Hach, das waren Sprüche. Lang, deutsch, unvergessen. Statt dessen muss es heute immer kurz und knackig sein. Hoppla, schon die zweite Assoziation zum Thema "Apfel" - und jede jugendfrei. Und das bringt mich zu der Bitte um Publikation, die uns heute ereilte. Wir mögen doch bitte, nein, nicht über den kleinen, sondern den Roten Prinzen, genauer und auf gut deutsch gesagt:
Red Prince berichten. Das ist eine Apfelsorte, die nach eigenen Angaben 1994
entdeckt wurde. Kann man eine Apfelsorte entdecken? Und wenn ja, wo? War sie verschollen? Seit wann? Darauf bekommt man keine Antwort, auch nicht im Yippie-PR-Text, der nur so strotzt vor bravourösem Anschluss des VHS-Kurses "Bildhaftes Schreiben I":
Für die neue Apfelsorte Red Prince unseres Kunden Elbe-Obst haben wir es im Nov./Dez.07 für knapp 3 Wochen einmal „so richtig krachen lassen“ und mit 7 rotkostümierten, Goethe zitierenden, knackigen Promo-Aktivisten bundesweit mehr als 35.000 ebenso knackige Red Prince-Äpfel unters Volk gebracht.
Aha, jetzt ist die Apfelsorte
neu - nicht mal mehr neu entdeckt. Und das Wortspiel wird mit Gänsefüßchen hervorgehoben, wohl wohlwollenderweise damit wir Herren im fortgeschrittenen Alter diesen "Kracher" auch bloß nicht überlesen. Was hat Goethe damit zu tun? Warum wird er zitiert? Womit?
Hier steh' ich nun, ich armer Tor,
und bin so klug als wie zuvor.
Fällt mir gerade dazu ein. Aber das beeindruckt den Schreiber nicht. Er, tschuldigung: pluralis majestatis
Wir finden: das ist eine Meldung wert!
Und auch die Pressetexte sind mindestens so charmant wie die Prinzen selbst!
Scheinbar mangelt es weder an Sendungs- noch Selbstbewusstsein, das ist gut. Und noch besser - bis auf einen Fehler - ist der abschließende Verweis
Wir freuen uns auf die Meldung in Ihrem Blog, die sicher alle Besserwerber interessieren dürfte…
Der Fehler? Es müsste heißen, "..., der sicher alle Besserwerber interessiert."
Aber alles OK. Wer sich für einen Apfel interessiert, für den sich die Stiefmutter Dornröschens gewiss sehr interessiert hätte, aber da ward er ja noch verschollen, entdeckt ihn
hier.
Und wer wissen will, was man noch tun kann, außer i
n einen sauren Apfel beißen:
bitte.