"Content-Marketing" - über die Unterscheidungskraft des abgefrühstücktesten Begriffes der Welt

Es reicht. Wenn ich noch einmal das Wort "Content-Marketing" lesen muss, male ich ein Schild und poste es auf Facebook, Twitter, mache ein Video davon, einen Podcast, ruf meine Omi an und benenne einen Sack Reis danach. Es reicht. "Content-Marketing" ist der abgefrühstückteste Begriff der Welt. Millionen und Aber-Millionen von Google-Treffern, nicht einmal "Gott" hat so viele Hits. Und jetzt, hier, noch einen mehr. Tja, unlucky.

"Content-Marketing" ist so generisch, dagegen verblasst alles. Und das, was unter den ersten 500 Millionen Treffern dort verhandelt wird, ist genauso generisch, langweilig, fad, beliebig, obvious und selbstverständlich. Ich glaube, die Welt hat es noch nicht oft erlebt, dass etwas derart geradezu abartig Banales derart gehypet wurde. Das Wort "Content-Marketing" ist der FKK-Strand der Kommunikation, voll pyknischer Trommel-Bäuche und soooolch langer Bärte. Dem Wort "Content-Marketing" wachsen Haare aus den Ohren, daran kann man Christbaumkugeln aufhängen. Es ist die von rechts quer über die Glatze gekämmte letzte Strähne von Horst oder Heinz, der Versuch, etwas vorzutäuschen, was es hier nicht mehr gibt: Inhalte, Bedeutung, Sinn. (Haare, Potenz ...)

Die Tatsache, dass Keywords oder Googles Panda im selben Atemzug erwähnt werden, widerspricht nicht der Rückständigkeit dieses Begriffes. In Wahrheit ist es ja kein Begriff, denn dahinter steht kein wirkliches Begreifen, sondern dahinter steht der Angstgriff einer over the VERGE into the VOID abrutschenden Branche, die sich mit up to date klingendem Geschnatter gegenseitig einer Zeitgemäßheit zu versichern bemüht, die sie längst nicht mehr hat. Noch nie hatte. Früher war das aber nicht so dramatisch. Jetzt ist es tödlich. Es ist einfach nur Ausdruck von Visionslosigkeit, Fantasielosigkeit, Kommunikationsunfähigkeit. Und mangelndem Verständnis.

Machen Sie den Test! Achten Sie mal darauf, wie alt der nächste ist, der "Content-Marketing" sagt oder schreibt, und wie nah seine Profession an dem ist, was Sie sich unter Content vorstellen.
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Julian:

Hi Torsten,

Warum so böse? :-)
Klar, unter "Content Marketing" verstehen alle etwas anderes. Und natürlich gibt es viele, die unter dieser Flagge einfach nur irgendeinen Müll produzieren.

Genauso gibt es aber auch viele, die den Begriff "SEO" anders auslegen oder den Begriff "Webdesign" (Oh ja, VIELE!).

In deinem Post klingt leicht heraus, dass die SEO Branche diesen Begriff ausschlachtet. Das stimmt aber nicht ganz.
Die gesamte Marketing Branche stürzt sich darauf und schreibt ihn sich auf die Brust. "Supergeil" von Edeka war ja schließlich auch Content Marketing.

Dass dabei viel Käse produziert wird und jeder das Wort ausschlachtet, ist doch normal, oder? :-)
09:46

Torsten Matthes:

Hi Julian,

@ "Warum so böse?" - Naja, nicht böse, eher ungeduldig und genervt. Warum? Weil der Begriff, so wie er im Allgemeinen verwendet wird (Ausnahmen ausgenommen, klar), keine Unterscheidungskraft mehr hat. Wenn alles letztlich "Content-Marketing" ist, ist am Ende gar nichts darunter zu verstehen. Der Begriff wird m.E. viel zu inflationär und viel zu undifferenziert verwendet.

Dass darunter alle etwas Anderes verstehen, ist eine Folge davon. Ja, und die Begriffszuweisung ist sehr häufig "Müll", wie du sagst.

Es ist nicht so sehr oder nicht nur die SEO-Branche, um die es mir geht. Hier ist Content in meinen Augen noch am ehesten definiert. Es ist, wie du sagst, die gesamte Marketing-Branche.

Es mag sein, dass es normal ist, dass viel Käse produziert wird, aber einfach einmal Dampf ablassen, wenn man genervt ist, ist doch erlaubt, oder?

Was mich aufregt, ist, dass dadurch, dass alles unter "Content-Marketing" subsummiert werden kann, sachliche Beschreibungen und strategische Überlegungen erschwert werden.
10:07

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