Ich bin kein Freund von Ratgeberbüchern. Spätestens als ich Vater wurde, wurde mir ihre verhehrende Wirkung offenbar. Menschen werden an einem schwachen Punkt erwischt und mittels Modalverbenbombardement und Konjunktivstakkato völlig weich und panisch gemacht. Ausschlag könnte das sein, bei unruhigem Schlaf wäre das und das möglicherweise die Ursache, man sollte auf hü und hott achten, um dann am Schluss zu sagen, dass man auch mal auf seine innere Stimme hören müsste. Horror. Die Stärke der Position des Mannes in einer Partnerschaft steht in umgekehrtem Verhältnis zur Anzahl der im gemeinsamen Haushalt befindlichen Ratgeberbücher. Aber das ist ein anderes Thema.
Ist es das? Auch in den Billys in den Büros derer, die was zu sagen haben, stehen jene Werke, in denen das Wissen anderer kommuniziert wird. Das kann von Vorteil sein, kann! Wie in dem zu besprechenden Fall.
Normalerweise sind ja Unternehmensratgeber meist gut getarnt. Sie sagen nicht „Wie Sie …“ oder „XYZ in X Tagen/Wochen“, sondern auf ihren breiten Rücken prangt in dicken Lettern nur ein Wort, z.B. „Marketing“. Das klingt kernig. Schließlich steht auch auf dem Buch der Bücher nicht „Das Buch der Bücher“, sondern „Die Bibel.“

Eine solche geschrieben zu haben, geben Tobias Meyer und Michael Schade nicht vor. Dazu ist der Titel zu lang und der Rücken zu schmal: „
Cross-Marketing – Allianzen, die stark machen. Mit Partnern schneller erfolgreich werden.“, heißt ihr Werk, das in der Edition PRAXIS.WISSEN beim
Verlag BusinessVillage erschienen ist.
Auch darin kommen viele, viele Modalverben vor, was typisch ist, und Interviews, was in einem Buch eher selten der Fall ist. Aber sei’s drum. Auch ne Art Koop-Marketing für die Interviewten.
Das, wir nennen es trotzdem so, Buch ist schnell zu lesen (Angabe der Autoren: zwei Stunden), voll mit Best Practise-Beispielen und Tipps, auf die man, aber
das ist ja nicht neu, auch
durch eigenes Nachdenken hätte kommen können. So aber spart man Zeit, was ja auch schomma von Vorteil ist.
Für alle, die sich erstmalig dafür interessieren, ein tolles Einstiegswerk. (Das dürfte der Halbsatz sein, den der Verlag dann zur Werbung auf dem Buchdeckel nutzt.

) Es erklärt, gibt einen Überblick und bestätigt sich selbst mit (selbst) ausgesuchten Beispielen. Daran ist nichts falsch oder auszusetzen, es ist eben, wie jedes Ratgeberbuch, mit Vorsicht im Sinne einer „kritischen Distanz“ zu genießen.
Achten Sie auf die Modalverben! Achten Sie auf die Form! Indikativ? Konjunktiv? Und achten Sie darauf, es nicht in ihr Büroregal zu stellen. Wenn, dann legen Sie es quer über die Wälzer. Sieht einfach cooler aus. Denn wie Sie wissen, ob nun Cross-Marketing oder nicht, Image ist entscheidend.