Donnerstag, 16. August 2007
08:42
Presseverhinderer, Part XI
Diejenigen, die erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit betreiben, kennen das. Zur Genüge. Heute geht es um die Textfreigabe.
Häufig könnte man meinen, Texte seien Gefangene der Unternehmen. Bis die mal rauskommen, kann es Jahre dauern. Oder zumindest Wochen. Leidtragende sind normalerweise die Verfasser. Denn die haben sich viel Mühe gegeben, zu einem aktuellen Anlass auch etwas zu schreiben.
Und dann kommt da diese Textfreigabe. Für alle, die das nicht kennen, es funktioniert so: Der Verfasser, nennen wir ihn mal Herr Pressesprecher, verfasst einen Text. Gehen wir davon aus, dass er eine simple Produktmeldung unters Volk bringen will und ein ganz aktueller Aufhänger aus dem Tagesgeschehen sich anbietet.
Vielleicht schreibt Herr Pressesprecher über Handschuhe. Und weil heute die Kanzlerin in Grönland ist, würde so ein Handschuhtext ganz gut passen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen (vielleicht...). Vor ein paar Tagen hat Herr Pressesprecher das erfahren. Und gleich seinen Text geschrieben.
Jetzt wartet er. Denn sein Text muss vom Produktverantwortlichen freigegeben werden. Das ist Frau Handschuh. Die ist zum Glück nicht im Urlaub. Aber furchtbar beschäftigt. Und sie meint, in Grönland sei es mitten im Sommer gar nicht so kalt. Sie ersetzt also Grönland durch Antarktis.
Herr Pressesprecher spricht mit ihr. Er macht ihr klar, dass der Text dann aus aktuellem Anlass nicht mehr funktioniert, denn die Kanzlerin ist ja nun mal in Grönland. Also, alles zurück. Auf zur nächsten Instanz. Die Zeit drängt ein wenig, denn Frau Merkel ist nur heute in Grönland.
Jetzt geht der Text an Herrn Wichtig. Er ist derjenige im Unternehmen, der richtig was zu melden hat. Und deshalb ist er auch selten da. Und wenn er da ist, ist er in Meetings. Bis er die Ruhe hat, einen Text zu lesen, vergehen Tage.
Sie ahnen es. Herr Wichtig liest den Text. Er ist auch inhaltlich einverstanden und findet nur einen Kommafehler. Sein o.k. kommt allerdings erst übermorgen. Dann, wenn sich kein Mensch mehr für Grönland interessiert.
Herr Pressesprecher hat nun zwei Möglichkeiten: entweder er verschickt seinen Text trotzdem, oder er lässt es. Dann war alles für die Katz. So oder so wird ihn Herr Wichtig später fragen, warum eigentlich dieses aktuelle Thema niemals zu einer Veröffentlichung führte.
Häufig könnte man meinen, Texte seien Gefangene der Unternehmen. Bis die mal rauskommen, kann es Jahre dauern. Oder zumindest Wochen. Leidtragende sind normalerweise die Verfasser. Denn die haben sich viel Mühe gegeben, zu einem aktuellen Anlass auch etwas zu schreiben.
Und dann kommt da diese Textfreigabe. Für alle, die das nicht kennen, es funktioniert so: Der Verfasser, nennen wir ihn mal Herr Pressesprecher, verfasst einen Text. Gehen wir davon aus, dass er eine simple Produktmeldung unters Volk bringen will und ein ganz aktueller Aufhänger aus dem Tagesgeschehen sich anbietet.
Vielleicht schreibt Herr Pressesprecher über Handschuhe. Und weil heute die Kanzlerin in Grönland ist, würde so ein Handschuhtext ganz gut passen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen (vielleicht...). Vor ein paar Tagen hat Herr Pressesprecher das erfahren. Und gleich seinen Text geschrieben.
Jetzt wartet er. Denn sein Text muss vom Produktverantwortlichen freigegeben werden. Das ist Frau Handschuh. Die ist zum Glück nicht im Urlaub. Aber furchtbar beschäftigt. Und sie meint, in Grönland sei es mitten im Sommer gar nicht so kalt. Sie ersetzt also Grönland durch Antarktis.
Herr Pressesprecher spricht mit ihr. Er macht ihr klar, dass der Text dann aus aktuellem Anlass nicht mehr funktioniert, denn die Kanzlerin ist ja nun mal in Grönland. Also, alles zurück. Auf zur nächsten Instanz. Die Zeit drängt ein wenig, denn Frau Merkel ist nur heute in Grönland.
Jetzt geht der Text an Herrn Wichtig. Er ist derjenige im Unternehmen, der richtig was zu melden hat. Und deshalb ist er auch selten da. Und wenn er da ist, ist er in Meetings. Bis er die Ruhe hat, einen Text zu lesen, vergehen Tage.
Sie ahnen es. Herr Wichtig liest den Text. Er ist auch inhaltlich einverstanden und findet nur einen Kommafehler. Sein o.k. kommt allerdings erst übermorgen. Dann, wenn sich kein Mensch mehr für Grönland interessiert.
Herr Pressesprecher hat nun zwei Möglichkeiten: entweder er verschickt seinen Text trotzdem, oder er lässt es. Dann war alles für die Katz. So oder so wird ihn Herr Wichtig später fragen, warum eigentlich dieses aktuelle Thema niemals zu einer Veröffentlichung führte.
Geschrieben von Frauke Weber in Public Relations
4 Kommentare - 0 Trackbacks
Tags für diesen Artikel: aktuell, chef, grönland, journalist, oeffentlichkeitsarbeit, presseverhinderer, Public Relations


Kommentare
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Ed Wohlfahrt:
Vortrefflich gelungen diese Beschreibung zu den Leiden von Pressetext-Textern. Ich bin zwar noch keine zehn Jahre im Geschäft (sondern erst sieben) dennoch habe ich irgendwann begonnen, meine Kreativität zu zügeln. Will der Kunde ein Quadrat (und in der Regel merkt man das bald mal...) dann liefere ich quadratische Pressetexte. Steht er eher mal auf etwas extravagantes (und mäkelt dann nicht tagelang darauf herum) nun gut, dann texten wir doch mal etwas kreativer... So komme ich gut über die Runden und, was noch viel wichtiger ist, auch der Kunde bekommt von mir, was er sich eben vorstellt. Und darum geht es schließlich.PR-Päpstin:
so arbeite ich auch, nur, oft textet man ja für ganz unterschiedliche Freigabe-Instanzen. Die vor allem manchmal leider gar keine Ahnung von gescheiten Pressetexten haben. Mir hat mal einer Spannrollen durch Riementriebkomponenten ersetzt. Das sagt keiner, ist aber wissenschaftlich korrekt. An die Diskussion erinnere ich mich nur sehr ungern...Ed Wohlfahrt:
was könnten Spannrollen sein??PR-Päpstin:
Keine Sorge, die Zielgruppe kennt die. Das sind die Dinger, die zum Beispiel die Spannung des Keilrippenriemens (gern auch Keilriemen genannt) aufrecht erhalten.Kommentar schreiben