Was ist eigentlich ... Corporate Identity?

Unsere kleine Reihe geht den Dingen ja gerne auf den Grund – damit ihnen niemand mehr auf den Leim geht. Dabei haben wir einen der größten Kleber bisher außen vorgelassen, der ja wirklich auf alle eine unwiderstehliche Anziehungskraft zu haben scheint: „Corporate Identity“.

Corporate Identity

Nein, wir lassen uns jetzt nicht über den Anglizismus aus, das ist Formalienkacke. „Unternehmensidentität“ täte es zwar genauso, sieht aber scheiße aus, womit wir schon beim Thema wären. Es geht ums Aussehen.
„Oh, nein“, tönt es aus den Reihen. Ich erwarte ein heißblütiges „Mitnichten!“, aber ich werde enttäuscht. Diesbezüglich. Dass Widerworte kommen, das war klar. Dass dabei auch wenig Stil mitschwingt, nicht wirklich zu erwarten.

Angeblich geht es auch hier um Inhalte, schließlich sei eine Identität ja mehr als nur Äußerliches. Das stimmt, manchmal ist es sogar noch weniger. Manchmal reicht es schon, einfach nur ein Stück Papier zu haben, dass einem eine Identität zuweist.

Wer erinnert sich hierbei nicht um den so hübschen wie alten Asylantenscherz, wo er von einem Polizisten die Frage gestellt bekommt:
„Können Sie sich ausweisen?“ Und er zurückfragt:
„Ach, muss ich das jetzt schon selber machen?“

Und so ein „Papier“, meist ist es ein PDF, gibt es in Unternehmen auch. In dem steht zwar nicht Nationalität, Geburtsdatum, -ort oder sonstige Typenangaben (Größe, Augenfarbe), dafür aber Informationen zur Typo, Hausfarbe sowie wann wo welche Abstand eingehalten wird.

„Oh, ja. Ein Zuruf?“ Fürwahr, das ist das CD-Manual aka Handbuch. Das sei nur Corporate Design und eben nicht die Corporate Identity. Zu letzterer zählten ja auch noch Corporate Wording und sonstige Kommunikationsutensilien wie Kleidung ("Corporate Clothing" ?). Zum Beispiel ... (Wäre aber ja auch wieder Aussehen. Egal ...)

Im Grunde zählt also eigentlich alles dazu, was ein Unternehmen ausmacht. Frage ist nur: Muss man das manifestieren? Und wenn ja, wie. Hierzu folgende Corporate Identity-Faustregel:

Eine lockere Corporate Identity ist die Hundeleine eines Unternehmens.
Eine festgezurrte Corporate Identity ist sein Tod.


Die eine Version lässt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Freiraum (und passt halt nur auf, dass sie sich nicht zu weit entfernen oder helfen, schnell und rigide anzugreifen, falls wer wen falsch anpinkeln will), der andere schnürt ihnen die Luft ab. Die Folge ist dann ein großes Gejaule, Gemaule, Ende.

Besser, man schreibt nur das Corporate Design fest. Das ist in Sachen Umfang und geistiger Komplexität überschaubar. Mit seiner Einhaltung kann man Menschen beauftragen. Für die Einhaltung einer Corporate Identity ist jeder selbst zuständig. Außerdem hat jeder auch eine Corporate Identity unterschrieben. Nur heißt diese auf deutsch nicht "Unternehmensidentität". Denn ist es eigentlich nicht so?:

Corporate Identity ist die öffentliche Form der Summe aller Arbeitsverträge eines Unternehmens.


(Und an den Zwischenrufer von vorhin: "Erst pssst!, dann ah!" Danke.)
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Das Corporate Design dient einer Firma dazu, sich nach außen mit einem der Firma eigenem Erscheinungsbild aufzutreten. Die Umsetzung des Corporate Design im crossmedialen Marketing bedeutet, dass über alle Kommunikationskanäle hinweg ein einheitliches Erscheinungsbild angestrebt wird.

15:49

Marketing & Strategien: Corporate Design richtig umsetzen

Der Begriff Corporate Identity ist aus dem heutigen Marketing nicht mehr wegzudenken. Dahinter steckt die Strategie, ein Unternehmen auf einen Blick deutlich sichtbar und jederzeit wieder erkennbar zu machen – durch eine einheitliche, durchgängig…

19:25

Kommentare

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Nils Werner:

Im GRROSSEN und GANZEN humorvoll geschrieben und auf den Punkt gebracht. Im kleinen und feinen dann aber eben doch zu platt und oberflächlich.

Corporate Design ist doch nun wirklich mehr als nur Design, Communications und Behaviour (meinetwegen auch noch Clothings ;-)).

Viel mehr fließen doch vor allem die Werte und das Leitbild des Unternehmens in die Identität mit ein.

Ich würde vielmehr sagen, dass ein gutes CI wie ein schickes, maßgefertigtes Seidenhemd ist. Der Mitarbeiter zieht es sich gerne an und fühlt sich wohl.
Ein schlechtes CI ist, und da stimme ich zu, eher wie ein Korsett. Es schnürt an den wichtigen Stellen ein, nimmt einem die Luft zum atmen und denken ... und so richtig modisch schick ist es natürlich auch nicht.

My two cents,

Nils

:-)
13:32

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