Die deutsche Sprache bringt häufig doch Absonderliches hervor. Manchmal entlockt mir das weit mehr als ein Schmunzeln. Es gibt einen Verband. Nein, nicht das Zeug, das man bei Verletzungen einsetzt. Eine Organisation. Und zwar den Bundesverband der Selbstentsorger von Verkaufsverpackungen BSVV. Toll was? Mein erster Gedanke war:
Wow. Die entsorgen sich selbst.
Ungeahnte Möglichkeiten. Ich träume. Edmund Stoiber tritt dem Verband bei. Und andere. Und alle entsorgen sich selbst. Wir hätten doch keine Probleme mehr.
Aber, leiderleider. Der Zweck dieses Verbandes ist ein anderer. Darin haben sich Unternehmen zusammengeschlossen, die selbst Verpackungen entsorgen dürfen. Sonst darf man das hier ja nicht. Dafür haben wir ja den Grünen Punkt. Egal. Köstlich jedenfalls, was dieser Verband in seiner aktuellen
Pressemitteilung so für ein Deutsch von sich gibt:
Selbstentsorgung keine Gefahr für haushaltsnahe Getrenntsammlung – für „Grünen Punkt“ tätiger Gutachter bestätigt Selbstentsorger-Position
Berlin, 10. Januar 2007. Der langjährige Rechtsberater der DSD GmbH, Prof. Dr. Klaus-Peter Dolde, stützt in einem Gutachten die Position der Selbstentsorger: „Da die Kapazität von Selbstentsorgersystemen beschränkt ist, steht diese Möglichkeit nur einem kleinen Teil der Produktverantwortlichen zur Verfügung.“ Damit bestätigt Dolde in einer Ausarbeitung für die selbstentsorgerkritische Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) die bekannte Position des Bundesverbandes der Selbstentsorger von Verkaufsverpackungen (BSVV), dass das geringe Marktpotenzial der Selbstentsorger die haushaltsnahe Getrenntsammlung von Verpackungsabfällen nicht aus den Fugen bringen kann. Doldes Gutachten „Verfassungsrechtliches Gebot zur Novellierung der Verpackungsverordnung – Rechtliche Folgen für die verpflichteten Unternehmen“ wurde Mitte Dezember 2006 auf dem 6. Orientierungstag der AGVU vorgestellt.
Wer jetzt nicht viel verstanden hat, befindet sich wahrscheinlich in Gesellschaft. Ich persönlich hatte auch gar keine Lust, mich da reinzudenken. Ist das der Sinn einer Pressemitteilung? Dass sie keiner versteht? Wenig erstaunlich ist deshalb, wenn diesen tollen Verband keiner kennt. Das wird sicher auch in Zukunft so bleiben.