Was ist eigentlich ... ein Me-too-Produkt?

In unserer kleinen Reihe geht es heute um einen Anglizismus, den wir bereits im Rahmen unserer Definition des USP angenommen haben.

Dennoch möchten wir auf auf diesen Begriff aus gegebenem Anlass näher eingehen, weil er (wie die meisten dieser Angliszismen) unnötig ist (per se), aber wichtig (de facto), denn, wie so oft in der Fachsprache, gäbe ich ihn 1:1 auf deutsch wieder, was auch hier problemlos ginge, gäbe ich zu, dass mein Angebot nichts Besonderes ist.

Me-Too Produkt

(Leider wird er oft und falsch als "Nachahmerprodukt" bezeichnet. Strom, Kraftstoff, Wasser sind keine Nachahmerprodukte, sondern von Natur aus immanent identisch.)
Der Mensch aus dem englischen Sprachraum hat ganz offensichtlich weniger Probleme mit dem Mangel am Besonderssein. Zurecht, denn ("Hallo, Phrasenschwein!") man muss das Rad ja nicht zweimal erfinden. Und da wir ja (in Deutschland zumindest angeblich) den Wettbewerb lieben (und den Kommunismus und die Gleichmacherei hassen, angeblich), gibt es nicht nur einen Anbieter für ein Produkt, sondern mehrere für dasselbe.

So weit, so banal. Was aber tue ich, um den Kunden dazuzubringen, mein Produkt zu kaufen und nicht das der Konkurrenz, das ja absolut identisch ist? In Deutschland gibt es dafür nur eines: den Preis.

Wir nennen das die "Eddy the Eagle"-Markenführung: Das ist zu kurz gesprungen.

(Da uns hier des Öfteren vorgeworfen wird, man würde unsere Gedankengänge nicht verstehen, obwohl wir einfach nur aufhören, weil wir halt denken, der Rest sei klar, gibt es dazu noch ein paar unserer Ansicht nach überflüssige Sätze:

Dieses Merkmal kann jederzeit von der Konkurrenz übernommen und unterboten werden. Das ist aus Sicht des Konsumenten natürlich von Vorteil - kurzfristig. Bis die Preispolitik dazu führt, dass Wettbewerber sich nicht mehr am Markt werden halten können, was dann wieder zu steigenden Preisen führen wird, da sich die verbliebenen Wettbewerber zumindest kartell-ähnlich agieren werden, den Markt also entweder regional oder temporal, willentlich oder unbewusst aufteilen. Und auf einen totalen Verdängungskrieg lassen sich mehrere Große nicht ein, allein aus der Gefahr heraus, dass sie diesen verlieren könnten.

Aus Sicht des Unternehmens ist diese Eddy the Eagle-Markenführung nur von Nachteil. Zum einen, weil man zu den Verlierern im Preiskampf zählen kann (und, solange es ein junger Markt ist, auch mit hoher Wahrscheinlichkeit wird), zum anderen weil man keine Marke ist, sondern ein Preiskämpfer. Sollte man aus irgendeinem Grund einmal ein weiteres Produkt in sein Angebotsportfolio mitaufnehmen wollen, wird auch dies seine Begehrlichkeit über den Preis entwickeln, nicht über die Lust des Konsumenten, es unbedingt haben zu wollen, noch besser: "auch haben zu müssen", was auch eine schöne Erklärung für "me-too" wäre, es aber leider nicht ist. Denn der Begriff beschreibt nicht die Nachfrage-, sondern eben die Angebotsseite. Und mehr noch ...

Ein Me-too-Produkt ist DER Gradmesser der Marketing-Kompetenz eines Verantwortlichen.



Denn wenn sich das Produkt schon nicht unterscheidet, nichts Besonderes, nichts Einmaliges ist, dann muss es mein Angebot sein. Und NEIN, Produkt und Angebot ist nicht dasselbe!!!

Ein eher aktuelles Beispiel hierfür ist RedBull. Das wäre genau nach dem Geschmack des Howard Luck Gossage gewesen, der es aber noch weiter trieb, und der völlig zurecht eine Hommage auf Spiegel Online erhielt. Am bekanntesten ist wohl seine Idee, eine Tankstelle dadurch zu differenzieren, dass man nur bei ihr rosa Luft in seine Reifen füllen könne. Das ist ganz großes Marketing.

Aber das führen wir jetzt nicht aus, denn wer das nicht versteht, warum das großes, nein: ganz großes Marketing ist, der, naja, findet sein Glück vielleicht in 52 Angebotswochen.

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