Auf besonderen Wunsch: Neuromarketing
- Was sagt denn die hier versammelte Kompetenz zum Neuro-Marketing und der Idee, daß bestimmte Marken "immer wieder neu" eine bestimmte (Alters-)Gruppe ansprechen?
Nun kann ich natürlich nicht für die komplette hier versammelte Kompetenz sprechen (es ist also jeder herzlich eingeladen, seinen Senf, Ketchup, Mayo zuzugeben), aber immerhin für mich. Und wie das bei mir so üblich ist, kann ich das alles nicht so ernst nehmen.
Neuromarketing? Da geht mir schon der Begriff auf die Nerven.
Natürlich ein selbstgefälliges Aperçu (aber sind sie das nicht alle?), aber hat natürlich einen wahren Kern. Damit wir aber alle über dasselbe diskutieren, hier erstmal die Wikipedia-Definition:
- Neuromarketing ist ein relativ neues und kontrovers diskutiertes Teilgebiet des Marketings, welches neurowissenschaftliche Technologien einsetzt, z. B. die funktionelle Magnetresonanztomografie. Das Ziel des Neuromarketings ist es, die bislang unsichtbaren Zustände und Prozesse, welche die Entscheidung eines potenziellen Konsumenten für oder gegen ein Produkt steuern, zu erforschen und sie in Beziehung zu sichtbaren Verhalten zu setzen. Es wird vor allem beobachtet, welche Gehirnareale durch verschiedene (Produkt-) Stimuli aktiviert werden. So löst die Darstellung von Produkten, mit denen sich ein Konsument stark indentifiziert, eine erhöhte Aktivität im medialen Präfrontal-Cortex (Präfrontaler Cortex) aus.
Das Ziel des Neuromarketing ist ein besseres Verständnis der Zustände und Prozesse des Affekts (Affekt) und der Kognition im menschlichen Gehirn und dadurch eine Ableitung über die wahren Bedürfnisse und Wünsche von Konsumenten. Ethische Aspekte müssen dabei berücksichtigt werden.
Wenn ich das lese, sehe ich wieder Forscher, die irgendetwas herausbekommen wollen, aber dann, falls sie es überhaupt finden, was sie suchen (falls sie wirklich wissen, was sie suchen), nicht wissen, wie sie es nutzen. Es ist ein klassischer Fall von Theoretikermarketing (wie auch Gendermarketing (m. E. völliger Müll, weil überflüssig und vor allem einseitig, aber das ist ein anderes Thema). Praktiker haben die Antwort längst gefunden: Titten.
Natürlich ist das übertrieben und allein nicht richtig, aber ist hinter all der "Forschung" nicht die jämmerliche Arroganz zu spüren, dass man als Mensch hochkomplex sein müsse, dass es da hochdiverse und diversifizierende Neuronalprozesse im Gange wären, die subtil reagieren und blablabla, bloß weil man sich nicht eingestehen will, dass der Mensch ein Primat ist, der allerdings, wie Loriot es so schon sagte, als einziges Lebewesen in der Lage ist, während des Fluges eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen?
Ich weiß auch nicht, was mich mehr erschreckt: die Überheblichkeit derer, die einem Neuromarketing als wirklich neu und toll und glücklich sowie erfolgreichend machend verkaufen wollen, oder die Einfältigkeit derer, die das glauben - und kaufen. (Dann habe ich aber wieder Respekt vor der Leistung des Verkäufers.)
Solche Begrifflichkeiten gaukeln eine Wissenschaftlichkeit und damit Kalkulierbarkeit von Kreativität vor, lenken aber nur von dem ab, um das es wirklich geht: verkaufen. Ich halte so lange mein Produkt/mein Angebot zurück, bis ich 100% sicher bin, dass es nachgefragt und akzeptiert wird. Das ist die alte TTT-Strategie (Täuschen. Tricksen. Tarnen), denn so lange etwas nicht da/real (bzw. im Real,-) ist, solange wird es niemand wollen. Obwoh, falsch: einer verkauft - der "Neuromarketeer".
Wie war das?
- Das Ziel des Neuromarketing ist ein besseres Verständnis der Zustände und Prozesse des Affekts (Affekt) und der Kognition im menschlichen Gehirn und dadurch eine Ableitung über die wahren Bedürfnisse und Wünsche von Konsumenten.
Ganz offensichtlich aktivieren seine Texte/Charts/Diagramme den medialen Präfrontal-Cortex seiner Adressaten - ganz ohne Titten, dafür aber mit etwas, was den deutschen Manager noch mehr in Wallung bringt: Angst.
Neuromarketing ist also nichts weiter als die Suggestion von Sicherheit.
Meine Meinung. Und nun du ...


Kommentare
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URS:
Ach wie schön, dass ich keiner Zielgruppe angehöre.Für Standard-Werbung habe ich ausgezeichnete Filter im Kopf, die mir die Werbung ausblenden, als ob ich sie nie gesehen oder gehört hätte -- ich kann mich einfach nicht daran erinnern.
Gelegentlich sehe ich gut gemachte Werbung, ohne dass mich hinterher im geringsten das Produkt interessieren würde. (Die Baguette-Crashtest-Werbung ist klasse, aber ich käme nie auf die Idee, mir einen -- wofür ist die denn nun? Renault? Citroen? Is ja auch egal. -- zu kaufen.)
Informative Werbung interessiert mich offensichtlich am meisten, da ich mich hinterher an Daten, Produkt und Hersteller erinnern kann. Wirkt bei mir aber meistens nur in der Form von "Wir haben ein neues Produkt herausgebracht.", und ich weiß dann wenigstens, dass es sowas gibt. Bedarf hatte ich noch nie.)
Und in der Zwischenzeit geben die Hersteller Geld an die Marketing-Fuzzies aus. (Mein Geld. Schließlich muss das Budget auf den Preis aufgeschlagen werden.) Und ich freue mich höchstens über dieses Blog oder wirklich gute Werbung, wie sie hier mal vorgestellt wird.
Neuromarketing -- ob das bei mir wirken würde? Ich glaube nicht. Aber weiterhin viel Spaß beim Geld abziehen.
Dennis:
Also: ersteinmal: super spannendes Thema! Ich befasse mich schon seit längerem mit dem Thema Neuromarketing und ich hab auch schon fast alles an Literatur gelesen, was es so auf dem Markt gibt.Und ich muss sagen, dass fast alle, die Bücher darüber geschrieben haben der Meinung sind, dass das Thema an sich nicht als eigenständies Tool im Marketingmix bestehen kann. Also ist das Thema an sich auch nicht wirklich überbewertet. Weil was bringt es mir denn, wenn ich eine Anzeige oder Plakat nur nach Regeln der menschlichen Reaktion auf Reize gestalte? Gar nix...! Aber nichts desto trotz muss man ja annerkennen und akzeptieren, dass der Mensch eben auf bestimmt Dinge reagiert (Titten, Kinder, Farbe, etc). Und warum sollte man diese Erkenntnisse nicht in seine Werbung integerieren, wenn man doch weiß, dass sich irgendwas im Gehirn abspielt? Natürlich geht das nicht immer und überall. Aber man sollte es doch wenigstens versuchen. Und wie ich finde, ist die Aufgabe des Neuromarketings nicht das Verkaufen, sondern einfach nur Aufmerksamkeit erregen, mehr nicht. Die Leute sollen sich das Plakat oder was auch immer anschauen und irgendwas soll im Kopf passieren. Ob Sie nun das Produkt kaufen oder nicht, ist die andere Sache.
So leider kann ich hier an der Stelle nicht weiter schreibe, da ich unbedingt los muss, werde aber morgen mein Kommentar beenden.
Grüße
Dennis
Wortführer:
Aber die Dinge (Titten, Kinder, Farbe, etc) werden doch schon immer integriert, schon lange vor diesem Begriff. Warum also einen Begriff schaffen? Doch, weil s Neues suggeriert, wo es nicht Neues gibt. Wir sind Primaten. Wer das akzeptiert, hat Erfolg.derherold:
In meiner Branche muß ich mir keine allzu großen Sorgen machen, da meine Zielgruppe in der Masse 35 bis 50 Jahre alt ist und aus ähnlichen Motiven erwirbt.Aber was ist mit dem Ansatz, daß "man" mit 60 keine 25 mehr ist und T, K, F troz "best-ager" eine andere Rolle spielen ? Daß zwar mit 50 der 911er gekauft aber danach konsequent der Weg zu den Katzenfellen gesucht wird ? Vllt. kein Gender-, aber ein Ager- oder Hormon-Marketing.
Wortführer:
Was soll mit dem Ansatz sein?"Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'" - im übertragenen Sinne: Wenn meine Kunden so sind, dann bekommen sie das halt.
Herauszufinden, dass die so ticken, wäre kein Marketing, sondern Marktforschung. Oder?
Alexander Grosch:
Hallo,also wirklich schöner Blog und sehr "interessanter" Artikel. Doch ich muss auch sagen, dass ich Kritik grundsätzlich positiv finde, solange sie in irgendeiner Weise konstruktiv ist. Dieser Artikel ist mir aber ein wenig zu destruktiv. Ich weiß nicht, wie sehr sich alle hier Beteiligenden mit dem Thema auseinander gesetzt haben, aber ich befürchte nicht allzu sehr.
Also zunächst einmal sollte diese wissenschaftliche Disziplin nicht zu sehr ins lächerliche gezogen werden, denn 1. sind mittlerweile Erkenntnisse gewonnen worden, die für die Marktforschung als auch das Marketing durchaus anwendungsrelevant sind und 2. immer mehr Unternehmen erfolgreich mit diesem Ansatz agieren.
Viele Grüße,
Alexander Grosch
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