Donnerstag, 8. Januar 2009
12:30
Dramatic Shift in Marketing Reality
Ein Gastbeitrag von Vincent Schmidlin, Managing Director der Scholz & Friends Strategy Group.
Die Digitalisierung hat die Mediennutzung dramatisch verändert und dem bisher eher passiven Konsumenten neue Möglichkeiten gegeben, sich zu engagieren. Und er macht Gebrauch davon. Ob als aktiver Ersteller oder Kommentator, ob per Blog, Youtube oder sonstwo in der so genannten Social Media Welt. Die Konsequenz für Unternehmen: Ihre Marken und Produkte sowie ihre Werbung stehen viel stärker auf dem Prüfstand. Aussagen werden hinterfragt, Missstände aufgedeckt - und schnell weit verbreitet.
Kurz: Die Werbewelt ist nicht mehr die gleiche, wie noch wenige Jahre zuvor.
Für die meisten ist dies vermutlich keine Neuigkeit und doch hat es den Anschein, dass viele Unternehmen mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten können - zumindest tun sie sich äußerst schwer, auf diesen grundlegenden Wandel angemessen zu reagieren. Die neue Macht der Konsumenten haben einige Marken (schmerzlich) erfahren müssen; Kryptonite, Mentos/CocaCola, WalMart, Sony und aktuell der US-Pharmakonzerns Johnson&Johnson mit dem Schmerzmittel Motrin sowie Pepsi mit der "Selbstmord-Kalorie" sind nur einige der bekanntesten Beispiele.
Was also müssen Unternehmen tun, um erfolgreich zu bleiben? Zuerst einmal müssen sie den Wandel als irreversibel, als unumkehrbar, akzeptieren. Und sie müssen lernen, Kommunikation und Werbung nicht (mehr) als Instrument zur Manipulation des Konsumenten zu verstehen. Sie müssen den Mut für eine neue Ehrlichkeit aufbringen, die auch und gerade im Umgang mit eigenen Schwächen und Fehlern nicht endet. Wer dies beherzigt, dem bieten sich neue Chancen, die sich durch den Dialog mit den Konsumenten und der Konsumenten untereinander ergeben: Wer auch zukünftig effizient die Aufmerksamkeit der Konsumenten für seine Marke oder Produkte bekommen möchte, kann sie immer weniger mit medialen Großoffensiven erzwingen (zu teuer! zu wenig effektiv! siehe zum Beispiel die Voll-Plakatierung von Toyota zum Launch des Auris). Statt dessen muss er Themen finden (und besetzen), die sein Publikum interessieren, so dass sie sich freiwillig(!) mit ihm, seiner Marke oder seinem Produkt beschäftigen wollen. Es geht also darum, Teil der Diskussion im Netz zu werden und dazu einen Beitrag zu leisten. Dazu ist es unverzichtbar, ein echtes Interesse am Konsumenten, seinen Einstellungen, Wünschen und Erwartungen zu zeigen und ihm - stärker als bisher - zuzuhören. Die Diskussionen im Netz bieten dazu ausreichend Gelegenheit und die entsprechenden Tools, um diese Diskussionen analysieren und nach Insights auswerten zu können, gibt es auch.
Scholz & Friends Topic Tracker: Digital Pearl Fishing
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Pepsi, um das Beispiel der "Selbstmord-Kalorie" aufzugreifen, hat zugehört - und schnell reagiert. Weitere Positiv-Beispiele: Starbucks bietet die Möglichkeit, sich an der Weiterentwicklung von Produkten und Unternehmensprozessen zu beteiligen oder die mit Effie-Gold belohnte Diskussion-Plattform "Initiative für wahre Schönheit" von Dove ist die Reaktion auf die (von Dove durch TV-Spots und Anzeigen entfachte) Diskussion um natürliche Schönheit.
Fazit: Die Veränderung der Medienlandschaft ist für Unternehmen weniger Bedrohung denn große Chance, eine engere Beziehung zu ihren Konsumenten aufzubauen und relevantere Produkte und interessantere Kommunikation zu entwickeln - wenn sie ehrlich kommunizieren und zuhören.
Geschrieben von Gastblogger in Meta-Marketing
7 Kommentare - 0 Trackbacks
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Kommentare
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Sabria David:
Ich denke, dass die digitale Welt und die dadurch möglichen Rückkopplungsprozesse unter Verbrauchern die Kommunikation von Unternehmen grundlegend verändern werden. Unternehmen haben eben nicht mehr die Deutungshoheit, sie müssen authentisch kommunizieren. Das Cluetrain-Manifest hat ja zur Jahrtausenwende das Ende des Marketing vorhergesagt. Ich möchte das so ergänzen: Die Zeit des Marketing, das verschleiert, verkleidet und unter falschem Namen verkauft, geht zu Ende. Die Zeit des stimmigen und transparenten Marketings hat gerade erst begonnen. Dank der Finanzkrise wird diese Entwicklung noch ein wenig beschleunigt, da war sie aber vorher schon.Michael:
Ich habe diesen Trend hier eingebettet in allgemeine Entwicklungen im Marketing, wie sie z.B. auch in der Produktentwicklung greifen (http://blog.kmto.de/trends/wichtige-trends-fur-konsumenten-und-marketing/).@Sabria Petra Sammer von Ketchum bemerkte dazu einmal folgendes: der Wortstamm von "Manipulieren" ist bewegen, nicht verschleiern
RK:
Ein sehr guter Beitrag. Web 2.0 haben wir bereits. Nachfolgend kommt die Produktion 2.0Berth:
Die digitale Welt kann doch nur von Nutzen für die Unternehmen sein, denn hier können sich die Verbraucher endlich einmal äußern und ihre Meinung klar und deutlich sagen. Auch so, dass es noch andere Menschen mit bekommen und danach ihr Handeln richten können. Genauso können sich die einzelnen Unternehmen auf die Wünsche der Verbraucher besser einstellen.Stefan:
Ich denke auch, dass die Entwicklungen der digitalen Welt sehr positive Auswirkungen haben können, wenn sie richtig eingesetzt werden. Dabei ist es denke ich entscheidend im Vorhinein genau auf seine Zielgruppe zu hören und nicht ins "Blaue hinein" etwas zu initiieren, denn dafür gibt es zu viel und zu viel, dass auch leider falsch laufen kann und wie im Artikel gesagt man muss wirklich ehrlich werden, denn jede falsche Versprechung wird sehr schnell nach hinten losgehen.axxelerate:
absolut super spot.didaktisch toll und mit viel Herz.
letztendlich ist doch wirklich fast alles austauschbar und... für einzigartige, patentierte Produkte Werbung machen ist relativ einfach... die Kunst liegt für eine Werbeagentur doch darin, relativ normale Produkte in das Herz des Kunden zu bringen.
Mary:
Diese Entwicklung ist für den verbraucher natürlich gold wert. Durch ständiges hinterfragen des Kunden können sich langfristig nur gute Produkte am Markt behaupten. Außerdem ist der Mehrwert für die Unternehmen doch enorm: die Idee von Starbucks zum Beispiel ist brilliant. Im Idealfall könnte der Kunde sich so ein Produkt schaffen, dass ihm einhundertprozentig entspricht. Natürlich kann man nicht jeden einzelnen Kundenwunsch befriedigen, dennoch ist es wichtig, ihm als Unternehmen entgegenzukommen. Das schafft Vertrauen und bindet den Kunden stark an die Markr/das Unternehmen.Ich denke, dass die Werbeagenturen durch diese Entwicklung jedoch etwas an Bedeutung verlieren werden, da nicht mehr die schönste (bzw. manipulierenste) Werbung den Kunden ködern wird, sonderndie Eigeninitiative des Unternehmens.
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