Kommunizieren Sie noch oder twittern Sie schon?

Als vor wenigen tausend Jahren die Philosophie ihren Anfang nahm, war es so, dass gelehrte Männer über dieses und jenes sprachen, reflektierten oder schwadronierten. Die Zuhörer, die zahlten, um diese Worte zu hören, begannen dann, ihrerseits über dieses und jenes zu sprechen, reflektieren oder schwadronieren - in einem gegenseitigen Austausch. Hieraus kann man den Schluss ziehen: Kommunikation ist die Basis der Philosophie.

Wenn man nun sich für "moderne Kommunikation" interessiert, kommen Begriffe wie "Philosophie" oder gar "gelehrte Männer" so oft nicht vor. Statt dessen fällt aktuell immer wieder das Wörtchen "Twitter". Das ist laut wikipedia:

ein soziales Netzwerk und ein Mikro-Blogging-Dienst. Angemeldete Benutzer können Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen senden und die Nachrichten anderer Benutzer empfangen. Die Nachrichten werden „Updates“ oder „Tweets“ (engl. to tweet = zwitschern) genannt. Das soziale Netzwerk beruht darauf, dass man die Nachrichten anderer Benutzer abonniert, wobei Abonnenten als „Follower“ (engl. to follow = folgen) bezeichnet werden.

Hat das nun etwas mit Philosophie oder gar Kommunikation zu tun? Die strikte Beschränkung der Zeichenanzahl spricht nicht dafür. (Als Laie würde ich sogar dazu neigen, dass die Zeichenbegrenzung gegen das Grundgesetz verstößt, schließlich ist bei einem solch strengen Limit eine wirklich freie Rede nicht möglich. Andererseits gibt es auch ein Telefongeheimnis in der Verfassung, was aber mit der Wirklichkeit, wo jeder jedwedes private wie unternehmerische Detail preisgibt, auch nichts zu tun hat.)

Die Abonennten sind durchaus mit den Schülern der Gelehrten zu vergleichen, wobei sie heute nichts mehr dafür zahlen müssen. Aber wofür auch? Twittert Platon? Gibt es einen hermeneutischen Austausch? Gibt es Kommunikation? Oder handelt es sich hierbei nur um eine Form von Verbalautismus aka der größte Blödsinn aller Zeiten.

Wenn es stimmt, dass man nicht nicht kommunizieren kann, und das tut stimmen tun, haben wir uns gefragt:

Wie weit kommt man mit Innehalten in einem Umfeld, in dem es darum geht, sich zu äußern?
Darf man schweigen?

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