Die Entscheidung, Binhack zu unterstützen, war goldrichtig gewesen. Sieben Jahre lag es nun zurück, dass Felss das Verfahren zum Patent angemeldet hatte. Was in dieser Zeit alles geschehen war! Christine Kienhöfer schaute aus dem Fenster auf die dicht bewaldeten Hügel rund um Königsbach-Stein und ließ die Gedanken schweifen. So manches hatte sie verändert, seit sie das Unternehmen nach dem Tod ihres Vaters übernommen hatte. Die neue Holdingstruktur hatte sich als Erfolg erwiesen, ebenso wie die Einführung moderner Managementinstrumente. Einer der Höhepunkte der vergangenen Jahre war die Akquisition des Allgäuer Maschinenbauers Burger gewesen. Außerdem hatte das enorme Wachstum der Komponentenfertigung die Gründung und den Ausbau von Werken in Bretten und im amerikanischen Milwaukee nach sich gezogen. Ein weiteres Komponentenwerk in China war in Planung. Und schließlich Binhacks Erfindung: Sie hatte sich im Markt genauso durchgesetzt wie einst die Rundknettechnik und die Transferanlagen. „Rekursives Axialformen“ hieß die Technologie heute.
Mit einem Ruck setzte sich Christine Kienhöfer auf. Es gab noch genug zu tun, wenn sie abends pünktlich zum Konzert der Musikschule wollte. Gerade hatte sie die Hand nach dem Telefonhörer ausgestreckt, da klingelte der Apparat. Nicht die Nummer der Sekretärin, sondern ein Anruf aus dem Nachbarort. „Kienhöfer“, meldete sich die Chefin mit resoluter Stimme. Dann hörte sie sprachlos zu, runzelte die Stirn und zog sich einen Notizblock heran. Als ihr Gesprächspartner aufgelegt hatte, blieb sie regungslos sitzen, den Hörer in der Hand. Jetzt galt es, Ruhe zu bewahren.
Das Patent (Trailer) Das Patent (3)