Auf dem Flohmarkt des Humankapitals

Service-Tipp für die Jugend im Marketing


Lesen Sie dies, jugendlicher Leser. Es ist wichtig für Sie! Egal, ob Sie einen Job haben oder noch suchen oder einen haben, aber einen neuen suchen, dieser Beitrag könnte Ihnen hilfreich sein. Er sagt Ihnen, dass es nicht an Ihnen liegt, wenn es schwer ist, "da reinzukommen".

Einleitung (unwichtig, können Sie überlesen): Alt sein ist tabu, alt werden natürlich auch


Eines der wichtigsten Tabus in unserer Gesellschaft ist das Tabu des Alterns. Es gibt Kalender, die man zum 40ten und 50ten geschenkt bekommt, die sind voll damit, wie Ex-Politiker und Ex-Schauspielerinnen ohne materielle Probleme humorvoll mit dem Altern zurecht gekommen sind. Hahaha. Doch das ist nicht die (normale) Realität. Über diese Realität erfährt man nicht viel. Wer noch nicht alt ist, interessiert sich nicht dafür, und wer alt ist, meidet das Thema (man könnte ihn ja für alt halten). Ein Stigma. Das führt dazu, dass wir in einer Kultur von lauter Jugendlichen und Berufsjugendlichen leben. In einer Welt, in der niemand alt ist, und in der sich alle, die alt sind, scheinbar irgendwann vor den Monitoren auflösen. Das als Einleitung. Man sollte es im Hinterkopf haben, wenn man verstehen will, dass es beruflich wertvoll ist, jung zu sein.

Nun zu Ihnen: Wenn Sie jung sind, sind Sie ein Investitionsobjekt


Wenn Sie jung sind, ist Ihr Humankapital unglaublich groß. Stellen Sie sich vor, Sie finden auf dem Dachboden Ihrer Oma ein altes Gemälde. Es ist ein Picasso, aber Sie wissen es nicht. Sie gehen damit auf den Flohmarkt. Was meinen Sie, wird passieren? Wenn jemand das Gemälde erkennt, wird er sie darauf hinweisen? - Nein. Der Normalfall ist, dass man versuchen wird, ihnen das Stück für ein Taschengeld abzuluchsen.

Grafik: Darstellung des Humankapital im Zeitverlauf (in Lebensjahren; vereinfachte Darstellung)
So entwickelt sich Ihr Humankapital im Lauf der Jahre (vereinfachte Darstellung)


Sie sind wertvoll, verkaufen Sie sich nicht unter Wert


Machen Sie sich zum Mantra: Sie sind ein Investitionsobjekt, Sie sind ein Asset, Sie sind der Picasso. Wer Sie einstellt, ist wie ein Händler auf dem Flohmarkt. Jemand, dessen Geschäft darauf beruht, billig einzukaufen und teuer zu verkaufen. Seien Sie selbstbewusst und machen Sie da nicht mit.

Aus Ihrer jugendlichen Perspektive betrachtet haben diese etwas älteren Menschen vielleicht Vieles, wonach Sie sich sehnen, aber ich kann Ihnen verraten: Das, was Ihnen als Besitz erstrebenswert erscheint, sind nur akkumulierte Manifestationen von Sehnsüchten, die sich Sekunden nach dem Erwerb in die Angst, sie zu verlieren, verwandeln. Fragen Sie, wen Sie wollen: Urlaube mit kaum Geld im Alter von 18 bis 23 sind und bleiben für Viele die geilsten Urlaube ever.

Davon unabhängig muss ich Sie fairerweise darüber aufklären, dass es natürlich ganz wesentlich ist, im Lauf des Lebens Wege zu finden, wie Sie Ihr Humankapital in irgendwas tauschen, das einen sogenannten "realen" Wert hat: Geld und so. Soll zweierlei sagen: 1. Bleiben Sie locker, wenn Sie kein fettes Auto haben. Aber 2. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert. Und das gelingt, wenn Sie locker sind.

Sie sind das Update


Sie haben Skills, die keine sind und über die keiner redet, die aber einen Hinweis geben, was hier Sache ist: Sie wissen, welche Apps wichtig sind. Sie wissen, wie man sie installiert, und welche Einstellungen sie haben. Sie benutzen Ihr Smartphone höchstwahrscheinlich auch nur für Schrott, aber vielleicht nutzen Sie außer Whatsapp und Facebook auch noch andere Apps. Zum Beispiel Snapchat. Ihre potenziellen älteren Kollegen nutzen kein Snapchat. Wozu auch? Sie wären dort allein, niemand ihrer Freunde ist da. Das spräche für Tinder, aber nein: Die Kollegen sind ja in einer Beziehung.

Sie leben das Leben


Auch, wenn es um Musik oder Filme geht, können Ältere nicht mitreden, denn sie haben zu wenig Zeit. Sie hingegen haben Zeit. Außerdem können Sie schneller tippen, Sie sind schneller bei jedem Spiel auf der PS4, Sie brauchen zwei Minuten, um ein neues Programm zu lernen, und Sie haben weniger Angst. Nicht vorm iOS-Update und auch sonst nicht. Was nicht nur daher kommt, dass Sie noch wenig "haben", das Sie verlieren könnten. Es ist eine hormonelle Sache.

Ihre Risikobereitschaft ist ein Vorteil, dessen Wert Sie vermutlich nicht einschätzen können. Eigentlich ist sie ein Nachteil, denn Darwin ist unerbittlich. Die Evolution sortiert Hasardeure aus. Doch wenn Sie Glück haben, finden Sie jemanden, der Ihren Wert erkennt und honoriert und Ihre Schnelligkeit und Ihren Mut zu nutzen weiß, von den größten Risiken bereinigt und irgendwas wirklich Geiles draus macht. Das kann funktionieren, wenn Ihre Bereitschaft, sich von jemand Altem bremsen zu lassen, auf jemanden trifft, der bereit ist, Ihr in seiner Unausgegorenheit wildes Zeug mit seiner Erfahrung in ein Marketing zu verwandeln, das sich verkaufen lässt. Der- oder diejenige muss bereit sein, dafür das eigene Ego zurückzustellen, und Sie müssen das auch. Dann wird es gut. Nach so einer Kombi sollten Sie suchen.

Wie bereiten Sie sich auf Bewerbungsgespräche vor?


Machen Sie sich klar, wer Sie sind. Was Sie können und was Sie besser können als die, die Sie einstellen (= die Welt erobern). Verinnerlichen Sie, was ich oben geschrieben habe: Sie sind der Picasso, Sie sind wertvoll usw. Ihr Humankapital ist hoch.

Seien Sie frech bei Ihrem Bewerbungsgespräch. Nutzen Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen, nicht nur dazu, sich zu erkundigen, wie viel Urlaub es gibt. Fragen Sie, warum Ihr Gegenüber da arbeitet, wo er/sie ist. Fragen Sie, was das Legendärste ist, was das Unternehmen bisher erreicht hat. Fragen Sie, ob man für Kreativität gefeuert werden kann. Fragen Sie, ob es eine Infrastruktur zur Förderung von Kreativität und Ideen gibt - Veranstaltungen, Schulungen, irgendwas. Denken Sie dran: Sie sind der Picasso. "Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?" - "Weil ich schneller bin als jeder hier im Raum und weil ich zehn mal so viele Follower hab! Und falls jemand hier meinen Highscore schlägt, arbeite ich umsonst für Sie!" Und drehen Sie das Ganze um: "Warum sollte ich als Bewerber mich für Sie entscheiden?" (Sie sind der Picasso)

Wenn Sie das verstehen und sich danach verhalten, habe ich Ihnen hiermit ein paar Jahre in den Drehtüren des Jobeinstiegs erspart.
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