„O, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, that has such people in't!“
(Shakespeare – The Tempest)
Momentan werden überall Prognosen für 2009 veröffentlicht. Ich gucke mal ein bisschen weiter voraus – sagen wir, ins Jahr 2019. Und da ich in 2008 zum Optimismus konvertiert bin, nehme ich eins gleich vorweg: Für uns Marketer und Werber wird alles viel einfacher werden.
Dass ich die Überschrift einer
berühmten Dystopie entliehen habe, steht keineswegs im Widerspruch dazu. Schließlich sind die Hauptmerkmale der dort beschriebenen schönen neuen Welt (Konditionierung, Konsum- und Amüsiersucht, Promiskuität, Gruppenzwang, Glücksdrogen) aus Werbersicht sehr positive Grundlagen für erfolgreiches und relativ unkompliziertes Schaffen.
Die Erkenntnis, dass es genau so kommen wird, ergibt sich aus zwei Beobachtungen:
Erstens: Neuromarketing (ja, schon wieder) wird einen heftigen Entwicklungsschub erfahren. Schon allein deshalb, weil die Hirnforschung im Allgemeinen und Brain-Computer-Interfaces im Besonderen auf dem Vormarsch sind. Es ist unausweichlich, dass damit der Weg von Informationen und somit auch von werblichen Botschaften ins Gehirn – speziell ins „
Kaufhirn“ - ein
anderer werden wird.
Zweitens: Darauf aufbauend kommen Entwicklungen hinzu, die sich zum Einen aus der steigenden Bereitschaft des Menschen zu chirurgischen „
Optimierungen“ und zum Anderen aus der Hinwendung zu immer oberflächlicheren Vergnügungen ergeben. Die von Huxley beschriebene „
primitive“ Kultur kommt der menschlichen Natur so sehr entgegen, dass wir dafür gerne auf Freiheit verzichten. Payback-Karten sind ein schöner Beleg dafür. Und die Weiterentwicklung dieser Karten sind die bereits häufig verwendeten implantierten Mikrochips. In Hundehälsen, unter unseren Fingerkuppen und demnächst auch immer öfter im Gehirn.
Gerade erst war nämlich
zu lesen, dass ein bereits erfolgreich getesteter Chip zur Verbesserung des Sexuallebens in zehn Jahren perfektioniert sein wird (nur ein on/off-Schalter mit Feinjustierung fehlt bisher). Jeder zweite sexuell aktive Mensch (+/-) wird sich dann etwas in seinen
Triebkortex (ja, genau: in den Teil, der auch bei Kaufentscheidungen die tragende Rolle spielt) einpflanzen lassen, das von außen –
wireless - gesteuert wird.
Zusammengefasst, leicht verkürzt und grob vereinfacht: Der Werber der Zukunft wird sich das ganze Psychologiegedöns schenken können und den Kaufbefehl gleich vom Bildschirm ins Konsumentenhirn senden. Und wir werden
uns dabei in orgasmischen Zuckungen winden es lieben.
Ich wünsche allen Besserwerbern ein erfolgreiches, spannendes und glückliches Jahr 2009!