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Faktenfetisch

Glauben Sie den Menschen auf diesem Kommunikationskanal, gibt es nichts Wichtigeres als das Internet. Glauben Sie den Menschen in/aus diversen Medien könnte man den Eindruck gewinnen, es gibt nichts Wichtigeres als das Internet. Unter anderem deshalb, weil es die Zukunft sei. Nun, wenn man dann ein paar verfügbare Zahlen dagegen stellt, könnte man zu dem Schluss kommen, die Zukunft sieht ziemlich mau aus.

Beispiel: Das Marketingfachmagazin HORIZONT lässt allmonatlich über die Kreation des Monats abstimmen. Dabei stehen zehn Spots zur Auswahl. Im aktuellen Monat liegt die Beteiligung bisher bei knapp über 320 Stimmen, im Juli bei 1927, Juni 1002, Mai 791. Und das ist doch schon sehr beeindruckend.

Ein Fachmagazin, dass ja noch die Möglichkeit hat, über seine Printversion, die es ja zumindest in den großen Häusern zuhauf (als Freianweisung) gibt (Liebe Red., ich nähme auch eine. Danke. Der Wortführer.), Werbung für diese Abstimm...äh... dieses Voting zu machen, wo in den Agenturen, deren Spots zur Auswahl stehen, die all@-Mails rumgehehen, in denen zur Teilnahme und Stimmabgabe für die eigene Kreation aufgerufen wird, Selbiges ggfs. auch noch beim Auftraggeber, kommt auf eine Mitmachquote von lediglich 1:800 (gemessen an den Visits).

Vielleicht ist das Internet das Medium der Zukunft. Aber der Mensch bleibt derselbe. Er will nicht irgendwo bei irgendwas mitmachen. Er will bedient werden. Was sehen bzw. was gezeigt bekommen und nach Belieben wegklicken können - oder wenn der Chef/der Partner kommt.

Denn die Hauptnutzung des Internet dient bekanntlich nicht der Förderung der hehren Instinkte.
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Kommentare

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Heiko Eckert:

Schönes Wort zum Donnerstag! Und irgendwie merken wir doch alle dass das "interaktive Medium" gerade irgendwie einen gewissen verdruss der User spürt.. ?!
17:26

Gordian Hense:

Ja, diese Diskussion versuche ich auch schon eine Weile anzustossen. Der Hype flaut ab und jetzt kommt der reale Ernst im Online Marketing zum Vorschein. Wenn alle wollen, das alle bei allen mitmachen, kämen wir vor lauter klick-klick 24 Stunden nicht mehr zum schlafen, äh arbeiten. Das kann nicht der Sinn eines "wirtschaftlichen" Internets sein. Mich, als normalen User, kotzt es mittlerweile dermaßen an, das ich überall und nirgends aufgefordert werde, meinen Senf, meine E-Mail-Adresse und was weiss ich nicht noch überall zu hinterlassen - und am besten noch zum Content - Fulfillment, kostenlos, beizutragen. Oder Fragebögen auszufüllen, wo früher Millionen für die Befragung auf der Strasse ausgegeben wurden und Studenten einen "bezahlten" Job hatten. Geiz ist geil, Internet kost nix, social net boomt, 0815 lässt grüssen. Fehlt nur das in zukünftigen Arbeitsverträgen steht "wenn sie nicht aktiv unsere Social Community Massnahmen begleiten (sprich klicki-klicki machen) ist das ein Grund zur fristlosen Kündigung". Ist aber bestimmt schon Realität - gell. Google und Verizon machen ein neues Netz auf mit George Orwellschen Gelüsten, den Schlüssel zur Verschlüsselung gibt's nur für CIA und NSA - auch in Nah-Ost, der Rest der Welt soll gefälligst kuschen - verdammt. Und, Apple erfindet die Moral ganz neu. tztztzt
http://www.zeit.de/digital/internet/2010-08/google-verizon-mittelalter
http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-06/ipad-joyce-bookstore
18:00

Ina Falkner:

Meine Gedanken der letzten Tage.

Die Menschen ändern sich nicht. Damals in der Schule gab's ein paar, die sich in der Schülerzeitung oder der SMV engagiert haben und die anderen waren passiv. Die einen arbeiten heute als Journalisten, in der PR oder im Marketing, die anderen überall anders.

Ach ja, und wieder andere, haben immer dann, wenn es schon zur Pause geklingelt hatte, den Finger gehoben: "Herr Lehrer, ich hätte da noch ne Frage." Das sind heute die Besserwisser, die sich in allen Foren rumtrollen. Nein, die Kommunikation mit dem Kunden hat sich nicht verändert, nur die Werkzeuge sind andere. Kundenbindung auf allen erdenklichen Wegen, Authentizität und Glaubwürdigkeit nicht das Internet bringen den Erfolg.
19:19

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