Keine Freunde mehr? Jack Wolfskin trifft Zielgruppe

Alle unfähig. Die Politiker haben keine Ahnung, was in Sachen Euro das Richtige ist, der Bundestrainer stellt stets die Falschen auf und in Unternehmen haben blutleere und instinktlose Controller das Sagen, die natürlich zuerst einmal die Summe an Geld einsparen müssen, die sie kosten - plus einiges extra, schließlich will die eigene Gehaltserhöhung gut begründet sein.

Dass dies auch mal zu Lasten der Qualität gehen kann, stört nicht. Blutleer. Instinktlos. Und so wahnsinnig schlimm ist das auch nicht. Schließlich lässt sich das auch wieder korrigieren und die Korrektur zu PR-Zwecken nutzen, zeigt es doch, dass man ein lernfähiges Unternehmen ist. Schnarch.

Aber es geht noch schlimmer: Wenn sich Juristen der Markenführung annehmen. Sie stehen in Sachen Blutleere und Instinktlosigkeit den Bürohengsten aus dem anderen Stall in nichts nach. Allerdings sattelt einige von ihnen in Sachen hassenswerter Charaktereigenschaften noch mindestens zwei drauf: wichtigtuerisch, rechthaberisch.

Dabei steht es oft völlig außer Frage, dass sie Recht haben. Die Frage ist nur, wie sie das verdeutlichen.

Die meisten Fälle bekommt man dabei wahrscheinlich gar nicht mit. Da wird diskret auf eine Markenschutzverletzung hingewiesen und gut ist. Dann aber schießen einige über das Ziel hinaus und/oder sie unterschätzen ihre Gegner, die sehr schnell erkennen, dass es sich um ein David-gegen-Goliath-Spiel handelt, womit ihnen nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch der sofortige Zuspruch zumindest der sogenannten "Sozialen" Medien sicher ist. Beispiel hierfür, bei dem der Besserwerberblog nicht ganz unbeteiligt war - und das zum Wohle aller: DOSB vs. Saftblog

Doch während der Deutsche Olympische Sportbund letztlich eingelenkt und man sich untereinander geeinigt hat, scheint der Outdoor-Bekleidungshersteller Jack Wolfskin daran kein Interesse zu haben.

Zum wiederholten Male klagt er nun gegen die Nutzung eines Tatzenabdrucks für kommerzielle Zwecke. Klug war das weder im Falle gegen die tageszeitung, noch im Falle DaWanda. Richtig dämlich ist es aber jetzt.

Während man nämlich in den beiden oben genannten Fällen nicht unbedingt die eigene Zielgruppe trifft, ist dies im aktuellen Fall etwas anders. Diesmal klagt Jack Wolfskin gegen SamFilm, die für den Film "5 Freunde 2" ein Logo entwickelt haben, bei dem ebenfalls ein tierischer Fußabdruck zu sehen ist, eine Anspielung auf einen der 5, den Hund Timmy.

5 Freunde 2
Treffen die Anwälte da wirklich die Produzenten oder den Verleih? Ist es wirklich klug gegen etwas zu klagen, was Kinder der Zielgruppe süß finden, zumal die Serie nicht gerade die ist, die sich in Prekariatskreisen großer Beliebtheit erfreut. Nein, "5 Freunde" ist klassische Kinder- und Jugendliteratur der Mittelschicht und des Bildungsbürgertums. Und rekrutiert sich nicht exakt auch die Klientel von Jack Wolfskin aus diesen Milieus? Streitet Jack Wolfskin also nicht gegen die Kinder der Käuferinnen und Käufer? Ist das weise? Blut ist bekanntlich nicht nur dicker als Wasser, es hält auch besser zusammen als Gore-Tex.

Und diesmal ist es nicht nur in den Nerd-Medien zu lesen: bild.de widmete dem Ganzen bereits eine Nachricht und gewiss werden spiegel.de und zeit.de folgen, schließlich ist das eine Nachricht, die deren Zielgruppe ebenfalls interessieren dürfte.

Vielleicht gewinnt Jack Wolfskin vor Gericht. Kunden, geschweige denn Freunde gewinnt man damit definitiv nicht.
(Hierfür wäre es doch viel klüger gewesen, mögliche Synergieeffekte daraus zu generieren. Aber woher sollen das die Damen und Herren Anwälte wissen: Die Gesetze des Marktes stehen in keinem Gesetzbuch.)

Daher ist die Lösung ganz einfach:
Juristen sollten Rechtstreitigkeiten führen, keine Marke.

Und Unternehmen, die die Markenführung den Paragraphenreitern überlassen, werden sich früher oder später ganz sicher vergallopieren.


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negativ auf sich aufmerksam gemacht hat und gegen die Tageszeitung taz und kleine Anbieter auf DaWanda vorgegangen ist, klagt Wolfskin nun gegen die Produktionsfirma eines “5 Freunde” Films, der auf einem Plakat unter anderem einen Hundepfoten-Abdruck darstellt

06:08

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Doch wie der Marketing-Blog so treffend feststellt, drängt sich einem der Eindruck auf, Juristen wären bei Jack Wolfskin mit der Markenführung betraut. Und das mit zweifelhaftem Erfolg.

13:49

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