VW - Verdächtige Werbung

Einer der großen Unterschiede zwischen Rugby und American Football ist der Vorwurf. Während er im Rugby generell verboten ist, ist er im American Football entscheidend.

Für den Erfolg des Vorhabens ist es dabei völlig gleichgültig, ob ein Vorwurf eher defensiv oder offensiv platziert wird, Hauptsache er wird so platziert, dass er auch den trifft, den er treffen soll. Und wenn derjenige ihn auch noch sicher aufnimmt und wegrennt, also Raum, sprichwörtlich: Land gewinnt, freuen sich alle.

Zuständig für einen solchen Vorwurf ist der Quarterback. Er darf den Ball mit der Hand in Richtung des Gegners spielen - allerdings nur einmal pro Spielzug. Für einen Vorwurf gelten also klare Regeln - solange wir uns auf dem Spielfeld bewegen.

Außerhalb des Spielfelds, insbesondere in den Medien, verhält es sich anders. Da darf jeder Journalist jedem vorwerfen, was ihm/ihr gerade in den Sinn kommt. Und auch hier freut sich jede/r, wenn der Vorwurf von dem aufgenommen wird, an den er adressiert ist und Land gewinnt. (Schlagwort: Rücktritt, öffentliche Entschuldigung, BlaBla)

Und auch in den Medien gibt es offensiv und defensiv gespielte Vorwürfe. Und so wie es im Sport gewisse Techniken für den Vorwurf gibt (Spin, Effet, Flattereffekt ...), gibt es diese auch für den Vorwurf in den Medien.

Der hierzulande aggressivste Vorwurf ist der "Antisemitismus". Wenn ein so gespielter Vorwurf sein Ziel erreicht, ist das Spiel im Grunde aus. Und den Ball nicht aufzunehmen, kann ebenfalls negative Konsequenzen haben. Ganz gefährlich.

Aktuell erfreut sich in unseren Breiten (und Medien) der Vorwurf des "Sexismus" großer Beliebtheit. Er ist bei weitem nicht so tödlich, dennoch empfiehlt es sich hier für den Empfänger, sich kurz vor Erhalt des Vorwurfs zu ducken und sich andere darum kümmern zu lassen. Meist wird er dann ohnehin fallengelassen und das Manöver beginnt von vorn - hierzulande.

In den USA ist dieser Vorwurf schon gefährlicher, ebenso wie der des "Rassismus". Dieser Vorwurf hat sich bei uns noch nicht so ganz durchgesetzt, da ihm bei uns die Allgemeingültigkeit fehlt und er meist etwas mit Pigmentdichte zu tun hat, weshalb man hier dann eher den etwas knöchernen Vorwurf "Ausländerfeindlichkeit" spielt.

Im englischen Sprachschatz gelten aber auch Scherze gegen Ausländer jeder Couleur als "racism". Aber vielleicht unterscheiden sich auch in diesem Detail das Mutterland des Rugby und das des American Football, dessen großes Finale nun ansteht und das Millionen Menschen gebannt vor dem Fernseher sitzen lässt - vor allem wegen der Werbespots.

Der große Gewinner der Werbespots beim letztjährigen SuperBowl was der Star Wars-Spot von VW.

Das verpflichtet natürlich, also wollte man nachlegen - mit einem ebenfalls originellen Spot, was misslang. Zumindest aus unserer Sicht, ist der Spot schlicht schlecht. Vielleicht kein Altherren-, aber ein schlechter Abiwitz. Was ist daran bitte schön originell oder kreativ?

Noch mehr aber fragen wir uns, was ist daran rassistisch? Denn genau das ist der Vorwurf, den sich VW jetzt ausgesetzt sieht - natürlich vor allem in den Medien, die natürlich alles aufgreifen, was sie für einen Vorwurf nutzen können und von dem sie wissen, dass er nicht nicht aufgenommen werden kann. Und "Rassismus" ist ein schon recht harter Vorwurf, bei dem es nicht leicht ist, sicher zu landen, wenn man ihn abbekommt.

Aber VW war vorbereitet. Der Spot wurde vor der Veröffentlichung getestet - und auch Jamaikaner durften ihr Placet ("Yo"?) geben und taten dies auch. (Wurden auch Weiße aus Minnesota gefragt? Egal ...) Damit ging dieser Spot also on air ...



Verdächtige WERBUNG VWAber dann ging's los, wie es beispielsweise in der Washington Post zu lesen war. Immerhin verweist die Zeitung korrekterweise auf "some people", die den Spot als "a little racist" einstuften, was aber in den Folgemedien dann doch größer und größer wurde, und bei "Bild" dann zum "Riesenwirbel" mutierte.

Für alle Fälle habe VW noch einen Alternativ-Spot für Sonntag in petto ... würden wir begrüßen, denn der Spot ist ... naja, ... für den amerikanischen Markt.

Aber wer weiß? Was, wenn's dort gut läuft? Gibt es den Spot dann hier auch in Doitseland, wo er sich dann auch als beliebt durchsetzt? Wo er einen Haufen Nachäffer in Büros findet, die in Ermangelung eigenen Witzes halt alles rezitieren, was ihnen den Hauch von Esprit vermittelt? Panik!

Daraus würde aber niemand VW einen Vorwurf machen. Wahrscheinlich wäre man ihnen auch noch dankbar, dass man endlich nicht mehr Kannakspraak hören muss.


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