Freitag, 19. Februar 2010
16:16
Luthers Erben (Gedanken zum Manifest des Tages)
Aufmerksam geworden bin ich durch einen Beitrag, genauer gesagt: einen wunderbaren Vertipper im sich scheinbar sich neu findenden kress-Report. Dort begann der, der mit den vollmundigen Worten Breitseite gegen die Mediaagenturen überschrieben war, mit folgenden Worten:
Das hätte mich wahrlich interessiert: Messung der Werberwirksamkeit. Doch leider war da ein R zu viel. Es ging um Werbewirksamkeit - zumindest vordergründig. Eigentlich ging es um Herrn Eichers Media-Manifest.
Wir hatten es ja schon mal mit dem Begriff im Zusammenhang mit dem "Slow Media-Manifest" - und da kam wenig Gutes bei rüber und es blieb auch nichts davon übrig.
Und auch diesmal wissen wir nicht, was das soll. Ist das Wort "Manifest" jetzt eine Überschrift für jedwedes Thesenkonglomerat? Dass man das im Sinne der Eigenwerbung nutzen möchte, ist ja noch OK. Aber dass Dritte (in dem Fall die Fachpresse) dieses Wort übernimmt, überrascht dann doch, zumal, wie nicht anders zu erwarten, dieses Manifest eines nicht ist: ein Manifest.
Was ist es dann? Ein Hinweis gibt der Untertitel: "12 Thesen zur zukünftigen Media-Messung". Jetzt war es dann noch erschreckender, dass es üernommen wurde. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Thesen und Manifest.
Zwei Begriffe, zwei Welten, ein Brei. Wie gesagt, dass der "Hauptmann der Netzkrieger" dies um des Auffallens willen macht, ist OK, wenngleich nicht wirklich originell, denn spätestens seit dem Cluetrain-Manifest scheint es a) Mode zu sein, Manifeste zu verfassen (und dabei das Internet als Kirchentür 2.0 zu nutzen) und b) das Wort als Überschrift für eine Thesensammlung anzusehen (wobei das Cluetrain-Manifest immerhin so originell war, ebenfalls 95 Thesen aufzustellen. (Das taten wir ja auch mal, nannten es aber nicht Manifest, sondern am Reformationstag "Zur Feier des Tages")
Herr Eicher kam nun auf ein Dutzend, wie er sagt, Thesen - und sie lauten:
Dazu hatte er auch immer schön griffige Headlines dazu, die wir aber weglassen, da dies ja keine Thesen sind (sondern eben Überschriften).
Was ist nun davon zu halten?
1. Die Prophezeiung irgendeines Untergangs (hier: Media-Währungen) ist nicht unterzukriegen und letztlich immer richtig.
2. Kann eine These sein, ist aber eher eine Binsenwahrheit.
3. Der einzige, der hier etwas ablöste, war Herr Eicher. Nämlich Begriff A gegen Begriff B. Mehr nicht.
4. Die Frage ist ja nicht, ob ein Begriff veraltet ist, sondern ob er noch von Bedeutung ist. Und für den Werbetreibenden ist Streuverlust bzw. die Vermeidung desselben von hoher Bedeutung. Das mit dem Dialog ist nicht wirklich neu. Nur muss der Werbetreibende verstehen, dass er nur Dialoganbieter ist - und auch nicht mehr sein darf. Im Grunde wie im normalen Leben: Ein "Hallo, wie geht's?" reicht oft völlig.
5. Das ist jetzt mal originell. OK, wird vielleicht daran gemessen, aber dann wie ezahlt? Nach Länge des Gesprächs? Oder ob es neben dem Kontakt auch zum Kauf kommt? (Soll ja auch von Bedeutung sein ...)
6. OK. Wie?
7. Adieu, GfK.
8. Der moderne Konsument ist eine Tusse, eine Vollzicke. Heute so, morgen so. Dazu kann man gar keine Aussage machen, was wer wann will. Prinzipiell will der moderne Konsument immer alles, z. B. Fun und Ruhe, Action und Entspannung und een auch sich zurücklehnen und eingebunden sein.
9. Wir kämpfen nicht. Wir gewinnen!
10. Ja. Aber die Dokumentation ist in dem Moment ihrer Erstellung schon geschichte. Interessant ist es, was man daraus für die Zukunft aleitet, also, was muss ich tun, damit diese Zicke endlich mein Angebot gegen den Einsatz pekuniärer Mittel annimmt.
11. Mit Verlaub: Quatsch. Das kosmopolite Weltbild von heute trifft eine ganz, ganz kleine Gruppe zu, die in der medialen Öffentlichkeit unverhältnismäßig stark repräsentiert ist. Ein esuch in einem Einkaufszentrum am Wochenende hilft da sehr, um die wahre Wahrnehmung zu schärfen, wie kosmopolit wer oder was ist.
12. Unterstützt oder gelenkt.
Was bringt das jetzt? Und wem bringt es was? Man hat also ein "Manifest" geschrieben und genug Blöde gefunden, die das (zumindest das Wort) unkritisch übernehmen und ansonsten Pansenkommunikation betreiben, also das Geschriebene wiederkäuen, also 1:1 übernehmen. Unnu?
Aber geht es um Öffentlichkeit?
Um PageImpressions?
Um Links? Pingbacks? Trackbacks?
Ging es vielleicht doch bloß um die Messung der Werberwirksamkeit (ein schmissiger Begriff, ein paar Wortspiele plus ein paar mehr -hülsen und ZACK ist man eine Warhol-Berühmtheit)?
Wenn ja, wenn es dabei um die Messung von Werberwirksamkeit gehen sollte, bleibt (auch nach mehr als 20 Jahren nach dem Fall der Mauer) die Frage nach der Einheit.
Wie misst man sie?
In €? cm? PS? HCP? Oder doch profan in Promille?
Das würde mich jetzt interessieren ... ein Manifest der Maße (Naja, wahrscheinlich alles nur eine Frage der Zeit ...)
David Eicher, Chef der Münchner Online-Agentur Webguerillas, fordert ein Umdenken in der Mediabranche ein - und möchte neue Kennzahlen zur Messung der Werberwirksamkeit einführen.
Das hätte mich wahrlich interessiert: Messung der Werberwirksamkeit. Doch leider war da ein R zu viel. Es ging um Werbewirksamkeit - zumindest vordergründig. Eigentlich ging es um Herrn Eichers Media-Manifest.
Wir hatten es ja schon mal mit dem Begriff im Zusammenhang mit dem "Slow Media-Manifest" - und da kam wenig Gutes bei rüber und es blieb auch nichts davon übrig.
Und auch diesmal wissen wir nicht, was das soll. Ist das Wort "Manifest" jetzt eine Überschrift für jedwedes Thesenkonglomerat? Dass man das im Sinne der Eigenwerbung nutzen möchte, ist ja noch OK. Aber dass Dritte (in dem Fall die Fachpresse) dieses Wort übernimmt, überrascht dann doch, zumal, wie nicht anders zu erwarten, dieses Manifest eines nicht ist: ein Manifest.
Ein Manifest (lat.: manifestus, „handgreiflich gemacht“) ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten. (wikipedia)
Was ist es dann? Ein Hinweis gibt der Untertitel: "12 Thesen zur zukünftigen Media-Messung". Jetzt war es dann noch erschreckender, dass es üernommen wurde. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Thesen und Manifest.
Eine These ist ein Gedanke oder Satz, dessen Wahrheitsinhalt eines Beweises bedarf. wikipedia
Zwei Begriffe, zwei Welten, ein Brei. Wie gesagt, dass der "Hauptmann der Netzkrieger" dies um des Auffallens willen macht, ist OK, wenngleich nicht wirklich originell, denn spätestens seit dem Cluetrain-Manifest scheint es a) Mode zu sein, Manifeste zu verfassen (und dabei das Internet als Kirchentür 2.0 zu nutzen) und b) das Wort als Überschrift für eine Thesensammlung anzusehen (wobei das Cluetrain-Manifest immerhin so originell war, ebenfalls 95 Thesen aufzustellen. (Das taten wir ja auch mal, nannten es aber nicht Manifest, sondern am Reformationstag "Zur Feier des Tages")
Herr Eicher kam nun auf ein Dutzend, wie er sagt, Thesen - und sie lauten:
1. Social Communities lösen die klassischen Medien mehr und mehr ab, damit verlieren auch die bisherigen Media-Währungen an Wert.
2. Es reicht nicht nur eine hohe Zahl an Kontakten zu generieren, es geht auch darum, sie zu aktivieren und einzubeziehen.
3. Zielgruppen werden durch Fangruppen abgelöst, für die künftig ein Instrument zur milieuübergreifenden Identifizierung benötigt wird.
4. Der Begriff „Streuverlust“ ist veraltet. Heute geht es um einen individuellen Dialog mit dem Kunden.
5. Mit dem TKP lässt sich nicht das Aktivierungspotenzial der Konsumenten beschreiben. Künftig wird der aktive Dialog über den Tausend-Gesprächs-Preis gemessen.
6. Statt den durchschnittlichen Werbedruck zu messen, sollte im Web 2.0 die reale Werbewirkung ermittelt werden.
7. Die Digital Natives lassen sich nicht mehr mit Einschaltquoten einfangen, da sie „Always on“ sind und dabei gleichzeitig verschiedenen Tätigkeiten nachgehen.
8. Der moderne Konsument möchte sich nicht nur zurücklehnen, sondern aktiv eingebunden werden.
9. Während sich die klassische Medienlandschaft auflöst, kämpfen Marken und Blogger um die Gunst der Konsumenten.
10. Reichweiten-Umfragen werden durch Echtzeit-Analysen abgelöst, weil nur so die Dynamik im Social Web abgebildet werden kann.
11. Die Einteilung der Deutschland-Karte nach Nielsen-Gebieten gehört abgelöst, sie entsprechen nicht mehr dem kosmopolitischen Weltbild von heute.
12. Der Transport von Werbebotschaften in den klassischen Medien wird durch authentische Berichte von Multiplikatoren im Social Web abgelöst.
Dazu hatte er auch immer schön griffige Headlines dazu, die wir aber weglassen, da dies ja keine Thesen sind (sondern eben Überschriften).
Was ist nun davon zu halten?
1. Die Prophezeiung irgendeines Untergangs (hier: Media-Währungen) ist nicht unterzukriegen und letztlich immer richtig.
2. Kann eine These sein, ist aber eher eine Binsenwahrheit.
3. Der einzige, der hier etwas ablöste, war Herr Eicher. Nämlich Begriff A gegen Begriff B. Mehr nicht.
4. Die Frage ist ja nicht, ob ein Begriff veraltet ist, sondern ob er noch von Bedeutung ist. Und für den Werbetreibenden ist Streuverlust bzw. die Vermeidung desselben von hoher Bedeutung. Das mit dem Dialog ist nicht wirklich neu. Nur muss der Werbetreibende verstehen, dass er nur Dialoganbieter ist - und auch nicht mehr sein darf. Im Grunde wie im normalen Leben: Ein "Hallo, wie geht's?" reicht oft völlig.
5. Das ist jetzt mal originell. OK, wird vielleicht daran gemessen, aber dann wie ezahlt? Nach Länge des Gesprächs? Oder ob es neben dem Kontakt auch zum Kauf kommt? (Soll ja auch von Bedeutung sein ...)
6. OK. Wie?
7. Adieu, GfK.
8. Der moderne Konsument ist eine Tusse, eine Vollzicke. Heute so, morgen so. Dazu kann man gar keine Aussage machen, was wer wann will. Prinzipiell will der moderne Konsument immer alles, z. B. Fun und Ruhe, Action und Entspannung und een auch sich zurücklehnen und eingebunden sein.
9. Wir kämpfen nicht. Wir gewinnen!
10. Ja. Aber die Dokumentation ist in dem Moment ihrer Erstellung schon geschichte. Interessant ist es, was man daraus für die Zukunft aleitet, also, was muss ich tun, damit diese Zicke endlich mein Angebot gegen den Einsatz pekuniärer Mittel annimmt.
11. Mit Verlaub: Quatsch. Das kosmopolite Weltbild von heute trifft eine ganz, ganz kleine Gruppe zu, die in der medialen Öffentlichkeit unverhältnismäßig stark repräsentiert ist. Ein esuch in einem Einkaufszentrum am Wochenende hilft da sehr, um die wahre Wahrnehmung zu schärfen, wie kosmopolit wer oder was ist.
12. Unterstützt oder gelenkt.
Was bringt das jetzt? Und wem bringt es was? Man hat also ein "Manifest" geschrieben und genug Blöde gefunden, die das (zumindest das Wort) unkritisch übernehmen und ansonsten Pansenkommunikation betreiben, also das Geschriebene wiederkäuen, also 1:1 übernehmen. Unnu?
Aber geht es um Öffentlichkeit?
Um PageImpressions?
Um Links? Pingbacks? Trackbacks?
Ging es vielleicht doch bloß um die Messung der Werberwirksamkeit (ein schmissiger Begriff, ein paar Wortspiele plus ein paar mehr -hülsen und ZACK ist man eine Warhol-Berühmtheit)?
Wenn ja, wenn es dabei um die Messung von Werberwirksamkeit gehen sollte, bleibt (auch nach mehr als 20 Jahren nach dem Fall der Mauer) die Frage nach der Einheit.
Wie misst man sie?
In €? cm? PS? HCP? Oder doch profan in Promille?
Das würde mich jetzt interessieren ... ein Manifest der Maße (Naja, wahrscheinlich alles nur eine Frage der Zeit ...)
Geschrieben von Heiko Walkenhorst in Meta-Marketing
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