Es geht ums Geld Punkt Und ums Ego. Und um eine Marke. Um musikalische Leistung ging es beim zum Großen Preis der Gastarbeiter verkommenen eh nie wirklich.
„Der Eiserne Vorhang ist wieder da. Nur diesmal ist er aus Lametta.“ schrieb SPIEGEL ONLINE am Tag vor der Veranstaltung, die BILD seitdem nur noch von der „Ost-Mafia“ und dem „Schummel-Grand Prix.“
Der Vorwurf des „Schummelns“ wird hierzulande dann gerne laut, wenn das Ungefälligere gewinnt. Sehr interessant für die Psyche eines Landes. Noch interessanter hingegen ist die Tatsache, dass genau das bei dieser Veranstaltung in den letzten Jahren immer wieder passierte.
Guildo Horn war allein schon äußerlich nicht jedermanns Geschmack. Und nur zu begierig fragte die BILD, ob so jemand Deutschland bei dieser internationalen Veranstaltung repräsentieren darf (!) – als ob es hierzu einer Erlaubnis höherer Stelle bedarf. Er hatte das Votum der Wähler, wie es in der Politik heißt. Und während man bei der Politik den Nichtwählern gerne jede Legitimation der Meinungsäußerung bezüglich des Ausgangs der Wahl abspricht, schließlich haben sie ja nicht gewählt, sind sie bei der Veranstaltung die lautesten und gebärden sich als „Hüter der wahren Werte“.
Im Falle Horn war es sowohl die musikalische als physische Darbietung, die anders war, neu war und (deshalb?) verboten, na ja, zumindest nicht nach Birmingham gelassen werden sollte.
Bei Stefan Raab war es seine Selbstinszenierung, seine Lust am sich, sein Dada-Text, was irritierte und hierzulande für Aufregung sorgte. Beim Wettbewerb selbst sorgte es für die beste Platzierung für Deutschland in diesem Jahrtausend.
Dann kamen Lou und Corinna May. Das Gefällige bekam, was es wollte, und Deutschland (so gut wie) keine Punkte.
Ein Jahr waren wir ganz weg, dann haben wir uns einfach auf Dauer eingekauft. Und jetzt will man gewinnen. Letztes Jahr tat das aber nicht Deutschland, sondern
Finnland – mit einem nicht wirklich gefälligem Beitrag.
Und Finnland, ein Land das allein seiner Geschichte wegen gewiss nicht der Ost-Mafia zuzurechnen ist, gewann auch mit den Stimmen aus allen Ländern. (Der Modus war letztes Jahr identisch mit dem von diesem Jahr.) Alle
Statistik-Details gibt's hier
Nicht die Marke muss geändert werden. Das Marketing.
Ein nationaler Vorentscheid, bei dem es vor allen dem Moderator und seinem Dauergast um ein gefällig-schwules Pling-Plang geht („Hach, was sind wir anders …“) und der Zuschauer lediglich die Chance hat, sich zwischen drei Variationen des Gefälligen entscheiden, ist der Anfang vom Ende. Da schaut keiner zu, der auch bereit wäre, per Telefon und damit Einsatz liquider Mittel Einfluss auf den Wahlausgang zu nehmen. Da glotzt man nur, tut nichts und regt sich dann über das Ergebnis auf.
Aber nicht das moniert der Boulevard (klar, man schlägt nicht die Hand, die einen füttert), sondern er nutzt das Ergebnis, um Stimmung gegen Nationen zu machen. Damit diskreditiert er nicht nur Unschuldige, er trägt auch erheblichen Anteil daran, dass der Wert der Marke verfällt – und dagegen sollte man was haben – unter anderem auch ein Konzept.
Wer will,
schreibt mir.