Was ist eigentlich ... PR?

In unsererem kleinen Werbe-Kolleg, in dem wir versuchen, meist alten Begriffen Neues abzugewinnen, widmen wir uns heute einem Thema, das sich - und darin ähnelt es dem Physiklehrer von einst, dem praktischen Microfaser-Multifunktions-XYZ aus dem Kaufhaus-TV und vielem anderen mehr: für unentbehrlich hält: die PR.

<strong>PR</strong>

Und wie es hier Usus ist, fragen wir uns, was ist das eigentlich. Und während die Fachleute (wie immer) antworten, das ist nicht so leicht zu beantworten, heißt es hier, das ist ganz einfach: Es ist englisch.

Ach so, jaja, haha, wie ungemein lustig, höre ich schon so manchen Experten in der letzten Reihe grummeln, der, Unheilvolles ahnend, schon mal vorsichtig in den Verteidigungsmodus übergeht - darin ähnelt er übrigens auch dem Phyiklehrer, der ja auch schnell bei der Hand ist, zu lamentieren, das jeder auf ihm rumhackt, aber keine Ahnung hat, wie schwer sein Beruf sei. Dabei ist ja gerade die Konzentration aufs Banale Grundvoraussetzung für Erkenntnis, z. B. Newtons Apfel.

Es ist also ein weiterer Begriff im Anglizismusdschungel der Werbewelt. Ausgeschrieben steht er für Public Relations, was gerne mit Öffentlichkeitsarbeit übersetzt wird. Schon der Laie erkennt, dass der Fokus im Englischen auf der Beziehung liegt, in der Übersetzung nicht. Deshalb lässt man es wohl lieber beim Englischen, da "öffentliche Beziehungen" eher an die Kommune 1 erinnern denn Unternehmenskommunikation, die ja vermittelt werden soll - über eben jene Beziehungen, im Idealfall zu Journalisten, den "Repräsentanten der Öffentlichkeit" (Eigenwerbung), die dann das, was man ihnen im Namen des Kunden steckt (wertvolle Info, nicht: neutraler Briefumschlag), kostenlos als Nachricht publizieren, worin ja der eigentliche Wert besteht: kostenlose Unternehmensinformation aka Werbung in relevanten Medien zu platzieren.

Was aber sind in einem sich immer weiter diversifizieren Markt relevante Medien? Fragen Sie einen Fachmann und sie werden die Ur-Antwort der Kompetenz erhalten: kommt darauf an. Dann wird man Ihnen lang und breit die Unterscheide der einzelnen Medien erklären, die Kanäle, die Zielgruppe. Man wird sie darüber informieren, wie wichtig es ist, medien-, kanal-, zielgruppenaffin zu kommunizieren, was Sie auch einsehen, aber sich unmöglich leisten können. Deshalb bleibt es, wie es war, bei einer, in Zahlen: einer Pressemitteilung. Um allen Medien, Kanälen, Zielgruppen gerecht zu werden, erweitert man den Verteiler.

Nun kommt das nächste Problem, aber damit wir auch der Antwort der Frage, was PR heute eigentlich ist, näher: Je größer der Verteiler, desto größer die Wahrscheinlichkeit, die Befindlichkeit eines Mediums, Kanals, Menschen zu erregen, wodurch er/sie/es sich verletzt fühlen könnte, was wiederum den-/die-/dasjenige/n dazu veranlassen könnte, zum Gegenschlag auszuholen, was sofort zu einem PR-GAU führen könnte. (In diesem Satz finden sich gleich zwei elementare Bestandteile moderner Beraterkommunikation: Wenn was passiert, ist es mindestens ein "Desaster", meist jedoch gleich ein "Super-GAU" (ganz gleich, ob es wer mitbekommt), damit haben wir mit "GAU" den goldenen Mittelweg eingeschlagen, und, noch elementarer: Konjunktiv. Ganz wichtig. Niemals, niemals, niemals Indikativ! Merken Sie sich das: Einer klaren Aussage erteilt der Fachmann eine klare Absage! Das aber niemals wörtlich. Hier ist das Gegenteil der Fall. Hier werden klare Aussagen ebenso vehement gefordert wie klare Regeln in der Steuergesetzgebung oder niedrige Krankenkassenbeiträge. Haben? Nein. Auch ein Arzt propagiert, dass ihm die Gesundheit seiner Patienten am Herzen liege, aber damit schlägt es nicht. Merke:

Zwei Dinge gefährden des Doktors Brot:
a) die Gesundheit, b) der Tod.

Und so verhält es sich auch hier. Klare Aussage fordern: ja; klare Aussagen machen: besser nicht. Falls ja, droht ein .... genau: Super-GAU.
Zudem kommt, dass man es selten bei der Nachricht selbst belässt. Während diese vielleicht den ersten Absatz füllt, der zweite noch erklärt, wer, wie, was, warum, geht es ab dem dritten in den Bereich der immer gleichen Selbstbeweihräucherung - und das gerne über mehrere Abschnitte. Vielleicht heißt der Schlusspart einer solchen Pressemeldung, in der immer wieder dasselbe immer und immer wieder hochgekocht wird, deshalb auch: Boilerplate.

Und da nur die wenigsten PR-Fachleute über wirklich gute Kontakte zu wirklich guten (und einflussreichen) Journalisten verfügen, schließlich kennen die auch ihren Wert (und so einfach lassen die sich auch nicht schmieren (außer Honig um den Bart - und davon bitte reichlich), schreiben die meisten viel so, von dem sie glauben, das es, nein: nicht viele interessiert, sondern wenige verletzt.

Zusammnegfasst heißt das, ein PR-Experte, meist: -Expertin schreibt viel, meist sehr schön. Die Schriftstücke enthalten alles (außer Rechtschreib- oder Satzzeichenfehler), tun keinem weh, sind inhaltlich unangreifbar, mit einem Wort: nett. Was den Vorteil hat, dass man die Abkürzung PR immer mehr auch auf deutsch auftröseln kann:

PR steht für Poesie-Redaktion.



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