AIDA blu – 1.096 Kabinen, 14 Decks, 1 Erlebnis

Auch wenn Kreuzfahrtschiffe heute nichts mehr soooo Besonderes sind, sie sind immer noch weit davon entfernt, alltäglich zu sein.

Das hängt gewiss mit dem Mythos zusammen, der seit jeher, spätestens seit Homers Odyssee, mit dem Bereisen der Weltmeere zusammenhängt. Die großen Entdecker und Abenteurer. Waren das nicht hauptsächlich Seefahrer? Magellan. Columbus. Cook.

Und wie gerne wäre der Mann von heute ein solcher Held. Natürlich ohne Risiko. Dafür allem Komfort. Sicherlich wäre normalerweise ein Segelschiff für solche Zwecke besser geeignet als ein schwimmendes Hotel, aber nicht unbedingt. Vergangenes Wochenende machte mich die AIDA blu zum Mann. Heute abend wird sie getauft und bricht auf zu ihrer Jungfernfahrt.
Davor sollte es allerdings eine kleine Tour geben: Hamburg – Seetag auf der Nordsee – Hamburg. Ca. 30 Stunden, um den einigen hundert geladenen Gästen, vor allem Reisebüroangestellten und Pressevertretern, die ganzen Neuerungen und Annehmlichkeiten der bislang größten AIDA zu präsentieren.

Und davon gibt es einige an Bord. Zum Beispiel das größte schwimmende Spa mit diversen Saunen, Massagen und sonstigen Einrichtungen und Angeboten zum Wohlfühlen. Dazu gibt es auch die passenden Suiten mit Jacuzzi und einem Balkon direkt über der Brücke. Wenn dann noch das Thema aus „Fluch der Karibik“ ertönt, ja, dann hat das was einem (Mann zumindest) suggeriert: Held. (Okay, man trägt eher Bademantel denn Uniform, aber das sind Details, auf die es jetzt mal nicht ankommt. Es geht ums Gefühl – und das ist einfach gut. Übrigens: Um das gute Gefühl auch 100% sicher zu stellen, ging man auch in diesem Punkt auf Nummer sicher. In der Klasse gibt es einen Spa-Butler (im Preis inbegriffen).)

Dann las ich schon in der Vorankündigung, dass es noch etwas auf der AIDA blu gibt, das sie einzigartig macht: eine Bordbrauerei. Und die produziert auch gleich drei Sorten Bier, die es in 0,1-Gläsern auf einem Probierbrett gibt.

Aber all die Freude darauf wurde getrübt durch Petra. Petra sorgte für die große Rahmenhandlung: das Wetter.

Es war kalt in Hamburg. Sehr kalt. So kalt, dass wir schon im Anflug erkennen konnten, dass sich nicht nur Schiffe auf der Elbe bewegten. Und unsere Befürchtung wurde dann wahr: Die Tour findet nicht statt. Das Schiff war umgeben von Eisschollen. Sie machten schon das Anlegen zur echten Herausforderung. Letztlich kam die AIDA blu nur bis auf 2 m an die Kaimauer heran. Mehr Nähe ließ das Eis, das sich zwischen der Uferbefestigung und der Bordwand befand, nicht zu.

Als zu gefährlich und letztlich unnötig befand man dann das Hinausfahren. Schließlich stand ja wenige Tage später die Taufe an (jetzt live). Und zum Kennenlernen selbst ist es ja nicht wichtig, ob sich das Schiff bewegt oder nicht. Schöner wäre es aber halt doch gewesen.

Andererseits verging die Enttäuschung auch wieder. Man musste halt Grundkenntnisse der Physik mitbringen, denn der Vorteil im Hamburger Hafen ist ja, dass dort die Gezeiten (Ebbe und Flut) ebenfalls wirken. Man benötigte also nur einen festen Orientierungspunkt und starrte von dort aus aufs Wasser. Durch die je nach Tide elbauf- zw. elbabwärts ziehenden Eisplatten hatte man das Gefühl, man fahre doch. Dazu ein bisschen Wellengang und hin und wieder ein kleines Knirschen von außen, wenn sie wieder so eine Scholle mit den anderen um das Schiff herum verkeilt.

So gesehen, war alles perfekt – auch für AIDA, denn so konnten sich die Gäste auf die Angebote konzentrieren. Klar, der Spa-Bereich war der beliebteste Ort, aber auch der Fitnessraum, der mit den neuesten Geräten ausgestattet ist, u.a. PowerPlate (in der besten Suite gehört es so ein Ding auch zur Grundausstattung des Zimmers), die Brauerei sowie die Bars und Lounges erfreuten sich dadurch großer Beliebtheit. Und, klar: Als die Restaurants zum Mahle baten, ließ sich der Deutsche nicht lange bitten. Lecker! Dennoch: Was zuhause erzählen? Wie war es? Auf dem Schiff? Auf hoher See?

Wir können nicht auslaufen. Unser Schiff ist umgeben von Packeis.

Die Reaktion auf diese zwei Sätze überraschte mich. Ich war mir der Virilität dieser Worte nicht bewusst, doch habe ich sie genossen. Bademantel aus – und raus (zuvor natürlich Unterhemd, Unterhose, T-Shirt, lange Unterhose, Poloshirt, Rollkragenpulli, Schal und Daunenjacke an) und sich Wind und Wetter stellen.

Ein Blick auf die Schollen. Das Gefühl war unbeschreiblich. Gewaltig. Großartig. Der Wind schlug einem in eiskalten Böen ins Gesicht. Die Augen tränten. Die Gesichtsmuskulatur verkrampfte vor Kälte, die Nase lief. Ja, das war sehr männlich.

Und keine 5 Meter hiervon entfernt, war die Tür. Ins Schiffsinnere, ins Warme, ans Buffet. Das war sehr schön.

Aber das hat Mann dann besser verschwiegen.

Und genossen.
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