Donnerstag, 16. Oktober 2008
10:53
Fast ein Interview
Via Chef ereilt mich gestern eine Anfrage des Senders "Fritz" vom RBB, ob ich als Wortführer des Besserwerber-Blogs nicht was zum "Nutella-Fluch" sagen könne. Ich sagte nicht, dass es dieser Eisnchränkung nicht bedarf, schließlich muss man als Wortführer zu allem was sagen können*, und man verabredete ein Vorabgespräch. Das wurde durchgeführt, parallel dazu noch ne Mail mit der Anmoderation und Fragen geschickt, aber gefragt wurde nie. D.h., das Interview fand nicht statt, d.h. nicht gestern, nicht im Radio. OK, dann also nicht dort, sondern hier:
(Anmoderation) Ein Trainingslager, fröhliche, erfolgreiche Fußballer und Stullen mit Nutella. So einfach ist das Werbekonzept für den süßen Brotaufstrich. Für die schauspielernden Fußballer scheint der Spot allerdings mit einem Fluch belegt. Denn von der Originalbesetzung verloren drei Spieler ihren Platz in der Nationalmannschaft. Benny Lauth, Andreas Hinkel und zuletzt Kevin Kuranyi. Heiko Walkenhorst schreibt im Marketing-Blog, dem Blog für Besserwerber, ist selbst Chef einer Werbeagentur und Fan von 1899 Hoffenheim. Vielleicht weiß er, warum Fußballer und Werbung nicht immer nur erfolgreich sein müssen.
Herr Walkenhorst, drei von vier Spielern aus dem Originalspot mussten die Nationalmannschaft verlassen. War der Spot vielleicht auch ein Grund dafür?
Der Spot läuft doch schon eine kleine Ewigkeit. Nein, er war bestimmt kein Grund dafür. Vielmehr ist die Situation jetzt mal ein Grund für die Marketingabteilung von Ferrero, sich was Neues einfallen zu lassen bzw. jemanden anzufragen, der sich damit auskennt. Lange Zeit hat man da sich an nichts Neues gewagt. Warum auch?, wenn es läuft, zumal Nutella ja zu den Produkten gehört, wo Käufer nicht gleich Konsument. Und ob die Käufer, insbesondere die Käuferinnen, wer von den vier Schnittchen aktuell in der Nationalmannschaft spielt oder wer gerade Bus fährt, darf bezweifelt werden. So sind es denn eher die Fußball-Fachleute oder Journalisten, denen das auffällt nd die das thematisieren. Eigentlich ein schöner PR-Gag für die Marke - wenn da die Schlussfrage nicht wäre. "Hast du's drauf?" ist zwar richtig und auch gut, aber kann aktuell leicht verballhornt werden. Deshalb sollte man mit dem Spruch, aber mit anderen leuten und in einer anderen Richtung weiter agieren; einer Richtung, die auch die Käuferinnen anspricht.
Kann man als Spieler eigentlich stolz darauf sein, wenn man Werbung macht?
Ob "man" das kann, weiß ich nicht, aber sie sind es. Und das ist auch verständlich. Sie sind jung, verdienen sehr viel Geld und sehen sich in den diversen Medien top gestylt, top fotografiert und gegebenenfalls sogar mit Sprachwitz versehen. Wer würde dem nicht erliegen? Gerade mit Anfang 20 und einer Sozialisation, die das nicht unbedingt vorgab.
Sind Sportler in der Werbung eigentlich immer ein Erfolgsgarant? Also für den Spieler und das Produkt?
Natürlich nicht immer. Kommt darauf an. Und das zeigen auch die Studien, die es dazu immer wieder gibt. Neulich erschien die des Lehrstuhls für ABWL und Marketing der Mainzer Johannes-Gutenberg Universität unter dem Titel "Wenn Sport zur Religion wird - Wie die Beziehung zwischen Sportidol und Konsument auf den Erfolg der Marke wirkt". Lustig hierzu ist aus heutiger Sicht die Überschrift: "Für wieviel Nutella steht Kevin Kurányi?" Aber es geht auch ohne Studie nur mit gesundem Menschenverstand: Patek Philippe und Phlip Lahm? Passt oder passt nicht? Kevin Kurányi und Logopädie? Passt oder passt nicht? Jens Lehmann und Alpecin? Passt oder passt nicht? Nur bei einem scheint sich diese Frage nie zu stellen. Aber selbst Franz Beckenbauer wirbt nicht für alles.
Verbraucht man womöglich Talente schon zu früh für die Werbung. Die schießen ein paar schöne Tore, machen Werbung und plötzlich können sie keinen Fussball mehr spielen.
Interessiert mich das als Unternehmen? Wichtig ist doch in erster Linie, dass sie für mein Produkt oder meine Dienstleistung Gutes tun. Natürlich ist es da von Vorteil, wenn sie gut und erfolgreich kicken bzw. wäre es kontraproduktiv, wenn sie richtig mies spielen, insbesondere wenn Worte wie "Leistung", "Spitzenklasse" etc. in den Werbetexten vorkommen. Aber dass daran die Werbung Schuld ist, wage ich zu bezweifeln. Es komt halt darauf an, wie psychisch gefestigt der Einzelne ist, worum es ihm geht. Wenn jemand kickt, weil er jung reich und berühmt werden will, dann fördert Werbung seinen beruflichen Niedergang. Wenn er einfach gut kicken will, ist der Spieler so klug und nimmt das mit, aber lässt sich nicht davon beeinflussen oder von den Scheinwerfer und ihn anlächelnen Zahnspangen blenden.
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*Aber dass das Gespräch ohne Erklärung/Entschuldigung nicht zustande kam... dazu sag ich nichts.
(Anmoderation) Ein Trainingslager, fröhliche, erfolgreiche Fußballer und Stullen mit Nutella. So einfach ist das Werbekonzept für den süßen Brotaufstrich. Für die schauspielernden Fußballer scheint der Spot allerdings mit einem Fluch belegt. Denn von der Originalbesetzung verloren drei Spieler ihren Platz in der Nationalmannschaft. Benny Lauth, Andreas Hinkel und zuletzt Kevin Kuranyi. Heiko Walkenhorst schreibt im Marketing-Blog, dem Blog für Besserwerber, ist selbst Chef einer Werbeagentur und Fan von 1899 Hoffenheim. Vielleicht weiß er, warum Fußballer und Werbung nicht immer nur erfolgreich sein müssen.
Herr Walkenhorst, drei von vier Spielern aus dem Originalspot mussten die Nationalmannschaft verlassen. War der Spot vielleicht auch ein Grund dafür?
Der Spot läuft doch schon eine kleine Ewigkeit. Nein, er war bestimmt kein Grund dafür. Vielmehr ist die Situation jetzt mal ein Grund für die Marketingabteilung von Ferrero, sich was Neues einfallen zu lassen bzw. jemanden anzufragen, der sich damit auskennt. Lange Zeit hat man da sich an nichts Neues gewagt. Warum auch?, wenn es läuft, zumal Nutella ja zu den Produkten gehört, wo Käufer nicht gleich Konsument. Und ob die Käufer, insbesondere die Käuferinnen, wer von den vier Schnittchen aktuell in der Nationalmannschaft spielt oder wer gerade Bus fährt, darf bezweifelt werden. So sind es denn eher die Fußball-Fachleute oder Journalisten, denen das auffällt nd die das thematisieren. Eigentlich ein schöner PR-Gag für die Marke - wenn da die Schlussfrage nicht wäre. "Hast du's drauf?" ist zwar richtig und auch gut, aber kann aktuell leicht verballhornt werden. Deshalb sollte man mit dem Spruch, aber mit anderen leuten und in einer anderen Richtung weiter agieren; einer Richtung, die auch die Käuferinnen anspricht.
Kann man als Spieler eigentlich stolz darauf sein, wenn man Werbung macht?
Ob "man" das kann, weiß ich nicht, aber sie sind es. Und das ist auch verständlich. Sie sind jung, verdienen sehr viel Geld und sehen sich in den diversen Medien top gestylt, top fotografiert und gegebenenfalls sogar mit Sprachwitz versehen. Wer würde dem nicht erliegen? Gerade mit Anfang 20 und einer Sozialisation, die das nicht unbedingt vorgab.
Sind Sportler in der Werbung eigentlich immer ein Erfolgsgarant? Also für den Spieler und das Produkt?
Natürlich nicht immer. Kommt darauf an. Und das zeigen auch die Studien, die es dazu immer wieder gibt. Neulich erschien die des Lehrstuhls für ABWL und Marketing der Mainzer Johannes-Gutenberg Universität unter dem Titel "Wenn Sport zur Religion wird - Wie die Beziehung zwischen Sportidol und Konsument auf den Erfolg der Marke wirkt". Lustig hierzu ist aus heutiger Sicht die Überschrift: "Für wieviel Nutella steht Kevin Kurányi?" Aber es geht auch ohne Studie nur mit gesundem Menschenverstand: Patek Philippe und Phlip Lahm? Passt oder passt nicht? Kevin Kurányi und Logopädie? Passt oder passt nicht? Jens Lehmann und Alpecin? Passt oder passt nicht? Nur bei einem scheint sich diese Frage nie zu stellen. Aber selbst Franz Beckenbauer wirbt nicht für alles.
Verbraucht man womöglich Talente schon zu früh für die Werbung. Die schießen ein paar schöne Tore, machen Werbung und plötzlich können sie keinen Fussball mehr spielen.
Interessiert mich das als Unternehmen? Wichtig ist doch in erster Linie, dass sie für mein Produkt oder meine Dienstleistung Gutes tun. Natürlich ist es da von Vorteil, wenn sie gut und erfolgreich kicken bzw. wäre es kontraproduktiv, wenn sie richtig mies spielen, insbesondere wenn Worte wie "Leistung", "Spitzenklasse" etc. in den Werbetexten vorkommen. Aber dass daran die Werbung Schuld ist, wage ich zu bezweifeln. Es komt halt darauf an, wie psychisch gefestigt der Einzelne ist, worum es ihm geht. Wenn jemand kickt, weil er jung reich und berühmt werden will, dann fördert Werbung seinen beruflichen Niedergang. Wenn er einfach gut kicken will, ist der Spieler so klug und nimmt das mit, aber lässt sich nicht davon beeinflussen oder von den Scheinwerfer und ihn anlächelnen Zahnspangen blenden.
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*Aber dass das Gespräch ohne Erklärung/Entschuldigung nicht zustande kam... dazu sag ich nichts.
Geschrieben von Heiko Walkenhorst in -blog.biz
3 Kommentare - 0 Trackbacks


Kommentare
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Cainer Ralmund:
Das ist der Nutella-Fluch. Der Fan von 1899 Hoffenheim war schneller wieder raus, als er antworten konnte. Hoffentlich greift der Fluch nicht noch auf Dietmar Hopp über.Marcus:
hehe - Nutellafluch - sorry musste da einfach laut loslachenWortführer:
Mich ereilt doch kein Fluch. Und wie geartet sollte denn der Übergriff sein? Welche Auswirkungen hätte das? Im Gegensatz zu anderen Verantwortlichen ist er ja eher medienscheu. Von daher wäre die Frage, ob es überhaupt auffiele, wenn er schwiege.Kommentar schreiben