BILD geht App

Cheffe sagt immer, ich sei nicht mainstreamig genug. Also habe ich mir mal eine "pfiffige Headline" einfallen lassen, die wohl hinreichend reihenhauskompatibel ist und dennoch Witz hat. Und genau das war es ja wohl auch, was die Agentur und Kunde dazu veranlasste, mal bei Olli Dietrich anzufragen, ob er nicht eine Extra-Sendung "Dittsche" machen könnte - und, welche Überraschung, er konnte:




Nun ist das Geschrei der Zwonuller natürlich groß - wobei sie sich einer Sprache bedienen, die weniger zweinullig als spät-achtundirgendwas ist. Vor allem wird nun Herr Dietrich dafür angegriffen, dass er seine Kunstfigur Werbung für das iPad-Angebot der auflagenstärksten Zeitung Europas macht. Was noch fehlt, ist der Aufruf "Enteignet Springer!", aber das geht ja nicht mehr. Dabei basiert ja seine Sendung zu einem Großteil inhaltlich auf Meldungen von BILD. Ständig fragt er "Ingomann", ob er nicht dieses oder jenes "inna Bild-Zeitung" gelesen habe.

Darüber regt sich niemand auf, obwohl das wohl unzweideutig Schleichwerbung (neudeutsch: product placement) ist. Reagiert aber keiner drauf, wohl weil kein product geplaced wird, sondern nur mentioned. Jetzt aber, wo es eindeutig Werbung ist und entsprechend offen auch das product auf der Theke geplaced und beplayed wird, da kommen Sie nun, und unterstellen ihrer Kultfigur Verrat.

Tja, so ist Deutschland - es geht um die Hülle, nicht um den Inhalt, denn der Spot ist schlecht. Er zeigt eindeutig, dass die Figur Dittsche nicht für die Kommerzialisierung taugt. Aber sie sorgt für Aufmerksamkeit und nur um die dürfte es Diekmann gegangen sein, weshalb er sich auch seinen kleinen Auftritt nicht hat entgehen lassen. Dass er dann nach seinem Abgang noch Thema war, dürfte ihm geschmeichelt haben, wobei gerade da der Spot am meisten typisch Dittsche war. Den Bild-Chef zu bezeichnen als: "Der Mann, der dem Papst die Bibel brachte!" hat schon große realsatirische bis anarchische Züge. Aber der Satz hätte auch in jeder anderen Sendung fallen können.

Schlecht war einfach die komplette Drumherum-Inszenierung. Zu langatmig, zu langweilig. Aber gut fürs Konto der Macher. Und darum geht es ja letztlich immer im Marketing.
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