Freitag, 5. Januar 2007
10:23
Wie weise ist das denn?
Hätte es die oben stehenden Anzeigen in Deutschland je gegeben?
Wir kennen das Briefing nicht, aber es wird wohl darum gegangen sein, dem Käufer klar zu machen, dass sein Produkt schonend zu weißen Zähnen beitragen kann. Oder so.
Die Agentur geht dann nicht auf die Beschreibung, sondern die Wirkung des Produktversprechens (Immer gut, selten genug berücksichtigt.), dass man nämlich mit einem Lächeln einfach mehr erreichen kann, man auch mal Unschönes sagen kann, ohne dass der andere einem gleich gram ist.
Alles, was dann folgt, ist nur den Gedanken soweit wie möglich zu strapazieren, um den Effekt zu verdeutlichen. Entsprechend frohgemut geht man in die Präsentation. (Natürlich fände das Folgende nie, naja, höchst selten beim Kunden statt. So was passiert eher bei der agenturinternen Präsentation, wo sich so mancher gerne als der verländerte (D)Arm des Kunden positioniert.)
Die Agentur (die Kreation) erläutert den Grundgedanken, zeigt die Motive, freut sich wie Bolle und starrt in unsichere Gesichter.
Marketing-Chef: "So."
Agentur (lächelt, trotz zunehmender Unsicherheit Zuversicht ausstrahlend): "Ja."
M: "Das ist also ihr Vorschlag."
A: "Das ist er." (von der Melodie her leicht amerikanisiert in der Art "Buddy- Yo man Yo")
M: "Aha."
A (schon tonloser): "Ja?"
M (schaut sich um): "Will vielleicht einer von Ihnen ..." (was für erhöhte Unruhe und Kompensationshandlungen wie Räuspern, Zurücklehnen oder Hämorrhoidenbekämpfungsimulationshüftbewegungen bei den "Assistenten" sorgt)
alle (außer Agentur): "Ääähmmm ..."
M: "(Name desjenigen, der gerne in der Kaffeepause munkelt, M habe keine Ahnung ...)"
X: "Also, mein erster Eindruck ist: originell, neu, ungesehen. Also durchaus kreativ ..."
Y (die M steckte, was X sagte): "Ja, aber bei aller Kreativität, wir müssen in erster Linie an unsere Kunden denken ..."
A: "Aber genau das ..."
M: "Seh ich genau so. Ich weß nicht, ob Sie das Briefing gelesen haben, aber soweit ich weiß, steht darin nichts von vulgären Menschen."
Y (liest vor): "Unsere Zielgruppe ist jung, modern, augeschlossen, treibt gerne und regelmäßig Sport und legt viel Wert auf Geselligkeit, Gesundheit und gutes Essen."
A: "Aber ..."
M: "Jaaha?"
A: "Da steht auch ..." (liest vor) "gewünscht ist eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne mit einem 'twinkle in the eye'".
Y: "WIR kennen unser Briefing."
M: "Finden Sie das lustig?"
A: "Ja, wir ..."
M: "So! Sie finden es also lustig, wenn man Ihnen unterstellt, Sie würden den ganzen Tag fluchen und Kraftausdrücke benutzen."
A: "Nein ..."
M: "Aber wir sollen das unseren Kunden sagen ...?"
A: "Aber ..."
X: "Der Eindruck kann schon auch entstehen. Das wollte ich auch noch angemerkt haben."
A: "Wie ..."
Y: "Sie sagen damit nichts anderes, als dass man mit unserem Produkt herumgehen und Menschen aufs Übelste beschimpfen und beleidigen kann, denn es "hört sich ja gut an"."
M: "Hören Sie besser mal genau zu: Unser Produkt sorgt für weißere Zähne, nicht für einen reineren Hals. Haben Sie das verstanden?"
A: "Ja ..."
M: "Oh, gut! Dann wissen Sie ja, was zu tun ist ..."
X: "Sie müssen das nicht übers Wochenende machen, aber Dienstag morgen müssen wir ...
M: "Ich!"
X: "... Marketing die neue Kampagne dem Vorstand vorstellen!"
Y: "Also wenn Ihnen an einer weiteren Zusammenarbeit mit unserem Haus gelegen ist ..."
A: "OK"
Wir kennen das Briefing nicht, aber es wird wohl darum gegangen sein, dem Käufer klar zu machen, dass sein Produkt schonend zu weißen Zähnen beitragen kann. Oder so.
Die Agentur geht dann nicht auf die Beschreibung, sondern die Wirkung des Produktversprechens (Immer gut, selten genug berücksichtigt.), dass man nämlich mit einem Lächeln einfach mehr erreichen kann, man auch mal Unschönes sagen kann, ohne dass der andere einem gleich gram ist.
Alles, was dann folgt, ist nur den Gedanken soweit wie möglich zu strapazieren, um den Effekt zu verdeutlichen. Entsprechend frohgemut geht man in die Präsentation. (Natürlich fände das Folgende nie, naja, höchst selten beim Kunden statt. So was passiert eher bei der agenturinternen Präsentation, wo sich so mancher gerne als der verländerte (D)Arm des Kunden positioniert.)
Die Agentur (die Kreation) erläutert den Grundgedanken, zeigt die Motive, freut sich wie Bolle und starrt in unsichere Gesichter.
Marketing-Chef: "So."
Agentur (lächelt, trotz zunehmender Unsicherheit Zuversicht ausstrahlend): "Ja."
M: "Das ist also ihr Vorschlag."
A: "Das ist er." (von der Melodie her leicht amerikanisiert in der Art "Buddy- Yo man Yo")
M: "Aha."
A (schon tonloser): "Ja?"
M (schaut sich um): "Will vielleicht einer von Ihnen ..." (was für erhöhte Unruhe und Kompensationshandlungen wie Räuspern, Zurücklehnen oder Hämorrhoidenbekämpfungsimulationshüftbewegungen bei den "Assistenten" sorgt)
alle (außer Agentur): "Ääähmmm ..."
M: "(Name desjenigen, der gerne in der Kaffeepause munkelt, M habe keine Ahnung ...)"
X: "Also, mein erster Eindruck ist: originell, neu, ungesehen. Also durchaus kreativ ..."
Y (die M steckte, was X sagte): "Ja, aber bei aller Kreativität, wir müssen in erster Linie an unsere Kunden denken ..."
A: "Aber genau das ..."
M: "Seh ich genau so. Ich weß nicht, ob Sie das Briefing gelesen haben, aber soweit ich weiß, steht darin nichts von vulgären Menschen."
Y (liest vor): "Unsere Zielgruppe ist jung, modern, augeschlossen, treibt gerne und regelmäßig Sport und legt viel Wert auf Geselligkeit, Gesundheit und gutes Essen."
A: "Aber ..."
M: "Jaaha?"
A: "Da steht auch ..." (liest vor) "gewünscht ist eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne mit einem 'twinkle in the eye'".
Y: "WIR kennen unser Briefing."
M: "Finden Sie das lustig?"
A: "Ja, wir ..."
M: "So! Sie finden es also lustig, wenn man Ihnen unterstellt, Sie würden den ganzen Tag fluchen und Kraftausdrücke benutzen."
A: "Nein ..."
M: "Aber wir sollen das unseren Kunden sagen ...?"
A: "Aber ..."
X: "Der Eindruck kann schon auch entstehen. Das wollte ich auch noch angemerkt haben."
A: "Wie ..."
Y: "Sie sagen damit nichts anderes, als dass man mit unserem Produkt herumgehen und Menschen aufs Übelste beschimpfen und beleidigen kann, denn es "hört sich ja gut an"."
M: "Hören Sie besser mal genau zu: Unser Produkt sorgt für weißere Zähne, nicht für einen reineren Hals. Haben Sie das verstanden?"
A: "Ja ..."
M: "Oh, gut! Dann wissen Sie ja, was zu tun ist ..."
X: "Sie müssen das nicht übers Wochenende machen, aber Dienstag morgen müssen wir ...
M: "Ich!"
X: "... Marketing die neue Kampagne dem Vorstand vorstellen!"
Y: "Also wenn Ihnen an einer weiteren Zusammenarbeit mit unserem Haus gelegen ist ..."
A: "OK"
Geschrieben von Heiko Walkenhorst in Meta-Marketing
2 Kommentare - 0 Trackbacks


Kommentare
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Christof Hintze:
Wahrscheinlich hast du Recht. Na und?! Wenn es überragende Ideen einfach hätte durch einfache Köpfe zu gelangen, ja meinst du denn es sähe so bestellt aus um unserer Welt. Ist doch schön es die Guten von den Nieten trennt. Deshalb verkauft man eine solche Kampagne ganz anders, da geht man rein. Und sagt: Na ihr Nieten. Wir werden Euch jetzt mal eine Idee zeigen, die ihr Erstens nicht glauben werdet. Zweitens nicht verstehen. Und Drittens ganz sicher nicht wollt. Wir können, müssen und werden damit leben. Aber wir hatten einen Höllenspaß. Und wir wollen die Kampagne exakt und genau so. Weil da draußen die Welt voller Hackfressen hängt, die allen zum Hals raus hängen. Nennen wir die Kampagne das Jack Nicholson Konzept. Wenn Sie nicht wissen wer der Herr ist, erschießen sie sich bitte nach dem Meeting. Jeder bitte nur eine Pistole. Niemand, kann mit einer solchen Überzeugung und nur einer Augenbraue und einem breitern Lächeln schöner sagen: Fuck you. Ist das nicht wunderbar. Und das ist der Kern und die Idee unserer Kampagne. Somit denke ich, es war schön sie kennen gelernt zu haben. Und meine Meinung ist: Für eine richtig gute Idee muss man bereit sein auch einen Kunden zu verlieren. Denn der Maßstab für eine richtig gute Idee, sind nicht sie und nicht wir, sondern das was das draußen passiert. Und mit dieser Kampagne passier mehr als sie sich je hätten Träumen können. Aber niemand glaubt wirklich dass wir aus diesem Traum aufwachen und ihn erleben. Und wissen sie warum? Ganz einfach: Weil wir in Deutschland sind. Und wir wollten und konnten keine weiter Hackfressen-Kampagne aufhängen.Stefan Johne:
Genial nachgespielt =) da hat man das übliche Problem old school vs Marketeaser.Kommentar schreiben