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Zunftschreiber im Abmahnwahn

Klum ./. Werbeblogger, Sozialgericht Bremen ./. Shopblogger, DOSB ./. Saftblog, Marions Kochbuch gegen den Rest der Welt.
Mehr oder weniger jeder der bloggt kennt sich mittlerweile mit dem Thema Abmahnung aus...

Heute gibt es hier mal die andere Sicht der Dinge.
Totales Befindlichkeitsbloggen. (Teil 1)
Als ich mich vor etwa 4,5 Jahren daran machte meine erste geschäftliche Internetseite ins Netz zu stellen, da habe ich mich natürlich auch bei meinen Wettbewerbern umgesehen, was die so schreiben, anbieten, machen...
Was ich damals fand läßt sich leicht in einem Satz zusammenfassen:
Überall die gleiche Scheisse.

Da wollte ich dann doch nicht eingemeinden und tat stattdessen das was eigentlich naheliegt.
Ich schrieb auf was ich machen kann, was ich machen will, wie ich es machen kann und machen will.

Nun bin ich kein professioneller Texter. Somit waren mehrere Arbeitstage notwendig bis die Texte auf meiner Webseite eine Form erhielten, die meinen, den Ansprüchen von Suchmaschinenspidern und vor allem denen der Lesern und Zielkunden angemessen erschienen.
Mehr oder weniger jeder in meinem Bekanntenkreis wurde genötigt die erstellten Texte auf Verständlichkeit, Eingängigkeit und natürlich auch Rechtschreibung gegenzulesen.
Sätze wie "Es gibt kein Produkt, das sich am Telefon nicht verkaufen lässt!" oder die offene Frage an den Zielkunden "... passen wir zueinander?" wurden heftig diskutiert.

Der Erfolg stellte sich ein. In den Suchmaschinen wurde die Seite von Beginn an sehr gut gelistet, viele Anfragen von Interessenten und späteren Kunden bezogen sich konkret auf einzelne Kernsätze, wie z.B. die vorgenannten.
Die Seite fiel einfach dadurch auf, dass sie Inhalte lieferte, die es eben anderswo so nicht gab.

So weit, so gut.

Im Januar diesen Jahres wurden wir hier im Blog durch einen anonymen Kommentar auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam gemacht. Die Sache ließ sich recht schnell und ohne anwaltschaftliches Getöse klären.

Nun war es aber doch mal recht interessant einfach mal nachzuforschen ob es noch weitere Fälle von Ideenklau und/oder Contentdiebstahl gibt.
Und siehe da. Die gab es. So fand ich eine ganze Reihe von Texten unseres Blogs auf anderen Internetseiten - natürlich ohne jeden Verweis auf die Quelle - wieder.
Und dann - nochmal der Vollständigkeit halber - habe ich u.a. mit diesem Tool einfach mal ausgetestet, ob jemand sich auch auf meiner Firmenhomepage bedient hat.
Das Ergebnis: Überall die gleiche Scheisse.
Diesmal allerdings meine Scheisse.

Denn ich fand bis heute mindestens 15 Seiten, die meine Texte völlig ungeniert und vielfach vollständig übernommen hatten. Manche nutzten die Inhalte auf ihren Startseiten, andere auf Unterseiten, wieder andere verwursteten meine Sätze in dutzendfach verschleuderten Pressemitteilungen.
Offenbar war ich binnen der letzten 4 Jahre, ohne mein Wissen, zum Zunftschreiber mutiert.

Was tun? Nun bin ich von Hause aus nicht auf Ärger aus,habe viel zu viel Arbeit und noch weniger Freizeit um mich auf irgendwelche Auseinandersetzungen einzulassen, finde Abmahnungen eigentlich ja auch blöd.

Also, frisch auf, ans Telefon gesetzt und die Herrschaften einfach mal angerufen.

Ja, hallo, schönen guten Tag, Sie verwenden auf Ihrer Internetseite Texte meines Unternehmens.

Und hier die Hitparade der Antworten:

1. Nein, das kann nicht sein.

95 %

2. Wir wollten nur mal was ausprobieren...

70 %

3. Der Text ist von uns. Beweisen Sie das Gegenteil.

50 %


Weder in den Top 3 noch sonstwo vernahm ich je das Wort "Entschuldigung".

Und eben nur mit einem Hinweis auf eine Abmahnung, einstweilige Verfügung, Klage etc. konnte überhaupt bewirkt werden, dass die meisten der angesprochenen Unternehmen die Inhalte entfernten.

Und irgendwann hatte ich, mit Verlaub, die Schnauze voll davon, Arbeitszeit und Energie auf taube Nüsse zu verschwenden.

Und jetzt. Jetzt mahne ich ab. Ich mahne jeden ab, der bei mir, bei uns, Content klaut.

Weil ich die Schnauze sowas von gestrichen voll habe, von Sackgesichtern und Flachpfeiffen, die mit dem Ergebnis unserer, meiner Arbeit pitchen, hausieren, renomieren gehen, die selbst offenbar nichts (viele der Seiten liegen seit den Gesprächen im Januar brach) auf die Reihe bekommen.


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16:43

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12:54

Kommentare

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Michael:

Bei mir sieht die Erfolgquote so aus:

80 % Oh Entschuldigung
20 % Keine Reaktion

Die "Oh Entschuldigung" - Fraktion hat diverse Erklärungen ("Hat ein unerfahrener Mitarbeiter verbockt", "Das waren nur Testseiten" .....)

Uneinsichtige stelle ich mit vollem Name an den Internet-Pranger (mit großen Erfolg). Wenn der Kollege oder einer seiner Kunden dann nach seinem Namen googelt, reibt er sich verwundert die Augen ...
15:48

Frank:

@Michael: Der Pranger folgt dann in Teil 3.
16:30

Kerstin Hoffmann:

Danke für den Link zu Copyscape. Ich habe heute in meinem Blog PR-Doktor.de darauf hingewiesen - und direkt Anfragen per Mail erhalten, was ich denn in so einem Fall unternehme. Deswegen veröffentlich morgen ein kurzes Interview mit Rechtsanwalt Marc Quandel, was beim Textklau zu tun ist.
12:36

sven:

Das ist bitter.
Womit hast du das denn getrackt, bzw. wie hast du das gemerkt? Von Hand?
15:58

Frank:

@sven: Eine große Hilfe, wenn auch nicht allwissend, ist copyscape.com
16:28

Chris:

Danke: endlich mal jemand der es ausspricht. Viele Abmahnwellen sind fragwürdig. Aber das dreiste Kopieren/Abkupfer/Klauen wird allzuoft, grade im Internet, bagatellisiert. Bei uns ist es so ziemlich dasselbe, allerdings mit Designs. Da werden schonmal komplette Webseitendesigns geklaut und auf Nachfrage kommt nur: "Hupps, da hat unser Praktikant wohl nicht so genau aufgepasst..." Grrrr!
18:07

Christian Ullenboom:

Das kommt mir bekannt vor und sehe mich in der Kategorie "20 % Keine Reaktion". Gerne werden Abschnitte aus meinem Java-Buch für Uni-Vorlesungen genutzt und meine Seminarbeschreibreibungen finde ich auf den Webseiten anderer Anbieter wieder. Zum Thema Seminarbeschreibungsdiebstahl und Reaktion der Schöll-AG siehe auch http://www.tutego.com/blog/javainsel/2009/05/offtopic-content-klau-der-scholl-ag.html
14:56

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