Wer lässt sich schon gern belästigen? Von einer Fliege zum Beispiel, die einem um den Kopf schwirrt und mit enervierendem Summen jegliche Konzentration zunichte macht. Nun, gegen Fliegen hilft die Klatsche, vorausgesetzt, man trifft die Fliege und nicht den Kristalleuchter.
Gegen lästige Telefonanrufe haben genervte Kunden inzwischen ebenfalls einige Mittel entdeckt. Vom Gegen-Script, das den Callcenter-Agenten zur Weißglut bringen soll, über die einfache Frage, ob denn das tolle Angebot auch für Hartz-IV-Empfänger gelte, bis zur (in Callcenter-Kreisen vielbeklagten) UWG-Novelle im letzten Jahr. Und das ist erst der Anfang.
Schleichwerbung: Das Duschradio aus der Techgalerie
Weitere Gesetze und Urteile werden folgen, die Bürgerwehr-Methoden immer ausgefeilter.
Der Tod des Outbound wird jedoch schlicht und einfach durch Auflegen besiegelt. Ganz gleich, was die Damen und Herren Werber sich noch ausdenken, ob getürkte Umfragen, angebliche Gewinnspiele oder was auch immer, die »Menschen in unserem Land« (© 2005 by Angela Merkel) hören einfach nicht mehr zu. Und warum?
Weil ungebetene Werbeanrufe meilenweit am sogenannten Kaufverhalten (unter Halbtags-Philosophen auch Bedürfnis-Befriedigungs-Struktur genannt) vorbeigehen. Weil die Herren Werber (wie auch so manche Politikmacher) immer noch nicht wahrhaben wollen, das sich unsere Luxus-Freizeit-Gesellschaft der sozialen Marktwirtschaft mit Riesenschritten wieder in Richtung Manchester-Kapitalismus bewegt.
Weil ein Metaller, ein Krankenhaus-Arzt oder auch ein Ich-AG-Betreiber inzwischen wieder als Erstes dafür sorgen muß, das er die klassischen Grundbedürfnisse Essen, Kleiden und Wohnen befriedigen kann.
Was übrig bleibt, kommt auf die hohe Kante, für den Lebensunterhalt nach der Entlassung, der Pleite etc.
Gerade in Zeiten, in denen der Euro zweimal umgedreht wird bevor er das Portemonnaie verlässt, reduziert sich der Vorgang des Kaufens wieder auf das, was er ist; Die Beschaffung einer als
notwendig oder nützlich erkannten Ware gegen Geld. Und selbst wenn davon genügend in der Kasse ist, gelten penetrante Verkäufer noch immer als Hausierer, als Schmeißfliegen. Auch wenn die Verkaufenden selber meistens arme Schlucker waren und sind.
Also meine Damen und Herren Callcenter-Betreiber, setzt die Nasenklammern ab und riecht hinein in eure Outbound-Abteilungen. Es modert mächtig darinnen. Genauer gesagt, es stinkt zum Himmel, was ihr da tut.
Und kommt mir jetzt nicht mit ein paar schwarzen Schafen unter der blütenweißen Weste, das Belästigen von Privatpersonen mit Lotterie-, Zeitschriften- und Gewinnspielangeboten ist branchenweit nach wie vor gängige Praxis.
Wer etwas kaufen will oder muß, der wird es tun. Wer anderen seine Ware aufdrängen will, ist eine Schmeißfliege. Und gegen die hilft am Besten die Klatsche.