Was ist eigentlich ... Qualität #2 (Standards)

Operativ ist es Konstanz oder Kontinuität oder Standardisierung, wenn irgendwelche Hamburger in München, Berlin, Mailand und London gleich schmecken. Im Wahrnehmungskosmos von Konsumenten ist es ein Zeichen von Qualität. Was diese Art von Qualität ausmacht, ist, dass sie immer gleich ist. Und zwar sowohl zeitlich "immer" als auch örtlich "immer". Wie schon Underberg sagt: "Semper idem". Underberg war offenbar wirklich immer der Gleiche. So ähnlich wie das typische Motorengeräusch meiner Vespa und der Rheinische Sauerbraten von Tante Erna. Wir wollen, dass der zuverlässig immer gleich schmeckt. Keine Experimente. Man denke an das Theater um das geheime Cola-Rezept.

Starbucks hat eigene Wasseraufbereitungsanlagen, um sicherzustellen, dass ihre Kaffees überall gleich schmecken. Brauereien arbeiten so ähnlich: Brunnenwasser, Felsquellwasser usw. usf. Semper-idem-Qualität ist eine Marken-Eigenschaft. Kitschig gesprochen ist es diese Art von zuverlässig immer gleicher Qualität, die uns Verbrauchern in der "Welt des Wandels" ein wenig Kuschel und das Gefühl von Heimat gibt. Ewigkeit! Und nichts verzeihen wir weniger, als wenn uns jemand dieses Gefühl nimmt. Ob es um Billy-Regale oder um Kaffeepackungs-Größen geht, um den Zwieback- oder Kinderschokolade-Jungen oder um Musiker-Frisuren - wir wollen, dass semper idem auch semper idem bleibt.

Wie schwer es ist, das zu erreichen, weiß jeder, der gerne kocht. Allein schon, das Gericht, das man eigentlich aus dem Effeff kann, für acht Gäste statt für vier zu kochen, ist eine Herausforderung. Anbieter von Semper-idem-Qualität schaffen das jederzeit, überall, egal, zu welcher Jahreszeit. Dazu ist erforderlich, die komplette Kette der Herstellung eines Qualitäts-Produkts oder einer Qualitäts-Dienstleistung in ihre Einzelteile zu zerlegen, und das Zusammenspiel dieser Einzelteile vollständig zu kontrollieren. Wenn es dabei nicht um die singuläre Einzelleistung eines Einzelnen geht, zum Beispiel Papis Weihnachtsbraten, sondern um den Kern der Unternehmenstätigkeit, tagtäglich erbracht von verschiedenen und immer neuen Mitarbeitern, ist es eine gute Idee, das aufzuschreiben. Das ist eine Selbstverständlichkeit, sagen Sie? Stimmt. Aber ich könnte Ihnen Geschichten erzählen ...

Semper idem
Semper idem
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Kommentare

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Renate:

Wenn ich doch nur den Text verstehen würde ... und das (der Text da oben) von einem Werber. Da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln. Einen wirklich guten Text muss ein 12jähriger verstehen ... das wissen wir Werber doch schon seit vielen Jahren. Den Text da oben verstehe ich aber nur dann, wenn ich mich anstrenge. Ich will mich aber nicht anstrengen - bei keinem Text. Bei einem Werbetext erst recht nicht.
Nix für ungut und beste Kollegengrüße!
Renate am Ammersee
18:55

Tore:

(Kommentar entfernt)

16:08

Torsten Matthes:

Danke für den Kommentar. Ich freue mich, dass Sie den Text mögen. Und ja - er sollte kein knochentrockenes How-to-Elaborat werden. Ich gehe davon aus, dass unsere Leser nicht aus Fortbildungsgründen hier sind, sondern sich selbst genug Gedanken über die Themen machen, die wir anreißen. Wenn jemand einem Text einen Aspekt seiner Arbeit wiedererkennt und sich auf seinem Weg bestätigt sieht, haben wir viel erreicht. Dass das bei den Lesern dieses Blogs immer ein guter und richtiger Weg ist, versteht sich von selbst ;-)
16:39

Torsten Matthes:

"in einem Text ..." - da fehlt ein "in"
16:42

Volker Groß:

Starbucks hat eigene Wasseraufbereitungsanlagen, um sicherzustellen, dass ihre Kaffees überall gleich schmecken?

Wie mag denn so etwas gehen? Unsere Sinneswahrnehmungen sind ja niemals identisch.
Das muss wohl ein Werbegag sein, oder?
19:15

Torsten Matthes:

"Unsere Sinneswahrnehmungen sind ja niemals identisch"? Nunja, stimmt. Ich sehe in Ihrer Aussage aber eine zu weit gehende Relativierung. Schließlich hat man sich erkenntnistheoretisch darauf geeinigt, dass unsere sinnlichen Wahrnehmung durchaus eine reale Entsprechung hat. D.h. wirklich (!) mieser und wirklich (!) guter Kaffee sind jenseits jeder sinneswahrnehmungskritischen Relativierung üblicherweise gut unterscheidbar.

Dass Starbucks eventuell doch keine besonderen Wasseraufbereitungsanlagen hat, und das Ganze nur eine Werbegag ist, halte ich aber durchaus für möglich. Weder auf der Starbucks-Seite, noch auf der Seite von Thermoplan (Hersteller der Kaffeeautomaten für Starbucks) habe ich etwas zu dem Thema gefunden. (und meine ursprüngliche Quelle weiß ich nicht mehr)

Es gibt bei Starbucks lediglich eine allgemeine Empfehlung an Kunden: "Das zur Kaffeezubereitung verwendete Wasser hat großen Einfluss auf den Geschmack des Kaffees. Verwenden Sie immer reines, frisches und gefiltertes Wasser, das keine Unreinheiten enthält." Was vermutlich bedeutet, dass Starbucks selbst auch frisches und gefiltertes Wasser ohne Unreinheiten verwendet.
19:12

Volker:

Nun denn, wir wissen ja das Framing Phänomen, dass den Geschmack beeinflusst von Coca Cola und Pepsi. Ich bin kein Werber und habe einfach nur das neuropsychologische Wissen im Kopf. Starbucks muss sich dabei was gedacht haben :-D
20:22

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