Wir sind NICHT Slow Media!

Es war eine Frage der Zeit und die ist jetzt gekommen - dafür

Das Slow Media Manifest - gibt es in reiner Gänze hier und bei uns mit Wertungen:

1. Slow Media sind ein Beitrag zur Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit bezieht sich auf die verwendeten Rohstoffe und Prozesse und die Arbeitsbedingungen, auf deren Grundlage ein Medium produziert wird. (Grundschullehrerinnenprosa) Ausbeutung und Niedriglohnsektoren können ebenso wie das bedingungslose Ausschlachten der Nutzerdaten keine nachhaltigen Medien zum Ergebnis haben. (Klingt nach dem Gejammer von Freelance-Journalisten) Zugleich bezieht sich der Begriff auch auf den nachhaltigen Konsum von Slow Media. (Nachhaltiger Konsum heißt? Man braucht länger, es zu zu verstehen? Man hat länger dran zu kauen, zu verdauen, alles zusammen?)

2. Slow Media fördern Monotasking: Slow Media lassen sich nicht nebenbei konsumieren, sondern provozieren die Konzentration der Nutzer. (Die Anleitung beispielsweise meiner Digitalkamera ist Slow Media?) So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden. (Ja, ja, da ist er wieder, der Beweis: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Mal davon abgesehen, dass Allegorien immer auch ein Zeichen entweder dafür sind, dass man das, was man erklären will, nicht oder eben nur mittels einer Krücke (Brücke) erklären kann - oder dass man seine Leserschaft für nicht so schnell aufnahmefähig erachtet, weshalb man das, was man sagt, nochmal sagt, eben in/mit anderen Worten, was natürlich die Lesezeit (nicht die Erkenntnis) erhöht, weshalb man weniger Zeit für anderes hat, was einen dann wiederum slow wirken lässt. Wie gesagt, davon mal abgesehen: Die Herstellung des Essens braucht die volle Konzentration aller Sinne der Gäste? Was kocht denn da? Und wo? Und was hat Herstellung mit Konsum, vor allem "fokussierter Wachheit mit Genuss" zu tun? Ich könnte mir vorstellen, dass Anklageschriften bei der Spanischen Inquisition so was wie Slow Media sind.)

3. Slow Media zielen auf Perfektionierung: Slow Media zeichnen sich nicht notwendig dadurch aus, dass sie etwas ganz Neues auf dem Markt darstellen. (Wenn etwas nicht ist, warum dann sagen, dass es nicht ist? Das macht es doch nur langsam. Ach so ... Sorry, das ist ja der Grundgedanke. Pardonck.) Viel wichtiger ist der Aspekt eines immer weiter verbesserten und bewährten Benutzerinterfaces, das robust, zugänglich und perfekt auf die Mediennutzungsgewohnheiten der Menschen zugeschnitten ist. (Und wer entscheidet das jetzt? Ist das jetzt ein Plädoyer für schweinsledergebundene Folianten? Hä?)

4. Slow Media machen Qualität spürbar: Slow Media messen sich selbst in Produktion, Anmutung und Inhalt an hohen Qualitätsmaßstäben und heben sich dadurch von ihren schnellen und kurzlebigen Pendants ab. (Das ist jetzt aber kein Kriterium für Slow Media, sondern ganz allgemein für individuellen Anspruch oder ein sogenanntes Premiumprodukt.) Sei es durch eine hochwertige Oberfläche oder ein ästhetisch begeisterndes Layout. (Ich habe es verstanden. Man muss mir nicht alles zweimal sagen und schon gar nicht mit zwei Beispielen, die nur eine formelle Qualität beschreiben, keine inhaltliche. Auch da wäre weniger mehr gewesen.)

5. Slow Media fördern Prosumenten – Menschen, die aktiv bestimmen, was und wie sie konsumieren und produzieren wollen: (Klingt gut, aber wehe, einer hört jetzt aktiv auf zu lesen, weil er dieses Gutmenschengeschwurbel beim besten Willen nicht mehr erträgt, was ist der dann? Dohoof?) An die Stelle des passiven Konsumenten tritt bei Slow Media der aktive Prosument, der von seiner Mediennutzung zu neuen Ideen und Handlungen angeregt wird. (Das wird auch der Harcore-Twitter-Nerd genau durch die Nutzung seiner Medien.) Randnotizen in einem Buch oder angeregte Diskussionen über eine Platte mit Freunden sind gute Zeichen hierfür. (Wofür? Reden Nerds nicht auch untereinander angeregt in ihrer Sprache?) Slow Media inspirieren, wirken in dem Denken und Handeln der Nutzer nach und sind auch noch Jahre später spürbar.

6. Slow Media sind diskursiv und dialogisch: Sie suchen ein Gegenüber, mit dem sie in Kontakt treten können. Die Wahl des Mediums ist dabei zweitrangig. Das Zuhören ist bei Slow Media ebenso wichtig wie das Sprechen. “Slow” bedeutet hier: aufmerksam und zugewandt sein und auch eigene Positionen aus einer anderen Perspektive betrachten und hinterfragen zu können. (Ich wollte Therapeutengewichse schreiben, habe es dann aber wieder gelöscht. Will ja niemanden beleidigen.)

7. Slow Media sind soziale Medien: (Das ist ja wohl eine echte Perle. Sollte Standard werden: hot Coffee ist heißer Kaffee, plain facts sind klare Fakten and this is ... a pain in the ass, err: eyes) Um Slow Media bilden sich lebendige Gemeinschaften oder Stämme, gleich ob es sich um einen lebenden Autor handelt, der mit seinen Lesern in den Austausch tritt, oder einen verstorbenen Musiker, um dessen Musik sich eine aktive Deutungsgemeinschaft bildet. (Slow Media sind also für einen lebendigen Musiker/Künstler nichts? Was ist mit Johannes Heesters? Ist er slow media-fähig?) So fördern Slow Media die Vielfalt und respektieren kulturelle und lokale Besonderheiten.

8. Slow Media nehmen ihre Nutzer ernst: (Ihre Leser nicht!) Slow Media treten ihren Nutzern selbstbewusst-freundschaftlich gegenüber und haben ein gutes Gespür dafür, für wieviel Komplexität und Ironie ihre Nutzer bereit sind. Slow Media sehen weder belehrend auf ihre Nutzer herab noch begegnen sie ihnen unterwürfig-anbiedernd. (Gesellschaftliches 1x1, oder? Der Mini-Knigge für Anfänger. Also banal. Warum wird es betont? Erinnert mich an gewisse Familienmitglieder, die immer sehr betonen, dass sie ja wirklich tolerant seien, ahaber Kinder schauen zuviel fern, es gibt zu viele Angliszismen, irgendwie hatte der doch mit den Kopftuchmädchen Recht etc.)

9. Slow Media werden empfohlen statt beworben: Der Erfolg von Slow Media liegt nicht in einem überwältigenden Werbedruck auf allen Kanälen, sondern in den Empfehlungen in Freundes-, Kollegen- und Familienkreisen. Ein Buch, das man sich fünfmal kauft, um es an die besten Freunde zu verteilen, ist ein gutes Beispiel dafür. (Und wieder ein Musterbeispiel an Redundanz!)

10. Slow Media sind zeitlos: Slow Media haben eine hohe Lebensdauer und wirken auch nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten noch frisch. Sie verlieren mit der Zeit nicht ihre Qualität, sondern bekommen allenfalls eine Patina, die den gefühlten Wert sogar steigern. (Aha, der gefühlte Wert, nicht der wahre. Also vielleicht sollte jetzt mal doch nochmal den Begriff Manifest überdenken. Was immer dieses Geschwurbel hier ist (Auflösung unten), ein Manifest ist es nicht.)

11. Slow Media sind auratisch: Slow Media strahlen eine besondere Aura aus. (Noch so eine Perle, die unbedingt weiter und stärker genutzt werden sollte: Stars sind charismatisch: Stars haben ein gewisses Charisma; Pragmatiker sind pragmatisch: Sie setzen auf Pragmatismus. Wunderbar ...) Sie erzeugen in dem Nutzer das Gefühl, dass das Medium genau in diesen Augenblick seines Lebens gehört. Auch wenn Slow Media industriell erzeugt sind oder teilweise auf industriellen Produktionsmitteln basieren, vermitteln sie den Eindruck von Einmaligkeit und weisen über sich selbst hinaus.(Was ja schon Aura sagte, aber lassen wir das. Ich geb's auf ...)

12. Slow Media sind progressiv, nicht reaktionär: (Noch so eine Perle: Der Kreis ist rund, nicht eckig; Die Mannschaft hat das Spiel gewonnen, nicht verloren. Und wie gesagt: Meine Tante hält sich für liberal ...) Slow Media bauen auf ihren technischen Errungenschaften und der Lebensweise in der Netzwerkgesellschaft auf. Gerade durch die Beschleunigung in zahlreichen Lebensbereichen werden Inseln der bewussten Langsamkeit möglich (Aha, nun kommt die Eigenlegitimation ...), aber auch überlebenswichtig.(... mit Verve!) Slow Media sind kein Gegensatz zur Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit von Twitter, Blogs und Social Networks, sondern eine Haltung und Art sie zu nutzen.

13. Slow Media setzen auf Qualität (Sagt aber auch schon Punkt 3 und 4 - Slow Media ist vor allem redundant.) – sowohl in der Produktion wie bei der Rezeption von Medieninhalten: Kulturwissenschaftliches Handwerk wie Quellenkritik, die Einordnung und Gewichtung von Informationsquellen, gewinnt gerade mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Informationen an Bedeutung. (Was ist jetzt daran "Slow Media"? Das ist doch Basisblabla auf einer Journalistenschule, jedweden Proseminars eines geisteswissenschaftlichen Studiengangs.)

14. Slow Media werben um Vertrauen und nehmen sich Zeit, glaubwürdig zu sein. (Heißt was? Wer macht das nicht? Hä?) Hinter Slow Media stehen echte Menschen. Und das merkt man auch. (Den Satz kann man ja auch streichen, denn was soll das anderes sein, als eine Vorabbitte, Fehler zu verzeihen. Worauf beziehen sich diese Fehler? Orthografie, Wertung, Wahrheitsgehalt der Information?)

Was habe ich jetzt viel Zeit für dieses Zeugs verbraucht. Aber ich sollte ich mir ja Zeit nehmen. Habe ich getan. Unnu? Darf ich sie auch wieder aufholen.

Das ist kein Manifest. Das is'n Scheiß ...


Trackbacks

Trackback für spezifische URI dieses Eintrags

www.tourismuszukunft.de: PingBack

16:07

Besserwerberblog • Marketing für Besserwerber: Luthers Erben (Gedanken zum Manifest des Tages)

Aufmerksam geworden bin ich durch einen Beitrag, genauer gesagt: einen wunderbaren Vertipper im sich scheinbar sich neu findenden kress-Report. Dort begann der, der mit den vollmundigen Worten Breitseite gegen die Mediaagenturen überschrieben war, mit fol

16:19

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

flo:

Social Media ungleich soziale Medien. Ansonsten ein netter Text für die Mittagspause :-)
13:58

Frank Herold:

Danke, Flo. Hauptsache, du hat die Keywords nochmal untergebracht. Nur darum geht es...
17:48

Bernd:

Musste mich nun direkt mal mit google auf slow media stürzen - dacht zuerst das Ganze ist ein Scherz.
Ich find die Zusätze hier köstlich und kann mich darüber fast totlachen.
Tja - da kann man sich ja richtig auf 2010 und slow media freun - selten so ein nichtssagendes Manifest gesehen.
20:14

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA


Markenartikel

One night in Paris
Nicht das Depeche Mode-Album.
A brand like a what?
Dazu muss nichts mehr sagen, oder?
Eine Marke erkennt wieder (ihre) Werte
Nettsein verkauft auch nicht wirklich.
Telefonsex
"nur" Telefonsex im Call Center
Von Werbern, Nonnen und Oralverkehr
Vergleichen Sie Agenturenstatements
Wie Sie Ihren Orgasmus perfektionieren
Es funktioniert.
Handjob
Du kannst es dir auch selber machen...

Verwaltung des Blogs

Login