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Dampfnudel mit Hering

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister leidet noch nicht unter seinem zu hohen Bekanntheitsgrad. Im Gegenteil. Da hat er sich jetzt überlegt, dass er sich mal ganz flugs positionieren kann. Mit Kulturgut.

Also poltert Hendrik Hering los. Denn der Aufreger ist für ihn, dass bayerische Patrioten ein pfälzisches Kulturgut für sich vereinnahmen möchten: die Dampfnudel. Das Hamburger Abendblatt klärt uns auf:

DPA titelt: "Rheinland-Pfalz will die Dampfnudel nicht den Bayern überlassen." Es geht um den Plan, diese Leckerei als bayerische Spezialität unter EU-Schutz stellen zu lassen. Dann dürften Dampfnudeln unter diesem Namen nur noch in Bayern hergestellt und von dort aus vermarktet werden - wie Nürnberger Würstchen oder Allgäuer Käse. Das sei "nicht akzeptabel", erzürnt sich der Mainzer Minister Hendrik Hering (!) und spricht von "bajuwarischer Beutekunst". Besagter Herr aus dem Kabinett Beck erhebt für sein Land Anspruch auf die Urheberschaft und erklärt im Internet: "Hering wird um Dampfnudel kämpfen." Noch Fragen?


Boaaaah! Harte Worte. Bajuwarische Beutekunst. Der Hering zettelt jetzt echt nen innerdeutschen Krieg an. Hintergrund ist wohl, dass die Pfalz einst bayerisch war. So berufen sich die Bayern also historisch korrekt auf eine vielleicht einst in Bayern erfundene Spezialität.

Offziell heißt es aus dem Mainzer Wirtschaftsministerium:

„Da die Pfalz seit geraumer Zeit nicht mehr unter die königlich-bayerische Gerichtsbarkeit fällt, sondern zu Rheinland-Pfalz gehört, werden wir uns die Dampfnudel nicht kampflos nehmen lassen. Wir werden alle diplomatischen und juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, damit diese regionale Delikatesse auch weiterhin in den Gebieten hergestellt, verkauft und verzehrt werden kann, die nach dem Wiener Kongress zu Bayern geschlagen wurden.“


Aber, es kommt noch besser:

Im Wege einer gütlichen Einigung schlage er vor, gemeinsam für den europaweiten Schutz einer „Wittelsbacher Dampfnudel“ einzutreten, so der Minister. Dann hätte diese Köstlichkeit endlich einen nachvollziehbaren regionalen Bezug, den die „Dampfnudel“ jetzt noch nicht habe. Als Ort für einen pfälzisch-bayerischen Dampfnudel-Gipfel schlug er die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben vor. Sie steht bekanntermaßen im schönsten Teil des früheren bayerischen Königreiches, nämlich der Pfalz…


Ist jetzt der Hering ein Wittelsbacher (ist er nicht)? Mag er gern Dampfnudeln? Oder nutzt er einfach nur die närrische Zeit, um sich ein wenig bekannter zu machen? Mal ganz ehrlich: wieviel Prozent der Deutschen, wissen denn wirklich, wo die Wittelsbacher zu Hause waren? Und ob das jetzt in Rheinland-Pfalz oder Bayern liegt? Von den Ausländern wollen wir gar nicht reden.

So oder so: Dampfnudeln mag nicht jeder. Schon gar nicht mit Hering. Wer das trotzdem versuchen möchte, bitteschön. Vielleicht schreibt ja hier einer ein Rezept.
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Wortführer:

Die Pfalz war nie bayrisch. Eher umgekehrt. Dies allerdings verhinderte die bayrische Erbfolgeregelung, dernach nur der, der auch in München auf dem Thron sitzt, über Bayern regieren kann. Deswegen zog's den rechtmäßigen Erben des Throns, den Kurpfälzer Max an die Isar.

Quelle: http://www.km.bayern.de/blz/eup/02_06_themenheft/1.asp
10:05

PR-Päpstin:

... ob das Wasser auf die Mühlen des Hering ist???
10:09

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