Wer hat eigentlich Schuld an den ganzen schlechten Web-Sites da draußen?
Gerade bei kleineren Unternehmen ist die Homepage oftmals eine Katastrophe - aber auch Konzerne fabrizieren häufig einen Bockmist, dass man den Eindruck bekommt, der neue Marketing-Praktikant hat die Projektleitung übernommen.
Generell kann man schlechte Web-Sites in zwei Kategorien einteilen: Die "Schüler-Homepage" und die "Grafiker-Homepage".
Die Schüler-Homepage wurde entweder vom netten Nachbarsjungen entworfen und umgesetzt, oder von einem sogenannten Webdesigner, der auch nicht mehr drauf hat als der Junge nebenan (aber sehr viel mehr Geld verdient). So eine Web-Site bietet zwar alle (oder zumindest einige) wichtige Informationen über das Unternehmen, aber die Präsentation schreckt eher ab, und besondere Benutzerfreundlichkeit kann man auch nicht erwarten: Da ist ein Kontaktformular dann schon das oberste der Gefühle.
Etwas besser sieht es bei der Grafiker-Homepage aus: Hier hat sich jemand ein echtes Konzept überlegt, und dieser Jemand weiß auch, wie man eine Web-Site so gestaltet, dass sie richtig gut aussieht. Leider weiß er (oder sie) aber sonst nichts über Web-Sites, und das merkt man dann auch.
Der kreative Kopf hat sich jede Menge tolle Sachen ausgedacht, und die werden dann auch umgesetzt, ganz egal, ob der Benutzer etwas damit anfangen kann oder nicht. Ladezeiten? Verschiedene Browser? Kein Flash? Suchmaschinen? Schnickschnack...
Tja, aber wer hat denn nun Schuld an den schlechten Web-Sites? Der Schüler, der die schlechte Web-Site für ein paar Euro entwirft? Der Grafiker, der keine Ahnung hat, dass er eigentlich keine Ahnung hat? Denen kann man sicher vorwerfen, ihre Kunden schlecht beraten zu haben. Vielleicht wäre es für sie auch sinnvoll, noch mal über die Berufswahl nachzudenken. Den Auftrag aber hatten sie vom Unternehmer...
Bevor ich mir ein Auto kaufe, informiere ich mich erst einmal, worauf ich beim Autokauf denn überhaupt zu achten habe - insbesondere, wenn ich das Auto meinen Kunden präsentiere. Und wenn ich ein Ladenlokal einrichte, überlege ich auch genau, wie ich dem Kunden eine freundliche und einladende Atmosphäre schaffe. Bei Web-Sites scheint so was aber nicht nötig zu sein: Da fragt man den Designer, und der wird den Rest schon regeln.
Im besten Fall gewinnt man über eine solche Web-Site noch ein paar Kunden, die über die Mängel der Homepage hinwegsehen. Dann hat man gerade noch mal Glück gehabt. Es kann aber auch richtig schief gehen, und dann sind sogar eigentlich zufriedene Kunden so genervt von der Unternehmens-Homepage, dass sie sich lieber gleich einen anderen Anbieter suchen, als sich noch eine Sekunde länger damit auseinander zu setzen. Nicht nur das, eine miserable Web-Site hinterlässt auch die Assoziation eines lächerlichen Unternehmens. Das ist dann Eigen-Rufmord par excellence.
Fazit: Ob die Web-Site ein wichtiger Erfolgsfaktor fürs eigene Unternehmen wird, oder ob man gerade den Feind mit offenen Armen empfängt (und dafür auch noch Geld ausgibt), das entscheidet sich nicht erst, wenn die Web-Site steht. Der erste Schritt ist, sich darüber klar zu werden, was man eigentlich mit der Web-Site erreichen will. Der zweite Schritt muss sein, sich zu informieren, was eine solche Web-Site eigentlich ausmacht.
Wenn weniger Leute ihr Geld zum Fenster rauswerfen, wird vielleicht auch das Surfen im Internet wieder angenehmer...