich, wenn ich zu schnell fahre (+10 innerorts und +20 außerorts habe ich mal angegeben). Das ist schon sehr strange. (Nach diesem Test habe ich das Ding sofort wieder ausgemacht. Ich will nicht, dass sie mich holen. Sie wissen schon, wen ich meine, sie. Die überall sind. Alles wissen. Die uns ausspionieren. GAG! An so einen Verschwörungsmüll, freue mich aber, dass ich in meiner Bude
kein GPS-Signal empfange

)
Ich gebe also mir bekannte Adressen ein und lass mich von „ihr“ führen. Fuhr ich jahrelang falsch? Zumindest nennt sie mir Wege, die mich zumindest mental sehr in die Irre führen. Erst als ich „optimale“ Strecke eingebe, geht’s. Man kann dazu auch noch „kürzeste“ (viel Spaß mit der Funktion im Feierabendverkehr) oder „schnellste“ wählen. Sind dank dieser Einstellungsmöglichkeit alle Tankstellen auf dem Display als Logo eingetragen?
Ich bin mir sicher, es sind „Physiker“ – Anarchisten und Globalisierungsgegner, die sich in eine Fabrik haben einweisen lassen – wodurch die Horrorkopie in der Kaffeeküche („Die ganze Welt ist ein Irrenhaus – und das ist die Zentrale“) eine ganz neue Dimension erhält. Denn warum werden auf dem Display Tankstellen eingezeichnet, wenn ich doch a) nicht aufs Display schauen darf/soll und b) ich die Tankstelle ja allein dadurch erkenne, wenn ich durch die Windschutzscheibe gucke. Ist das etwas, was man in einer Präse vor Idioten Zusatznutzen nennt?
Ach, so nebenbei… Da sind auch Discos, Schnellrestaurants, Hotels etc. eingetragen. (Oder ist die Zielgruppe gar das
Ü30-Publikum? Wie ich mal auf einem Parkplatz bei so einer Veranstaltung gesehen habe, kamen da doch sehr, sehr viele von ziemlich weit weg. Für sie ist das natürlich prima, wenn sie an dem Abend einen Körper zum Tieferlegen gefunden haben – schnell noch Chicken Wings und ab ins ibis?)
Aber von solche Gedanken mal abgesehen … Das
LOOX funktioniert. Zum Teil, z. B. mit der Geschwindigkeitskontrolle, sogar fast schon erschreckend genau. Nur nach Hause bringt es mich nicht, was aber auch wirklich fies, weil ich in so einem Umfeld wohne, wo Architekten in den 70/80ern wiederum ihren Anarchismus ausleben konnten. Eine Straße, drei Reihen Behausungen, deren Nummerierung aus vielen, vielen Stringenzchen bestehen – ein Wunder überhaupt, dass wir hier Post und Pakete kriegen. Als ich hier einzog, brauchte ich drei Tage, um immer wieder zurückzufinden. Aber inzwischen klappt das ganz gut und auch das Teil schafft es bis auf rund 200 m genau (viel besser geht’s auch kaum, denn bis an die Straße gehe ich gut ne Minute).
Vielleicht werde ich es auch mal im Ausland nutzen. Dann werde ich natürlich hier wieder berichten. Ansonsten danke ich meinem Spender für dieses Teil und erinnere daran, dass ich gerne ein größeres und schnelleres Laptop hätte.
PS: Und ihr Hersteller: Mein Angebot steht. Gerne überprüfe ich eure Produktkommunikation auf Sinn und Sinnhaftigkeit. Meine Garantie:
Wahres für Bares.