Als Binhack am nächsten Morgen in seinem betagten Mercedes zur Firma fuhr, lag dichter Nebel über dem Tal. Im Frühjahr und im Herbst lag um diese Uhrzeit immer Nebel über Königsbach-Stein. Binhack gefiel das. Es hatte etwas Geheimnisvolles an sich, wenn nur die dunklen Baumwipfel aus den milchigen Schleiern herausragten. Die paar Kilometer von Bretten zur Firma legte er ohnehin wie im Schlaf zurück, die Fahrt ließ ihm Zeit zum Denken. Erst am Kreisverkehr im Industriegebiet der Ortschaft Stein würde er richtig zu sich kommen, wenn das Verwaltungsgebäude und die Fabrikhallen vor ihm aufragten. Wenn er den Wagen abgestellt hatte und mit einem knappen „Grüß Gott“ an Frau Fischer vom Empfang vorbei in seinem Büro angelangt war. Heute jedoch würde er gar nicht erst hochgehen in den zweiten Stock. Vielmehr hastete er direkt zur Werkhalle 1, wo Hannes Schneider wie immer am frühen Morgen eine Tasse dampfenden Kaffees in den ölverschmierten Händen hielt und seine Morgenzigarette rauchte. Gemeinsam mit ihm wollte Binhack seine Überlegungen diskutieren. „Einer alleine ist noch keine Fabrik“, lautete der Leitspruch der Firma, den Gründer Otto Felss einst formuliert hatte und der damit so alt war wie das Unternehmen selbst. Binhack teilte diese Ansicht, selbst wenn er bisweilen gerne für sich alleine blieb, um zu experimentieren.
Schneider beugte sich gespannt über die nächtlichen Skizzen und Aufzeichnungen. „Das wär doch was“, beschwor ihn Binhack ungeduldig. „Meinen Berechnungen nach müsste sich die Kraft auf diese Weise ziemlich reduzieren lassen, die Rohre würden nicht mehr so leicht verbiegen. Und das alles mit Hilfe der kleinen, aber feinen Besonderheitder Rückwärtsbewegung!“ Binhack machte zwei kurze Cha-Cha-Schritte und rief Schneider zu: „Ich wette um eine Flasche besten Trollinger-Lemberger, dass es klappt!“ Der schmunzelte in sich hinein. Binhack gewann seine Wetten oft, und stets war es sein geliebter Trollinger-Lemberger, der zum Einsatz kam. In der Firma nannten sie ihn deshalb TL – eigentlich das Kürzel für „Technischer Leiter“, der Binhack ja war, aber eben auch die Abkürzung für seinen Lieblingswein. „In Ordnung“, sagte Schneider und schlug mit seiner ölverschmierten Hand ein. Gemeinsam begannen sie, die Details von Binhacks Aufzeichnungen zu diskutieren und zu überlegen, wie die ersten praktischen Tests und Versuche ablaufen sollten. Nach kurzer Zeit konnten sie bereits das erste viel versprechende Werkstück präsentieren.
Das Patent (Trailer) Das Patent (1)