Menstruation ist Kommunikation

Oops, das war zuviel. Es sollte heißen: Die Menstruation scheint etwas mit Kommunikation gemeinsam zu haben. Denn wie heißt es so schön wie richtig (Achtung, Wortspiel):

Der Regelfall (!) der Kommunikation ist das Missverständnis.

Und ist nicht auch, wie wir einst von o.b., was ja nicht für "ohne Befund" steht, sondern "ohne Binde", die Geschichte der Menstruation eine Geschichte voller Missverständnisse?

Nun gerade für mich als Mensch ohne Menstruationshintergrund (höhö) gewiss. Ich möchte jetzt nicht in Blödeleien verfallen und anmerken, dass mir bei der Geschichte der rote Faden fehlt, wennschon ist er ja blau, und auch eher ein Fädchen, aber es scheint noch Männer zu geben, die entweder noch ahnungsloser oder noch witziger sind als ich. Als Idealist hoffe ich, dass Letzteres der Fall ist und ich nehme den Verweis darauf, dass es sich hier um einen Briten handelt, der das Ganze in Fluss gebracht hat, als Indiz für meine Hoffnung.

Was ward geschehen:
Richard Neill beschwerte sich bei "Bodyform" (einem Mitbewerber des oben genannten Damenhygieneartikelherstellers auf der Insel, aber eher m. b.) über die Darstellung von Frauen während der Zeit, in der sich das Gebärmuttergewebe, welches sich zuvor in Erwartung einer befruchteten Eizelle aufgebaut hatte, abgebaut und abgestoßen wird, wobei etwa 150 ml Blut sowie kleine Mengen an Gebärmutterschleimhaut durch den Kanal entsorgt werden, durch den die Befruchtung hätte stattfinden können.

Sie seien da immer so aktiv gewesen und überhaupt: diese tolle blaue Flüssigkeit. Er hingegen ... Er war nie so aktiv und die Farben dessen, was sein Penis liquid absonderte, waren ebenfalls nicht annähernd so toll. Doch dann, als er eine Freundin hatte, stellte er für sich fest:

"Werbung lügt!"

Also beschwerte er sich, aber nicht per Brief, sondern eben über Facebook, womit seine Kritik auch sofort öffentlich wurde und weit mehr Leute als seine 375 Freunde und die rund 6.000 Menschen erreichte, die die Facebook-Seite des Unternehmens "liken".



Man stelle sich das mal vor, was wäre, wenn Mann das auf eine deutsche Facebook-Seite eines solchen Unternehmenseite gestellt hätte. Wie hätte man reagiert?

Wäre es sofort gelöscht worden? Hätte man es stehen lassen aus Furcht vor einem "shitstorm", falls herauskäme, dass man es gelöscht habe? ("Regelblutung", "shitstorm", wer nimmt mir die Bilder aus meinem Kopf?) Wären die "Likerinnen" über ihn verbal hergefallen, was ihm denn einfalle oder wie dumm er sei oder "Typisch, Mann"?

Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, was das derart angegriffene Unternehmen tat: Es antwortete - und gab Richard Recht. "Ja," so sagt die Dame in dem Antwort-Video. "Du hast Recht! Wir haben gelogen." Und es ist nicht irgendeine Dame, die da antwortet, sondern "Caroline Williams, CEO of Bodyform".

Die Chefin selbst also tritt auf und entschuldigt sich für diesen faux pas des, nein: Ihres Unternehmens, womit ich sie küren möchte als "Miss Verständnis".

Bodyform 'The Truth' - Lürzer's Archive Spot der Woche 2012/43: Carat, London für Bodyform


Ich würde mir nun am liebsten, nachdem ich diese Entschuldigung gesehen habe, einfach nur aus Sympathie und der Überzeugung heraus, dass Ehrlichkeit sich wieder lohnen muss, jeden Monat eine Packung aus ihrem Sortiment kaufen. Leider ist das aber intern nur schwer vermittelbar. Ebenso wie der Humor der Briten. Sehr schade ... :-)

Quelle


Einfach mal laufen lassen:
schwerdtblog.absatzwirtschaft.de: Bodyform dreht Spieß um und macht aus Facebook-Attacke genialen Social Media Marketing-Coup
klonblog.com: Frauen & ihre Tage – Wie reagiert man auf einen Shitstorm?
best-practice-business.de: Bodyform beantwortet Shitstorm mit genialer Videobotschaft
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