Auf dem Flohmarkt des Humankapitals

Service-Tipp für die Jugend im Marketing


Lesen Sie dies, jugendlicher Leser. Es ist wichtig für Sie! Egal, ob Sie einen Job haben oder noch suchen oder einen haben, aber einen neuen suchen, dieser Beitrag könnte hilfreich sein. Er soll Ihnen sagen, dass es nicht an Ihnen liegt, wenn es schwer ist, "da reinzukommen".

Einleitung (unwichtig, können Sie überlesen): Alt sein ist tabu, alt werden natürlich auch


Eines der wichtigesten Tabus in unserer Gesellschaft ist das Tabu des Alterns. Es gibt Kalender, die man zum 40ten und 50ten geschenkt bekommt, die sind voll damit, wie Ex-Politiker und Ex-Schauspielerinnen ohne materielle Probleme humorvoll mit dem Altern zurecht gekommen sind. Hahaha. Doch das ist nicht die (normale) Realität. Über diese Realität erfährt man nicht viel. Wer noch nicht alt ist, interessiert sich nicht dafür, und wer alt ist, meidet das Thema (man könnte ihn ja für alt halten). Ein Stigma. Das führt dazu, dass wir in einer Kultur von lauter Jugendlichen und Berufsjugendlichen leben. In einer Welt, in der niemand alt ist, und in der sich alle, die alt sind, scheinbar irgendwann vor den Monitoren auflösen. Das als Einleitung. Man muss es wissen, um die Angst der irgendwo zwischen jung und alt hängenden Kollegen zu verstehen.

Nun zu Ihnen: Wenn Sie jung sind, sind Sie ein Investitionsobjekt


Wenn Sie jung sind, ist Ihr Humankapital fast unendlich groß. Stellen Sie sich vor, Sie haben auf dem Dachboden Ihrer Oma ein altes Gemälde gefunden. Es ist ein Rembrandt, aber Sie wissen es nicht. Ihre Oma weiß es auch nicht. Sie gehen damit auf den Flohmarkt. Was meinen Sie, wird passieren? Wenn jemand das Gemälde erkennt, wird er sie darauf hinweisen? - Ich denke, man wird versuchen, ihnen das Ding für ein Taschengeld abzujagen.

Grafik: Darstellung des Humankapital im Zeitverlauf (in Lebensjahren; vereinfachte Darstellung)
So entwickelt sich Ihr Humankapital im Lauf der Jahre (vereinfachte Darstellung)


Sie sind wertvoll, Verkaufen Sie sich nicht unter Wert


Sie sind das Investitionsobjekt, Sie sind das Asset, Sie sind der Rembrandt. Wer Sie einstellt, ist Händler. Jemand, dessen Geschäft darauf beruht, billig einzukaufen und teuer zu verkaufen. Und der in 95 Prozent aller Fälle nicht mehr jung ist. Egal, wie alt oder noch nicht alt der- oder diejenige ist, er oder sie haben zwar mehr Erfahrung als Sie, das ist auch ein sehr wesentliches Asset, aber darüber hinaus haben sie Angst.

Aus Ihrer jugendlichen Perspektive betrachtet haben diese etwas älteren Menschen vielleicht Vieles, wonach Sie sich sehnen, aber ich kann Ihnen verraten: Das, was Ihnen als Besitz erstrebenswert erscheint, sind nur akkumulierte Manifestationen von Sehnsüchten, die sich zwei Sekunden nach dem Erwerb in die Angst, sie zu verlieren, verwandelt haben. Fragen Sie, wen Sie wollen, die Urlaube mit kaum Geld im Alter von 18 bis 23 sind für Viele die geilsten Urlaube des Lebens. Das soll aber hier keine Systemkritik sein. Daher muss ich Sie fairerweise auch darüber aufklären, dass es natürlich ganz wesentlich ist, im Lauf des Lebens Wege zu finden, wie man sein Humankapital in irgendwas tauscht, das einen sogenannten "realen" Wert hat: Geld und seine Derivate. Soll heißen: Bleiben Sie locker, wenn Sie kein fettes Auto haben. Und noch einmal: Verkaufen Sie sich nicht unter ihrem Wert.

Sie sind das aktuelle Update


Sie wissen, welche Apps wichtig sind. Sie wissen nicht nur, wie man sie installiert, sondern auch, welche Einstellungen sie haben. Sie benutzen Ihr Smartphone höchstwahrscheinlich auch nur für Schrott, aber trotzdem - - Vielleicht nutzen Sie außer Whatsapp und Facebook zwei, drei andere Apps. Zum Beispiel, nur mal zum Beispiel: Snapchat. Ihre älteren Kollegen nutzen kein Snapchat. Wozu auch? Sie wären dort allein, niemand ihrer Freunde ist da. Das spräche für Tinder, aber nein: Die Kollegen sind "in einer Beziehung". Instagram? Vielleicht. Aber langweilig. Twitter? Nein, das nutzen sie auch nicht, und wenn doch, sind ihre Tweets so langweilig wie Facebook.

Sie - leben das Leben


Auch, wenn es um Musik oder Filme geht, können Ältere nicht mitreden, denn sie haben im Moment wenig Zeit. "Im Moment" sagen sie, weil sie noch nicht glauben können, dass das für den Rest ihres Lebens so bleibt. Sie waren gestern im Club - die waren vor zehn Jahren in ner Disco. Sie lachen über Chris Tall - die hängen bei Dieter Nuhr. Sie wissen, was bei Netflix kommt - die haben davon gehört. Sie können schneller tippen, Sie sind schneller bei praktisch jedem Spiel auf der PS4, Sie brauchen zwei Minuten, um ein neues Programm zu lernen, Sie nutzen Shortcuts. Und auch, wenn Konsolen-Spielkram nach Spielkram klingt - wenn Sie gut sind, wissen Sie, dass das kein Spielkram ist und wie man all das fürs Marketing funktionalisieren kann. Ernsthaft: Wenn Sie das wissen, steht einer kometenhaften Karriere nichts mehr im Weg. Außerdem haben Sie weniger Angst. Nicht vorm iOS-Update und auch sonst nicht. Was nicht nur daher kommt, weil Sie noch wenig "haben", das Sie verlieren könnten. Es ist eine hormonelle Sache. Die feste Verdrahtung des Denkens mit Angst wird erst später freigeschaltet.

Ihre Risikobereitschaft ist ein Vorteil, dessen Wert Sie vermutlich nicht einschätzen können. Gleichzeitig ist sie ein Nachteil. "Übermut tut niemals gut" (hat man früher gesagt). Darwin ist unerbittlich. Die Evolution sortiert Hasardeure aus. Wenn Sie Glück haben, finden Sie jemanden, der Ihren Wert nicht nur erkennt, sondern auch honoriert, und der Ihre Schnelligkeit und Ihren Mut von ihren Spitzen befreit und etwas einhornmäßig Geiles draus macht. Das wird dann funktionieren, wenn Ihre Bereitschaft, sich von jemand Altem bremsen zu lassen, auf jemanden mit Erfahrung trifft, der bereit ist, Ihr in seiner Unausgegorenheit wildes Zeug in ein Marketing zu verwandeln, das sich verkaufen lässt. Der- oder diejenige muss bereit sein, dafür das eigene Ego hintanzustellen, und Sie müssen das auch. Dann wird es gut. Danach sollten Sie suchen.

Wie bereiten Sie sich auf Bewerbungsgespräche vor?


Machen Sie sich klar, wer Sie sind. Was Sie können und was Sie besser können als die, die Sie einstellen (= die Welt erobern!). Inhalieren Sie, was ich Ihnen oben geschrieben habe: Sie sind der Rembrandt, Sie sind wertvoll usw.!! Ihr Humankapital ist immens, fast unermesslich hoch. Schauen Sie sich die Beitragssätze der Versicherungen an, die wissen das auch.

Seien Sie frech bei Ihrem Bewerbungsgespräch. Nutzen Sie die Möglichkeit, zu fragen, nicht nur dazu, sich zu erkundigen, wieviel Urlaub es gibt. Fragen Sie, warum Ihr Gegenüber eigentlich da arbeitet, wo er/sie ist. Fragen Sie, was das Legendärste ist, was das Unternehmen bisher erreicht hat. Fragen Sie, ob man für Kreativität gefeuert werden kann. Fragen Sie, ob es eine Infrastruktur zur Förderung von Kreativität und Ideen gibt - Apps, IT, Veranstaltungen, irgendwas. Denken Sie dran: Sie sind der Rembrandt. "Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?" - "Weil ich schneller bin als jeder hier im Raum und weil ich fünf mal soviel Follower hab! Wenn Sie meinen Highscore knacken, arbeite ich umsonst für Sie!" Und drehen Sie das Ganze um: "Warum sollte ich als Bewerber mich für Sie entscheiden?" (Sie sind der Rembrandt)

Wenn Sie das verstehen und sich danach verhalten, habe ich Ihnen hiermit ein paar Jahre in den Drehtüren des Jobeinstiegs erspart.
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