Der deutsche Mittelstand ist verklemmt

Zwei voneinander völlig unabhängige Schnipsel des gestrigen Tages haben mich zu diesem Posting veranlasst.

81% aller mittelständischen Unternehmen in Deutschland verweigern immer noch web2.0.Erstens wurde bei Xing diese Studie (PDF, ca. 4 MB) von IBM und Impulse diskutiert. Die Kernaussage geht in etwa so:

    81% aller mittelständischen Unternehmen in Deutschland verweigern immer noch web2.0.


Zweitens schickte mir ein Freund einen Text von Khalil Gibran über die Liebe, offensichtlich emotional sehr aufgeregt und hellauf begeistert. Kenner stöhnen auf und wissen Bescheid: Wahnsinnig schwülstig-romantische Worte, ein Hohelied auf die Irrationalität. Exakt den Text hatte ich dem Herrn vor zwei oder drei Jahren selbst schon mal geschickt. Er hat sich damals fast übergeben und in lästerlicher Art über meine romantische und idiotische Umnachtung lustig gemacht. Das konnte er jetzt natürlich überhaupt nicht mehr glauben. Denn er ist momentan einfach wahnsinnig verliebt.

Mich hat das daran erinnert, dass es mir zu Beginn meiner Laufbahn in beruflichen Dingen oft ähnlich erging: Monatelang versuchte ich, meinen Kunden die großartigen Vorzüge diverser Innovationen aus der digitalen Marketingwelt nahe zu bringen. They just didn´t get it. Und ein Jahr danach riefen sie plötzlich an und schilderten mit Verzückung und Gier in der Stimme von etwas Großartigem, über das sie ganz zufällig gestolpert wären, und genau das wollten sie jetzt unbedingt auch. - Was, darüber hatten wir schon gesprochen??

Inzwischen bin ich zum Glück besser geworden. Und für die Werber unter uns ist es ohnehin ein alter Hut, dass man jemanden erst mal entsprechend emotional manipulieren missionieren in die richtige Stimmung bringen muss, damit er erkennt, wie toll etwas ist und wie unbedingt er es braucht. Auch ohne die inneren Mechanismen nachvollzogen zu haben. Weil es einfach so unbeschreiblich guuut ist.

Man braucht solche schwer erklärbaren Dinge nicht zu verstehen, es ist viel überzeugender sie zu erleben. Man sollte also den scheißrationalen Controler betäuben und den Geschäftsführer bei seiner ganz privaten Leidenschaft packen. Ein nebenbei fallen gelassener Hinweis auf ein Märklin-Wiki bewirkt oft zigfach mehr als eine noch so geniale Präsentation zur Optimierung des hauseigenen Intranets.

Dass sich der deutsche Mittelstand immer noch so sehr gegen all die Vorteile und Möglichkeiten des Social Webs, des Sharings, der Offenheit und nicht zuletzt des konstruktiven Spaßes bei der Arbeit verwehrt, hat sicherlich viel mit Angst und einer gewissen Prüderie in der beruflichen Mentalität der Deutschen zu tun. Andererseits kriegt ein geschickter Womanizer jedes noch so tugendhafte Gretchen zum Erblühen.

Es liegt demnach nur an uns „Beratern“, dass hierzulande das Feuer noch nicht so richtig brennt.
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