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Banaler Brüller

Wie oft schon waren wir unserer Zeit voraus? Unerkannte Genies. Naja, kein Wunder, sind doch unsere wahren Adressaten eher der Entscheider und nicht der Sachbearbeiter - und wir müssen uns natürlich fragen, lesen uns die Richtigen? Bzw. was lesen die Richtigen? Lesen sie überhaupt? Und wenn ja, wozu?

Mehr Glück, wobei wir natürlich nicht lamentieren wollen, hatte der 15-jährige Matthew Robson, der ein paar E-Mails an Freunde schickte und die in einem, wie es Financial Times Deutschland nennt "Analystenbericht" zusammenfasste (Nochmal für alle Schnellleser: ein paar SMS an den eigenen Freundeskreis = Zusammenfassung = Analyse!, äh: ???). Inhalt (nach Aussage eines Verantwortlichen):

"einige der klarsten und aufrüttelndsten Erkenntnisse, die wir je gesehen haben."

Da fragt man sich, was sieht der Mann sonst? Charts? Sein Büro? Bali? Und natürlich, was ihn sowie die anderen Menschen sowie die Presse daran so fasziniert hat. Zynisch könnte man es "Hermeutik heute" nennen - oder eben "banale Brüller":

Teenager nutzen Twitter nicht.
Twitter per Handy zu nutzen ist zu teuer.
Seine Freunde haben erkannt, dass sich niemand ihr Profil ansieht, also sind die Tweets zwecklos.
Jugendliche wollen sich nicht nach dem normalen Fernsehprogramm richten und geben sich nicht damit ab, Radio zu hören.
Musik gebe es auch ohne Werbung im Internet.
Überhaupt finden Teenager Werbung im Internet "extrem nervend und sinnlos".
Ihr Geld geben sie lieber für Kinobesuche, Konzerte und Spielkonsolen aus, die auch wegen ihrer Chatfunktion beliebt sind.
Kein Teenager liest regelmäßig Zeitung. Die meisten machen sich einfach nicht die Mühe, seitenweise Texte zu lesen, wenn es im Internet Zusammenfassungen gibt.

Kann man das nicht überall sehen? Ich habe seit bestimmt einem gefühlten halben Jahrhundert keinen Abiturieten oder Studenten mit einer Ausgabe des Spiegel in der Hand gesehen. Sechser-Pack Fun-Bräu dagegen schon.

Bin ich jetzt Analyst?

Ich könnte natürlich noch mehr aufzählen, was mir so auffällt, und meine Wahrnehmung dann als Wahrheit verkaufen:

Bei Frauen steigt die Bereitschaft, einer Information zu glauben, wenn der Informationsgeber sie zuvor dreimal am Oberarm rubbelte, dabei lächelte und mit dem Kopf nickt, wenn sie mit ihm spricht.
Männer glauben keinen Aussagen, es sei denn, man sagt ihnen, dass man etwas nicht glauben kann.

Oder weniger populistisch:

Entscheider bloggen nicht.
Entscheider haben keinen Internetzugang.
Entscheider lassen sich Ihre E-Mails ausdrucken.
Entscheider sind spießig und sind gerne daheim.

etc.


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