Ive played all my cards
And thats what youve done too
Vorweg: Ich bin mal abgemahnt worden. In einer Markensache. Wer mich abgemahnt hat, darf ich hier nicht schreiben. Ich darf an den Namen der Firma wahrscheinlich nicht mal denken.
Mit etwas Abstand und bei isolierter Betrachtung muss ich aber, so schwer es einem Sturkopf wie mir auch fällt, einräumen, dass nicht nur die Abmahnung sondern auch meine anschließende Niederlage vor dem Landgericht eine gewisse Berechtigung hatte.
Ich wusste schon vor der Verhandlung, dass ich in der Sache keine Chance haben würde.
Mit ein bisschen PR (Blogs waren mir seinerzeit noch nicht bekannt), dem einem oder anderen Anruf hier und da, also kurz und gut, mit dem richtigen Marketing-Mix, wäre es mir aber möglich gewesen, der klagenden Firma derart einen vor den Latz zu knallen, dass sie sich wohl nicht mehr erholt hätte, eine Verhandlung in der Sache nie zustande gekommen wäre, die Marke anschliessend ausschließlich mir gehört hätte.
Ich habe dann gekniffen.
Weil ich Gewissensbisse bekam, weil Freunde von mir für den Kläger arbeiteten, weil ich mt den Klägern selbst mal befreundet war.
Weil ich keinen Bock mehr auf schlaflose Nächte und sorgenvolle Tage hatte.
Und so wurde es teuer für mich. Verdammich teuer.
Und all diesen Quatsch hätte man durch ein einziges Gespräch vermeiden können.
Dass ich da nicht früher drauf gekommen bin? Ich werfe es mir heute noch vor.
Und immer wenn ich heute in der Blogosphäre von einer Abmahnung lese, versuche ich so viel wie nur möglich über die Inhalte zu erfahren und mir ein Bild zu machen.
Und da ich nun mal aus eigener Erfahrung weiß, dass es auch berechtigte Abmahnungen gibt, versuche ich nicht direkt Partei für den Abgemahnten zu ergreifen.
Und so bin ich auf einige Fälle gestoßen, in denen ich durchaus Verständnis für den Abmahner hatte.
Vor wenigen Tagen jedoch wurde ich auf einen Fall aufmerksam, der mir fast die Tränen in die Augen trieb. Da outete sich jemand im Grunde genommen als Fan und bekam dafür eins mit der Abmahnkeule übergebraten. So was kann nicht sein! So was darf nicht sein!
„Da kann man jetzt drüber bloggen, da kann man aber auch handeln.“
Da ich den lieben langen Tag kaum etwas anderes mache als mit Marketern und PRlern für Marketer und PRler zu telefonieren (vom Bloggen, Kaffee trinken und parallelrauchen mal abgesehen), war schnell klar, was ich tun konnte.
Eben.
Telefonieren.
Und diesen widerlichen Abmahnern mal ordentlich aufs Dach steigen.
Nach einigem Hin und Her erreichte ich genau den Mann, mit dem ich sprechen musste, der entscheiden konnte - der entscheiden wollte.
Ob dieser Mann nun selbst so glücklich mit dem Vorgehen seiner Organisation war, das sei mal dahingestellt (Wes Brot ich ess, des Lied ich sing). In jedem Fall war er sehr bemüht eine Lösung für das Blog, ohne dessen Auftrag ich handelte, aufzuzeigen.
Und das tat er dann auch. 100 Euro als Spende, Einstellung der Sache, dass sei bei kleinen Fischen gängige Praxis. Ich fragte ihn, ob dies sein Angebot sei. Er sagte, dass er mir ein solches Angebot nicht machen könne, dafür müsse er schon mit dem eigentlich Betroffenen sprechen.
Jetzt kann man natürlich drüber streiten, ob sich da eine wirklich gute Lösung abzeichnete.
Es wäre sicher kein gutes Angebot, wenn man denn Recht bekommen, Recht durchsetzen will. Aber es wäre verdammt nah am Sorglospaket und insofern..., vielleicht ginge es ja noch billiger...
Ich kontaktierte also die Blogger und überbrachte die Nachricht. Bei einem von beiden sprach ich auf die Mailbox, bei dem anderen hatte ich mehr Glück und berichtete.
So richtig gefallen konnte dieses Angebot am anderen Ende der Leitung wohl nicht, hatte man zu diesem Zeitpunkt – so sagte man mir wörtlich – wohl neben einem Anwalt (verständlich und richtig) bereits eine PR-Agentur beauftragt, die sich der Sache annehmen solle und wisse nun nicht, wie man dies rückgängig machen solle.
PR-Agentur - Aha.
Dennoch gab ich die Telefonnummer des Entscheiders beim Abmahner weiter und empfahl zumindest einmal dort anzurufen. Man wolle dies tun, sagte man mir.
Ein Stündchen später klingelte mein Telefon und der andere Blogger sprach mich an.
„Ich traue mich nicht dort anzurufen“
Ich kontaktierte erneut den Abmahner und bat darum selbst mit den Abgemahnten in Verbindung zu treten, berichtete diesem auch über den fehlenden Mut des Bloggers, nicht aber über die PR-Agentur.
So gab ich also ungefragt 2 Mobilfunknummern weiter, von denen ich eigentlich gar nicht wusste, ob ich sie hätte weitergeben dürfen. Aber es war ja für einen guten Zweck.
Nun war man auf Seiten des Abmahners zwar, ob der einen oder anderen Erkundigung, die man zwischenzeitlich eingeholt hatte, skeptisch geworden, ob denn der kleine Fisch tatsächlich klein und nicht gar mittelschwer bis groß ist, war aber dennoch bereit, die Sache aus der Welt zu schaffen, vulgo „Die Kuh vom Eis zu bringen“.
Einzig ein persönlicher, wenngleich telefonischer Kontakt stand noch aus.
Man versuchte es. Man erreichte Mailboxen.
Der Abmahner war noch lange erreichbar an diesem Abend. Das Telefon klingelte nicht.
Ich ging ins Wochenende, kümmerte mich nicht weiter, vertraute darauf, dass beide Parteien vernünftig genug seien und zueinander finden würden.
Sie fanden nicht. Rechnet selbst.
Und irgendwie geht mir dieser Song nicht aus dem Kopf.
Nothing more to say
No more ace to play