Mut zur Wut

Heidelberg ist eine schöne Stadt, die sich gerne der Moderne verschließt, weil ihre Zukunft in der Vergangenheit liegt. Schloss, Universität, Romantik.

Natürlich ist das nicht die offizielle Lesart. Offiziell ist man auch hier inzwischen auf den Zug der "kreativen Klasse" gesprungen, wobei man den Begriff hier sehr weit fasst und dadurch gewährleistet, dass man sehr gut dasteht.

Klar sind auch Wissenschaftler kreativ - und Juristen sowieso, aber ist das so gemeint? Meist wird dieser Begriff der Kreativität, wenn er nicht gerade von Stadtverordneten passend definiert wird, mit Kunst und Kultur assoziiert - und damit mit Themen, auf die Heidelberg zwarviel hält, aber halt doch nur meist im Sinne der Alten Meister.

Eine schöne, ja wunderschöne Ausnahme stellt die Ausstellung "Mut zur Wut" dar. Zahlreiche Plakate zieren das Stadtbild. Eine wohltuende Abwechslung von den sonst üblichen Hinweisen auf House-, Independent-, Schulabschluss-, Studienanfangs-, Ü30-, Ü40- oder sonstige Motto-Parties, die sonst davon künden, dass in der stadt nichts los ist, aber davon reichlich.

Jetzt also prangen Plakate wie diese an den Straßenrändern und Bäumen:



Groß erklärt wird nichts. Das kann man schade finden oder auch gut, denn zumindest bei mir hat es funktioniert, dass ich mir die Mühe machte herauszufinden, was die Idee dieser Plakate ist. Dann ein bisschen googlen und schon (hö, hö) wird man fündig.

Auf der Website www.mutzurwut.de steht dann alles erklärt (und weitere Motive gibt es da auch).

Zugegeben etwas umständlich, aber so ist sie halt die Kunst bisweilen. Und ein wenig selbstverliebt und selbstüberschätzend allemal. Sind das wirklich, wie die Veranstalter vollmundig künden: "Plakate, die die Mund aufmachen!"? Geht das überhaupt? Oder ist das wieder ein Wortspiel eines Grafikers? Ist das wichtig?

Gewiss ginge es besser, wenn es den Veranstaltern wirklich um etwas ginge. Aber deren Empörung entspricht ja nicht selten der von Elternabendstammtischen. "WIR finden die Welt schlecht! Könnt IHR das bitte ändern?"

Auf jeden Fall ist es eine sehr gelungene Aktion Poster wie diese zwischen all die Partyplakate zu hängen. Und für eine Stadt wie Heidelberg sehr mutig. Das grenzt fast schon an modern.
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