Was Marketing-Strategie von Serienkillern lernen kann

Welche Marketing-Strategie ist besser: Generalist oder Spezialist? Seit ich vor vielen Jahren informiert wurde, was der Unterschied zwischen einer Bank und einer Bausparkasse ist, beschäftigt mich die Frage, was erfolgreicher ist: Sich als Spezialist oder als Generalist zu positionieren? Es waren Serienkiller bzw. Psychopathen, die mich der Antwort ein Stück näher gebracht haben.

Psychopathen handeln ohne Risikobewusstsein


Offenbar sind viele Mörder und alle Serienkiller stark psychopathisch veranlagt. Es gibt den sog. Hare-Test, benannt nach einem amerikanischen Forscher, der sein Leben der Erforschung psychopathischer Persönlichkeitsstrukturen gewidmet. Was Psychopathen auszeichnet, ist ihr Mangel an Empathie, ihre Reu- und Gewissenlosigkeit und eine generelle Angstfreiheit. Sie sind selbstsicher und ziehen ihr Ding durch, ohne groß herumzuzaudern oder sich in Reflexionsketten hineinzuprokrastinieren. Psychopathen haben kein Risikobewusstsein. Man kann das auf CRTs sehen.

Auch Alkohol reduziert tendenziell Hemmschwellen und erleichtert Handeln ohne größeres Grübeln


Alkohol im Gehirn hat zahlreiche Wirkungen. Unter anderem reduziert er die Wirkung von Glutamat, die Weiterleitung von Nerven-Erregungen wird gedrosselt, der Informationsfluss wird langsamer, nur die stärksten Signale kommen durch. Man fühlt weniger, merkt weniger, erinnert sich an weniger. Gleichzeitig wird die Wirkung der Gamma Amino-Buttersäure (GABA) verstärkt, die u.a. als Angstlöser gilt. Kombiniert bewirkt Alkohol also, dass im Gehirn wenig los ist, das einem dafür aber besonders klar ist. „Heureka! Ich habe die Weltformel gefunden!“ – man kennt das (von entfernten Bekannten). Kurz gesagt: Wir sehen weniger Angst, weniger Risikobewusstsein, reduzierte Hemmschwellen und mehr Spontaneität.

Wann ist ein guter Manager ein guter Manager?


Der als „Management-Diagnostiker“ bekannte Personalpsychologe Rüdiger Hossiep hat neulich in einem Interview – nein, was ich sagen will, ist: Die Wissenschaft hat festgestellt, ein
„wesentliches Qualitätsmerkmal eines erfolgreichen Managers sei eine gewisse Neigung zu psychischen Störungen, vor allem das Ausblenden von Emotionen. (…) Man sollte schon ein bisschen verrückt sein, das hilft. Aber dazu gehören natürlich auch ganz wesentliche Dinge, nämlich sich fokussieren zu können, sich nicht durch Emotionen – auch nicht eigene und die anderer Personen – irritieren zu lassen“.


Kurzer Disclaimer: Ich will niemanden desavouieren. Professor Hare nennt die Zahl von 1 Prozent der Bevölkerung, die psychopathisch veranlagt ist, und vermutet, dass diese Zahl unter Führungskräften rund fünffach höher ist. Wir sprechen hier also von 5 Prozent „Bösen“ gegenüber 95 Prozent „Braven“. Hier noch ein weiteres, etwas differenzierteres Interview mit Rüdiger Hossiep:



Vorfahrt auf der Autobahn der Entscheidungen


Etwas vereinfacht und über einen Kamm geschoren finden wir also im Kopf von Menschen, deren Stärke angstfreies Handeln ist, ein von Nebengleisen befreites Denk-Vorfahrtsystem. Ich muss zugeben, das ist arg metaphorisch. Doch was sich hier zeigt, sind Gehirne, die aus angeborener Neigung oder durch Routine oder durch Alkohol zu einem System leerer Autobahnen geworden sind. Die Verkehrsströme des Denkens laufen zügig auf breiten Wegen, ungestört von Kleinverkehr und klar gerichtet auf wenige Ziele, ohne Seitenwegen beachten zu müssen und ohne sich in alle Himmelsrichtungen zu zerfransen. (klingt wie „Triumph des Willens“ – aber egal jetzt, wir sind fast durch)

Was denn nun? Spezialist oder Generalist?


Zurück zur Eingangsfrage müssen wir, falls wir die vorgenannte Vorfahrtsmetapher gelten lassen, der Spezialistenstrategie den Vorzug geben. Auch hier sehen wir eine vergleichbare Konzentration auf das Wesentliche.

Im Übrigen noch ein Tipp für das Lesen von Blogbeiträgen oder Zeitungsartikeln: Um die Essenz mitzunehmen, müssen Sie nur jeweils den ersten und letzten Absatz. Gut, dabei entgehen Ihnen vielleicht die grandiosesten Spekulationen oder Beweisführungen, aber was ist das für ein Verlust gegen den Verlust, einen Artikel gar nicht lesen zu können?
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