Sonntag, 15. Juni 2008
16:20
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert…
…aber möglicherweise auch recht isoliert. Oder nur noch im Kreise ähnlich ruinierter Existenzen. Was nicht immer sinnvoll ist, falls man noch „Wachstum“ im Sinn hat.
In letzter Zeit stolpere ich wieder ständig über das Thema Wissensmanagement. Es ist in den vergangenen Jahren mit den wachsenden Möglichkeiten der Technik zwar relativ spannend geworden, grundsätzlich aber immer noch ziemlich trocken. Vor allem für die weniger Technik-Begeisterten unter uns. In den meisten Unternehmen wird es deswegen sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation sträflich vernachlässigt.
Und genau deshalb kommt es immer mal wieder zu einer völlig fehlgeschlagenen Marketing-Kampagne, einem folgenschweren Faux-pas in der Acquise und verprellten, ehemals wohlgesonnenen potenziellen oder bestehenden Kunden. Weil die Unternehmen über ihre Zielgruppe zu wenig wissen. Sie beobachten halbherzig, analysieren oberflächlich, und die damit ohnehin schon dürftigen Daten werden in den seltensten Fällen gepflegt, geschweige denn optimal genutzt.
Dabei sind sie die Basis effizienter Kommunikation und damit jeder Marketingstrategie. Man muss seine Freunde genauso gut wie seine Feinde kennen. Das hat mir letzte Woche ein Kollege sehr amüsant vor Augen geführt. Der junge Mann ist ein Computerfreak. Aber sein größtes Hobby sind: Frauen. Zuletzt fiel sogar das Wort „Profi“. Und zwar völlig zu recht, wie ich dann erfuhr.
Er ist einer dieser Powerdater, die in unzähligen Single-Börsen auf der Pirsch sind und pro Woche drei bis sechs Dates abfeiern. Inklusive Aufbau- und Abkling-Phasen ist natürlich klar, dass sich einige Geschichten überschneiden. Viele der Dates werden außerdem zu dauerhaft-sporadischen Beziehungen.
Es war mir bekannt, dass solche Menschen mit Karteikarten operieren. Aber mein Kollege hat - computerbegeistert wie er ist – ein bis in die Details perfektioniertes, digitales System aufgebaut. („Das hat sich halt so ergeben!“) Erst wurden nur Fotos und Kontaktdaten abgelegt. Dann kamen Kalendernotizen („Jubiläen“ á la „vor drei Monaten haben wir das erste Mal…“) und erweiterte Profildaten wie gewisse Vorlieben dazu. Tags. Anmerkungen. Es wuchs und wuchs.
Inzwischen errechnet das System eigenständig Menstruations- und Eisprungphasen, erinnert an Geburtstage und updated Beziehungen unter den verschiedenen Damen - und anderen Herren - dank einer API. Damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Zum Beispiel wenn sich rausstellt, dass man zufällig zwei dick befreundeten Kandidatinnen zeitgleich dieselben Textbausteine gemailt hat. „So etwas passiert einem Profi nicht!“
Der Kollege macht das wirklich geschickt. Und damit ist er sicher einer der ganz wenigen dieser Sorte, die nicht über kurz oder lang nur noch verbrannte Erde um sich herum haben. Denn die Mädels tratschen ja wie verrückt. Und wenn irgendwo der Eindruck aufkäme, dass er mehr Bonobo als Mann ist, müsste er wohl völlig umdisponieren. Ganz weit weg neu anfangen. Umziehen. In die Ferne schweifen. Kosten!
Ich sage es gleich: der Kollege wird seine Software nicht weiterverkaufen. Aber möglicherweise passt er sie für unternehmerische Zwecke an und wird dann mit einer innovativen Knowledge-CRM-Software reich. Dann braucht er sich um Konkurrenz ohnehin nicht mehr zu scheren und gibt vielleicht den Quellcode als Open Source frei…
In letzter Zeit stolpere ich wieder ständig über das Thema Wissensmanagement. Es ist in den vergangenen Jahren mit den wachsenden Möglichkeiten der Technik zwar relativ spannend geworden, grundsätzlich aber immer noch ziemlich trocken. Vor allem für die weniger Technik-Begeisterten unter uns. In den meisten Unternehmen wird es deswegen sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation sträflich vernachlässigt.
Und genau deshalb kommt es immer mal wieder zu einer völlig fehlgeschlagenen Marketing-Kampagne, einem folgenschweren Faux-pas in der Acquise und verprellten, ehemals wohlgesonnenen potenziellen oder bestehenden Kunden. Weil die Unternehmen über ihre Zielgruppe zu wenig wissen. Sie beobachten halbherzig, analysieren oberflächlich, und die damit ohnehin schon dürftigen Daten werden in den seltensten Fällen gepflegt, geschweige denn optimal genutzt.
Dabei sind sie die Basis effizienter Kommunikation und damit jeder Marketingstrategie. Man muss seine Freunde genauso gut wie seine Feinde kennen. Das hat mir letzte Woche ein Kollege sehr amüsant vor Augen geführt. Der junge Mann ist ein Computerfreak. Aber sein größtes Hobby sind: Frauen. Zuletzt fiel sogar das Wort „Profi“. Und zwar völlig zu recht, wie ich dann erfuhr.
Er ist einer dieser Powerdater, die in unzähligen Single-Börsen auf der Pirsch sind und pro Woche drei bis sechs Dates abfeiern. Inklusive Aufbau- und Abkling-Phasen ist natürlich klar, dass sich einige Geschichten überschneiden. Viele der Dates werden außerdem zu dauerhaft-sporadischen Beziehungen.
Es war mir bekannt, dass solche Menschen mit Karteikarten operieren. Aber mein Kollege hat - computerbegeistert wie er ist – ein bis in die Details perfektioniertes, digitales System aufgebaut. („Das hat sich halt so ergeben!“) Erst wurden nur Fotos und Kontaktdaten abgelegt. Dann kamen Kalendernotizen („Jubiläen“ á la „vor drei Monaten haben wir das erste Mal…“) und erweiterte Profildaten wie gewisse Vorlieben dazu. Tags. Anmerkungen. Es wuchs und wuchs.
Inzwischen errechnet das System eigenständig Menstruations- und Eisprungphasen, erinnert an Geburtstage und updated Beziehungen unter den verschiedenen Damen - und anderen Herren - dank einer API. Damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt. Zum Beispiel wenn sich rausstellt, dass man zufällig zwei dick befreundeten Kandidatinnen zeitgleich dieselben Textbausteine gemailt hat. „So etwas passiert einem Profi nicht!“
Der Kollege macht das wirklich geschickt. Und damit ist er sicher einer der ganz wenigen dieser Sorte, die nicht über kurz oder lang nur noch verbrannte Erde um sich herum haben. Denn die Mädels tratschen ja wie verrückt. Und wenn irgendwo der Eindruck aufkäme, dass er mehr Bonobo als Mann ist, müsste er wohl völlig umdisponieren. Ganz weit weg neu anfangen. Umziehen. In die Ferne schweifen. Kosten!
Ich sage es gleich: der Kollege wird seine Software nicht weiterverkaufen. Aber möglicherweise passt er sie für unternehmerische Zwecke an und wird dann mit einer innovativen Knowledge-CRM-Software reich. Dann braucht er sich um Konkurrenz ohnehin nicht mehr zu scheren und gibt vielleicht den Quellcode als Open Source frei…
Geschrieben von Esther Rudolph in CRM
4 Kommentare - 1 Trackback
Kommentare
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Christof Hintze:
Da sieht man mal was echte Relevanz für einen Vorteil gegenüber Schlagwörtern hat. Denn meisten Firmen reicht es eben, wenn sie behaupten können sie hätten Wissensmanagement irgendwie integriert in das Unternehmen. Es natürlich nicht nutzen und pflegen. Aber wenn mal der Bedarf da ist, dann sieht man mal, wie an diesem sehr schönen Beispiel, was wirklich geht. Und ich glaube auch das Dein Kollege mit dem System reich werden kann, denn er ist mit dem Problem bei weitem nicht allein, wie ich oft erzählt bekomme. Sehr oft. Ist es die da? Die da? Oder die da?Esther Rudolph:
Genau. Es ist das ganz klassische Thema: In Dinge, die erst in der Nachhaltigkeit ihren wahren Wert entfalten - kurzfristig vernachlässigbar erscheinen und daher der typisch menschlichen Trägheit zum Opfer fallen - wird ungern Zeit und Geld investiert.Noch ist das kurzfristige Denken allgegenwärtig. Aber zumindest wir arbeiten ja dran.
Jaci:
So denken aber leider die wenigsten von uns, denn meisten geht es eher darum schnell ein paar Euro zu machen. Das ist eine Sache die nicht so richtig in meinen Kopf will, wieso will man auf die schnelle mal ein paar Tausend machen, wenn man langfristig gesehen mal 100 Tausend Euro machen könnte. Ich glaube das dieses Denken von unseren Managern in die Welt geschrieen wurde, denn die interessieren sich sowie so nur für sich und ihren Erfolg.Esther Rudolph:
Ja, an guten "Vormachern" mangelt es leider. Aber ich habe schon das Gefühl, dass gerade die ersten Ansätze zum Umdenken spürbar sind...Kommentar schreiben