Schiffbrüchige in Unternehmen

In Sao Paulo lebte ein Obdachloser 35 Jahre an der selben Straßenkreuzung, bis ihn jemand fand. Auch in Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die gefunden werden müssen, damit sie Großes vollbringen können. Sie müssen nur gefunden werden.

Raimundo Arruda Sobrinho ist der „Geduldete". Als Obdachloser lebte er in Sao Paulo (Brasilien) Jahre lang an ein und der selben Straßenkreuzung, bis ihn im April 2011 eine junge Frau ansprach. In vielen deutschen Unternehmen gibt es ebenfalls solche „Geduldeten". Sie sind Schiffbrüchige, in Abteilungen und Räumen gelandet, die ihre persönlichen Fähigkeiten nicht nutzen.

Der Geduldete

Aufgabe von Führungskräften ist es, diese Menschen zu finden, ihre Talente zu entdecken und zum Wohl der Firma einzusetzen. Wer weiß, vielleicht ist der „Head of incoming and outgoing mail" in Wirklichkeit derjenige, der Ideen hat, um die Effizienz im Unternehmen zu steigern. Vielleicht ist er derjenige, der die Kunden und Dienstleister so gut kennt, dass er Optimierungen in Ansprache, Umgang und Timings vorschlagen kann. Vielleicht kann er die internen Abläufe verbessern und damit nicht nur Zeit, sondern auch Geld sparen.

Dazu bedarf es allerdings einiger Vorarbeiten: Die Unternehmenskultur muss offen für Neues sein, fähig sein, sich selber zu verändern. Starre Positionen, Titel und Ebenen verhindern Innovationen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche, Ideen-Wettbewerbe, Zeitkonten für Kreativität sowie offene interne Plattformen wie Enterprise-2.0-Lösungen (Wikis, Blogs, Social Networks etc.) können dazu beitragen, Ideen von unten heraus („bottom-up") zu ermöglichen.

Solche Erfolgsgeschichten haben übrigens mehrere Vorteile. Sie bringen dem Unternehmen nicht nur direkten Nutzen, sondern können wunderbar in der Außenkommunikation eingesetzt werden. Wer liest nicht gerne das Märchen vom jungen Mitarbeiter, der mit einer Idee eine ganze ganze Firma umkrempelt? Viele Unternehmen fragen ihren PR-Verantwortlichen oft hilflos: „Aber was für Geschichten haben wir denn, die wir erzählen können?" Und die Antwort ist immer die selbe: „Jedes Unternehmen hat Geschichten. Schauen Sie einfach mal eine Tür weiter und unterhalten sich zehn Minuten mit dem Menschen in dem Büro nebenan. Finden Sie den Schiffbrüchigen mit dem Talent zum Schreiben. Dann haben Sie Ihre Geschichte."



Raimundo aus Brasilien hat übrigens ein Buch herausgebracht. Niemand hätte seine Worte, seine Geschichten jemals gehört, wenn sich nicht jemand die Zeit genommen hätte ihn anzusprechen. Man muss ja nicht gleich die ganze Welt ein Stück besser machen. Man kann auch mit dem Zimmer nebenan anfangen.

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