So Leute. Es ist wieder einmal an der Zeit, die Perspektive zu wechseln. Also setzen wir uns jetzt mal auf die andere Seite meines Schreibtisches und sind Journalist. Und? Was machen wir jetzt?
Wir jagen Informationen. Oft sind das auch Informationen über Firmen. Wo man die finden kann? Zum Beispiel im Internet. Nicht im Web 2.0, im ganz normalen Internet. Hoffentlich.
Wir suchen also Informationen über - sagen wir mal - Firma A. Und geben ihren Firmennanmen in Google ein. Prima. Gefunden. Ab auf die Homepage.
Und jetzt würden wir uns echt freuen, wenn es Informationen für Journalisten gäbe. In einem eigenen Bereich, egal ob der jetzt mit "Presse", "Aktuelles" oder sonstwie überschrieben ist. Häufig dagegen gähnt uns ein freundliches Nichts an. Offenbar wollen diese Firmen mit der Presse nichts zu tun haben.
Der zweite Fall ist mein Lieblingsfall: es gibt einen Pressebereich und ich freue mich. Ich klicke erwartungsvoll drauf. Wieder springt mich eine Perle der Informationskultur an: bitte loggen Sie sich ein. Einloggen? Mit Passwort? Ich will Information, und zwar sofort.
Also melde ich mich an. Zwei Tage später erhalte ich einen Anruf des Pressesprechers. Er sei unterwegs und könne mir erst in weiteren zwei Tagen ein Passwort mailen, da er in Timbuktu leider keinen Zugang zum firmeninternen Bereich hätte. Ach, der Redaktionsschluss?
Ich mache das, was ich immer in solchen Fällen tue: ich informiere mich bei der Konkurrenz. Wenn es dort schneller und besser geht, prima. Dann hat der Pressesprecher in Timbuktu eben Pech gehabt.
Aber kommen wir zum allseits beliebten dritten Fall. Ich finde Informationen. Die sind auch brauchbar. Texte in einem Format, das man weiter verarbeiten kann. Hochaufgelöste Bilder zum Download mit Legende.
Und jetzt will ich mehr. Ich finde das so interessant, dass ich mit den Leuten ins Gespräch kommen will. Ich will eine Telefonnummer. Eine e-mail-Adresse. Einen Menschen, dem ich meine Fragen ins Gesicht schleudern kann. Was finde ich? Nichts. Keinen Namen. Keine Nummer. Keine e-mail-Adresse.
Ich rufe bei der Zentrale an. Der Pressesprecher? Nicht im Haus. Die Durchwahl? Wir geben generell keine Durchwahl raus. Die e-mail-Adresse? Dito.
Zum Glück ist es nicht überall so. Es soll Firmen geben, die gute Informationen veröffentlichen und sogar über kompetente Ansprechpartner verfügen. Komisch, dass über die immer so viel berichtet wird.