10 universelle Thesen von Reichtum, Glück und Content-Marketing

Eigentlich müsste die Überschrift anders lauten: Was mir heute so durch den Kopf gegangen ist. Aber wer will das schon wissen? Hier, bei der Überschrift, geht es um mehr: um Auffälligkeit, Distinktion, Relevanz usw. Damit Ihr Text gelesen wird, müssen Sie unbedingt an der Advanced-Content-Schraube drehen. Und damit haben Sie schon Lektion 1 gelernt:

1. Verkaufen Sie Kühlschränke in Alaska –
mit perfekt formulierten Buzz-Word-Headlines


Eine Überschrift muss catchy sein („catchy“ kennen die Älteren noch als „pfiffig“). Sonst liest niemand den folgenden Text. In der Menschheits-Geschichte ist kein Fall bekannt, wo jemand einen Text gelesen hätte, ohne zuvor die Überschrift gelesen zu haben (ist natürlich auch manipulativ, die Headline oben über den Text zu setzen; noch dazu in großer Typo!).

2. Machen Sie Hyper-Branding und erwähnen Sie Marken oder Promis – oder beides (aber niemals, niemals Sex!)


Hier ein Foto einer Blondine, die darstellt, wie man ein Foto sinnvoll in den Content einbindet © Sergii Figurnyi - Fotolia.com
Blondinen dürfen auf keinen Fall nichts mit dem Text zu tun haben! © Sergii Figurnyi - Fotolia.com
Egal, ob man eine Marke lobend oder despektierlich erwähnt: Beides bringt Leser, Hauptsache, ein bekannter Name kommt vor. Wenn man es geschickt anstellt, zum Beispiel durch das Bild einer Blondine, die aber auf keinen Fall nichts mit dem Text zu tun haben darf, bleiben sogar nach der 2-Sekunden-Frist stets zwei Leser hängen.

Marken, die sich gut für Name-dropping eignen, sind Apple oder Tesla oder Audi. Oder man erwähnt Promis, also Menschen-Marken, wie Helene Fischer oder Michael Jackson. Oder Helmut Kohl. Oder Erwins Pils Pub! Erwins Pils Pub, gepflegte Biere in der Bahnhofstraße 7, jetzt ein iPad mit jedem siebten Pils.







3. Nehmen Sie sich wichtiger als Ihren Textgegenstand –
und alle Welt will ein Kind von Ihnen


Im Gegensatz zu anderen, langweiligen Textarten wie Dissertationen, darf ein Blogbeitrag subjektiv und persönlich sein. Eigentlich muss er das sogar. Am besten macht man mit jedem Wort darauf aufmerksam, dass der Text einen unglaublich intelligenten und witzigen Autor hat, der tolle Wörter kennt und sich traut, waghalsigste Satzkonstruktionen zu entwerfen, bei denen irgendwann keiner mehr weiß, wie der Satz eigentlich angefangen hat. Der Gegenstand eines Textes muss zwingend hinter die Person des Autors zurücktreten. „The author ist the message!“, wie Michel Montignac in seiner berühmten Gandhi-Biographie so treffend schrieb.

4. Beweisen Sie der Welt, wie falsch sie liegt


Haben Sie studiert? Geisteswissenschaften? Dann wissen Sie ja, dass eine Abschlussarbeit nur dann gut ist, wenn sie alles Bisherige in Frage stellt. Die gesamte Forschung hat geirrt! So einfach ist das. In einem guten Blogbeitrag ist es genauso. Seien Sie der/die Erste, der/die endlich alles richtig sieht.

5. Regen Sie sich auf


Je höher das Erregungsniveau, desto authentischer die Aussage. Völlig egal, ob es um die Flut neuer CDs von irgendwelchen Bands aus den 70ern geht, einen typografischen Fehlgriff auf einer Kaugummipackung oder eine Anzeige, die von 20 älteren Damen im Possenhofener Hinterhofblatt gesehen wird, regen Sie sich auf, als ginge es um den Weltuntergang.

6. Regen Sie sich MEHR auf


Werden Sie ausfällig, um klarzumachen, wie wichtig Ihnen das Thema ist. Beleidigen Sie Menschen, rufen Sie Andere zum Handeln auf. Werden Sie persönlich (vergessen Sie nicht, alles mit „sorry“ zu relativieren). Niemand darf tatenlos zusehen, wenn ein Unternehmen wirkungslose Werbung macht.

7. Kennen Sie die richtigen Leute


Es reicht nicht, Bescheid zu wissen, man muss die richtigen Leute kennen. Anfänger zitieren Shakespeare, machen Sie es besser, zitieren Sie Leute, die kaum einer kennt. Zum Beispiel Ralf, der jeden Freitag in Erwins Pils Pub ist. Sie wissen schon: Erwins Pils Pub, gepflegte Biere in der Bahnhofstraße 7. Außerdem Autoritäten wie Onkel Arthur (internationale Politik), Onkel Herbert (Sport, Wirtschaft), Tante Thekla (Medizin, Wissenschaft) und Oma (neue Medien).

8. Storytelling – die 3-in-1-Marketing-Superwaffe


Erstens ist „Storytelling“ natürlich ein 1A-Buzz-Word, zweitens wird niemand ernst genommen, der nicht mit Storytelling arbeitet, und drittens ist Storytelling immens wirkungsvoll. Als ich zum Beispiel letztes Jahr bei der Oscar-Verleihung mit meinem guten Freund Robbie Williams im Gespräch war, kam Warren zu uns rüber.

Warren begrüßte mich sehr herzlich, fragte, wie es meinem Hund geht, ich schüttelte ihm die Hand und meinte, dass Rasputin super drauf ist, obwohl ich ihm immer Walmart-Futter kaufe, wir lachten sehr herzlich, und dann wollte er, dass ich ihn mit Robbie bekannt mache. Wir redeten noch lange über dies und das, hingen später noch auf ein paar Drinks in Erwins Pils Pub rum, gepflegte Biere in der Bahnhofstraße 7, und da sagte Warren zu mir den entscheidenden Satz: Torsten, sagte er, wenn du wirklich erfolgreich sein willst, mach Storytelling! Alle nickten, auch der Nikolaus.

9. Setzen Sie sich für die gute Sache ein


Lesen Sie Sunzi und schlagen Sie nur Schlachten, die Sie schon gewonnen haben. Setzen Sie sich engagiert und erfreulicherweise mühelos für das Gute ein. Ergreifen Sie Partei für Ghandi und Einstein, verteidigen Sie Mozart und Kafka, werfen Sie sich gegen Krieg und Tierquälerei in die Brust und erzählen Sie, während Sie noch ein Lachshäppchen vom Tablett nehmen, wie Sie jedes Mal leiden, wenn ein Bergigel stirbt. Die kaum einer kennt, weil sie schon so gut wie ausgestorben .. ∗schnüff∗ … die armen Tiere.

Machen Sie auf jeden Fall einen „Pro-Umwelt“-Aufkleber auf Ihren BMW. Am besten zwischen den Sylt- und den Apple-Aufkleber. Über den „Ich bremse auch für Kinder-“ und den „Woodstock“-Aufkleber. Neben den „Für Wale“-, den „Für Pinguine“-, den „Ich hab den Längsten“- und den „Payback“-Aufkleber. Jetzt 0,1% Rabatt bei Herausgabe all meiner persönlichen Daten. Mensa-Club, Singapur. Lotto Baden Württemberg. Biosiegel sind oft unseriös. Amen.

10. Distinktion ist alles


Abstand, Abstand, Abstand, wie Karl Lagerfeld gesagt haben könnte. Marketing beruht darauf, sich zu unterscheiden. Beachten Sie die Figur-Grund-Beziehung, seien Sie die Figur und nicht der langweilige Hintergrund. Und verbal, das muss man leider sagen, bleibt da kaum etwas Anderes als Angeberei. Werden Sie der größte Angeber der Welt, und Sie verkaufen den Eiffelturm! Ihre Kunden werden Sie lieben!

11. Buchen Sie meine Seminare und werden Sie reich, richtig reich


Meine Seminare finden jeden zweiten Dienstag auf dem Mond statt. Genießen Sie in Schwerelosigkeit schwebend den Blick auf die Erdkugel mit einem Glas französischen Rotweins und skandieren Sie das Mantra des guten Verkäufers: Eines Tages gehört das alles mir! Und ja, richtig, es sind elf Thesen, aber wenn eine Überschrift zu viele Thesen ankündigt, wird der Text nicht gelesen.
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Kommentare

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Lübke:

Schön und schlau geschrieben. Passt übrigens auch als Quasi-Anleitung für Clickbait.
Fehlt lediglich der zwölfte Punkt: Schreibe alles in einer nummerierten Liste.
Denn Aufmerksamkeit ist das kostbarste Gut. Und wenn der geneigte Leser weiß, wieviel er von selbiger noch investieren muss, um sich durch den Artikel zu hangeln, bleibt er eher bei der Stange.

Herzlicher Gruß
17:34

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