Eine Felge für den Meister (oder: Erfolg trotz Werbung)

Die meisten Produkte brauchen Werbung. Ohne jetzt akademisch werden zu wollen, geht es meist darum, dafür zu sorgen, dass eine Marke und/oder ein Produkt respektive Dienstleistung Bekanntheit erlangt bzw. nicht in Vergessenheit gerät und dies auf eine Art und Weise, die den Konsumenten dazu bewegt, eben dieser Marke und/oder Produkt respektive Dienstleistung sein Vertrauen zu schenken und letztlich natürlich qua Kauf oder Spende sein Geld zu geben. Da das alle Marke etc. tun, ist es gar nicht so einfach, die richtige Kommunikation für sein Angebot (Marke/Produkt/Dienstleistung) zu finden. Wohl dem, der ein Produkt hat, dass so gut ist und so wenig Konkurrenz hat, dass es im Grund sch...egal ist, wie man dafür wirbt. Ein super Beispiel hierfür: Fußball.

Ab dieser Saison soll ja auch der Meister der 2. Liga eine Trophäe bekommen - gestern hat man sie der Öffebntlichkeit vorgestellt. Ich hätte gerne früher darüber berichtet, aber der Schock saß zu tief. Erst jetzt lässt die Sprachlosigkeit nach. (Im Falle der Regionalwerbung von 1899 Hoffenheim nimmt die Fassungslosigkeit immer noch kein Ende. Hier wird mit einem Bild der halbfertigen Arena geworben. Darauf steht in diversen Schriftgrößen: "Football is coming SinsHEIM!" ---- )

Markenkommunikation und Fußball scheint eine nie ganz glückliche Mischung zu sein. Sei es das WM-Logo 2002 (Ecstasy?), das WM-Maskottchen 2006 (Goleo, der Unten-ohne-Bär) oder das Maskottchen der deutschen Herren-Fußball-Nationalmannschaft "Paule", es gibt immer Anlass zu Diskussion. Die wird auch noch kommen, wenn sich rumgesprochen hat, dass der Tabellenerste von Liga 2 Ende Mai keine Meisterschaftsschale hochheben darf, sondern

eine Meisterschaftsfelge!


- exinnovatives 7-Speichen-Design, das es inzwischen bei jedem Automobilhersteller aufpreisfrei geben dürfte
- top-profaner Text "Meister der 2. Bundesliga"
- emotionsreduzierte Typografie
- funktionale Gestaltung, die mit Sicherheit vor Nachhaltigkeit schützt

Jetzt bin ich natürlich gespannt: Habe ich Recht - oder die Herren vom DFL? Ist eine Felge das Richtige für den Sieger einer Saison? Oder ist das vielleicht nur ein erster Schritt in ganz neue Kooperationen? Will die DFL dadurch die deutsche Automobilwirtschaft stärken, schließlich gibt es (noch) sehr viele Sponsoren aus diesem Sektor im Profifußball (u.a. Mercedes-Benz Nationalmannschaft, VW Wolfsburg, Ford Köln, Audi Bayern etc.)? Wird es in Zukunft noch mehr Tuningelemente als Preise geben? Simmerringe statt Medaillen? Kopfspoiler statt Lorbeerkranz?

Im Ernst: Wer diese Felge mit der Schale vergleicht, wird sehen, dass die Verantwortlichen versucht haben, dadurch alles richtig zu machen, dass sie möglichst viel kopierten. Kapiert haben sie nichts. Denn so richtig es ist, auch dem Verein, der nach Abschluss der Saison der 2. Bundesliga eine Trophäe zukommen zu lassen, um so auch diesen sportlichen Erfolg dinglich zu visualisieren, so grottenfalsch ist es, dies in Form eines Abklatsches des wirklich originellen Originals zu tun.
Die Schale wirkt so, als ob sie bei einem Goldschmied gefertigt wurde, bei der Felge sieht es eher nach einem Hinterhof in HongKong aus. Schade ... andererseits: Wenn der Verein, dem diese Felge überreicht wird im Folgejahr ähnlich erfolgreich agiert, kommt er ja in den Genuss und Besitz der wahren Meisterschale.


Tipp für alle, die wirklich werben müssen: Nehmen Sie sich daran kein Beispiel - Imitation ist schlecht fürs Image -, und Begehrlichlichkeiten weckt sie auch keine, es sei denn, Ihre Marke, Ihr Produkt respektive Ihre Dienstleistung ist auf dem heimischen Markt so beliebt wie die Fußball-Bundesliga.

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