Ohne viel Feederlesens

Es ist immer wieder lustig, wenn ehedeme Systemkritiker zu Besitzstandswahrern werden, wenn Quereinsteiger die Spitze übernehmen, wenn Fundamentalisten des Nein zu Opportunisten des Ja mutieren. (Danke.)

Das Internet ist frei. Ein demokratisches, ja fast schon sozialistisches Medium, wo jeder jederzeit kostenfrei Zugriff auf alle Informationen hat. Das fordern die Nutzer, ohne den zu loben, der das so tut, denn wie bzw. wovon dieser Mensch, der sie mit Informationen versorgt, leben soll, ist ihnen egal. Sie wollen nur versorgt werden, versorgen soll er sich selbst - und wehe er tut es so, dass er dabei Geld verdient.

Manche, die das einst auch forderten, erwarben im Laufe der Zeit sogar gewisse Fertigkeiten darin und schälten sich heraus aus der Masse der Masse. Dabei stellte sich heraus bzw. jene fest, dass das, was sie einst kritisierten, hm, jetzt, wo man dabei ist, gar nicht mal so einfach so anders machbar ist, schließlich will und muss man von was leben: Luft und Liebe - das ist bisweilen ganz schön teuer. Lösung: Geld muss her! Aber wie?

Ganz schlimm ist dabei natürlich, gegen bzw. für Geld zu schreiben bzw. Informationen nur gegen Geld herauszurücken. Die Behandlung, die man als Blogger in einem solchen Fall zu erwarten hätte, dürfte sich zumindest in Sachen Verbalinjurien kaum von dem unterscheiden, was man als Kinderschänder im Gefägnis zu erwarten hat.

Nicht ganz so schlimm, obwohl es die Blogger so genau mit den Unterscheidungen nicht nehmen, verhält es sich nun, wenn man seine Beiträge im Feed kürzen und damit die Leser animieren will, die eigentliche Seite zu besuchen, wo man dann den kompletten Text zu Ende lesen kann. (siehe hier)

Das allein ist aber nicht das Schlimme. Das Ach-so-schlimme, Moralisch-fragwürdige und Überhaupt-verwerfliche ist die Motivation des Feedkürzers. Er steigert die Besucherzahlen auf seinem Blog und kann dadurch seine Attraktivität für Werbepartner erhöhen, da jene auch in den neuen Medien in alten Kategorien denken, u. a. TKP, PI etc. Der Nutzer muss also nichts zahlen, regt sich aber darüber auf, dass derjenige, der ihm die Informationen kostenlos zur Verfügung stellt, sich für seine Arbeit bezahlen lassen will, und das von Unternehmen, die das auch noch freiwillig tun, falls sie es täten. Warum er das tut, obwohl für ihn nach wie vor alles immer noch monetär kostenlos ist? Nur, weil er einmal klicken müsste?

Sofort werden Feeds gekündigt - und Nutzer sehen darin etwas wie Macht. Macht euch nicht lächerlich! Was ist denn das für ein unreifes Getue? Würde mir das geschehen, ich wäre froh. Was bringt mir Masse ohne Klasse? Was bringen Schmarotzer? Parasiten können ja auch nützlich sein, aber Schmarotzer braucht kein Mensch, kein Blog.

Jeder Mensch, jedes Blog braucht aber Geld. Sicherlich kann man sich trefflich darüber streiten, ob das gut oder schlecht ist, ob es denn immer so bleiben muss. Jetzt ist es erst einmal so - und deshalb ist es legitim, wenn jeder es mit legalen und diealerweise moralisch einwandfreien Mitteln versucht. Und bei aller Liebe, das Kürzen eigener Texte in eigenen Kanälen ist absolut bedenkenlos, denn auch du, scharfzüngiger Nutzer, der da in der zweiten oder dritten Reihe steht und so gerne die erste Geige spielen würde, willst mit deinem (geistigen) Eigentum das tun, was dir genehm ist, denn es ist deins. Der andere sieht das genauso.

Aus der Freundlichkeit des Einzelnen, dir Texte umsonst zur Verfügung zu stellen, leitet sich kein Recht für dich ab. Du hast kein Recht auf Weiternutzung des Textes, du hast kein Recht, Texte gleicher Güte zu den und den Terminen zu den und den Konditionen zu erhalten. Du hast dafür aber das Privileg, etwas kostenlos zu erhalten, was den anderen Zeit und Gedanken kostete.

Außerdem sind die meisten Texte doch ohnehin vor allem eines: lang. Müssen ja alle relevanten Schlagworte rein. Interessiert das wen wirklich? In Gänze? So gesehen sind Kürzungen doch eher ein Service für den Feedleser. Er muss sich nicht durch alles quälen.

Wir, das Besserwerber-Blog werden deshlab auch in Zukunft davon abkommen, den werten Abonnenten durch Textwüsten zu schicken. Wir steigern die Feed-Effizienz noch weiter, indem wir einfach nur noch mit der Headline und ein paar den Artikel umreißenden Worten kommunizieren. Wen es interessiert, der klicke drauf und lese alles in Ruhe und Gänze bei uns, wen nicht, der ignoriert es einfach, ebenso wie die Werbung, falls sie nicht genehm, aber wenn doch, dann klicke auch darauf und informiere dich über das entsprechende Angebot.

Aber sollte jetzt wer meinen, seine infantile Trotzphase hätte ein Revival verdient, wenn wer der Ansicht ist, wildfremde Menschen im WWW mit Worten bedenken zu müssen, die in realiter einen vollumfänglichen Pantonefächer ins Gesicht zaubern würden, dann möge es jener tun. Und das Kündigen bitte nicht vergessen, schließlich wollen wir ja niemanden durchfüttern (= feed), der eh nur kotzen will. Das Besserwerber-Blog hat keinen Platz für Blogbulimiker.

Und die anderen Feedleser, die mit Hirn und Anstand u/o Nonchalance, gegebenenfalls sogar großem Appetit, ja Hunger nach Witz, Wort und Sachverstand, bitten wir um ihre Meinung, ob das OK ist mit unserem Effizienoptimierungskonzept. Wir wüssten auch kaum, was ganz sachlich/praktisch dagegen spricht: Es ist ja einfach schneller für alle. Sie wissen in einer Sekunde, interessiert mich / interessiert mich nicht - und können sich dann wieder dem widmen, was sie interessiert und weiter bringt.

Jede Nichtantwort unserer Feedabonnenten werten wir als Zustimmung.

Danke.
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