Manchmal setze ich mich ja auf die andere Seite meines Schreibtisches. Obwohl da eigentlich das Fenster ist... Ich setze mich da also hin und bin in meinem anderen Leben. Und da bin ich Freie Journalistin. Und schreibe für eine Fachzeitschrift.
Von Zeit zu Zeit kommt es also vor, dass ich recherchiere. Und erlebe Abenteuerliches. Weil ich manchmal vielen Leuten gleichzeitig die selben Fragen stellen muss, ist es ganz praktisch, ihnen diese Fragen per e-mail zu schicken. Was passiert? Nichts. Oder fast nichts.
Es gibt Unternehmen, die haben Presseverantwortliche. Und die antworten ganz schnell. Meistens. Es gibt andere Unternehmen, die sind so groß, dass sie es nicht nötig haben, zu sagen, wer die Presseverantwortlichen sind. Und wer die Daten der entsprechenden Damen und Herren nicht zufällig von einem Kollegen erfährt, wird diesen Herrschaften niemals Fragen stellen dürfen.
Das schönste allerdings passierte mir, als ich auf der Homepage eines wirklich großen Automobilzulieferers den Namen des Ansprechpartners X fand, aber keine e-mail-Adresse. Natürlich auch keine Telefonnummer. Ich rufe die Telefonzentrale der Firma an.
"Guten Tag, mein Name ist Weber. Ich recherchiere im Auftrag einer Fachzeitschrift und würde gern Herrn X sprechen."
Unfreundliche Stimme: "Herr X telefoniert gerade."
"Könnten Sie mir seine Durchwahl geben, dann kann ich es später noch einmal versuchen?"
Unfreundliche Stimme: "Nein."
"Die e-mail-Adresse?"
Unfreundliche Stimme: "Nein."
"Ich soll also noch einmal bei Ihnen anrufen?"
Unfreundliche Stimme. "Genau."
Das Gespräch ist beendet. Irgendwie habe ich wenig Lust, nochmal anzurufen. E-mailen kann ich nicht, habe ja keine Adresse. Einen Brief schreiben? Wo der wohl landet?
Um es klarzustellen. Herr X wird auf der Homepage als Presseverantwortlicher genannt. Offenbar möchte er von der Presse nicht bei der Arbeit gestört werden. Ich respektiere das. Und berücksichtige in meinem Artikel sein Unternehmen nicht.