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Presseverhinderer lieben Wiederholungen

Eben war es wieder so weit. Suchen und Ersetzen musste her. Wen das Schicksal ereilt, mit Pressemitteilungen arbeiten zu müssen, weiß diesen Komfort einer Textverarbeitung zu schätzen. Denn offenbar lieben die PR-Menschen Wiederholungen. Am liebsten dann, wenn es um den eigenen Firmennamen geht.

Und der muss vor allem eins sein: GROSS. Also in Versalien. Und natürlich, er muss möglichst oft vorkommen. Es kann sein, dass so ein GROSSER Firmenname in einem Text von 2.500 Zeichen (das ist eine gute DIN A 4 Seite) bis zu fünfzehn Mal vorkommt. Das verrät mir mein Suchen und Ersetzen. Das ist nämlich fleißig.

Ich arbeite dann daran, dass der Firmenname vielleicht noch so zwei oder drei Mal in meinem Text vorkommt. Und der ist dann meist auch kürzer. Weil auch noch die vielen schönen anschaulichen Adjektive rausfliegen. Und die GmbH und Cos und KGs und AGs. Denn neben den Versalien gibt es noch die Neigung, den vollen Firmennamen im ganzen Text zu gebrauchen. Das kann schon mal etwas schwerfällig daher kommen.

Oft genug allerdings kommt man auch ohne das Suchen und Ersetzen aus. Dann reicht es, das Ganze in drei kurzen Sätzen zusammen zu fassen. Noch einfacher ist nur der Klick in den virtuellen Papierkorb.

Wer ist eigentlich Oli K.? Ein Presseverhinderer?

Es ist noch gar nicht lange her, da hat mir ein Presseverhinderer eine wunderbare Pressemitteilung geschickt. Sie besagte, dass ein gewisser Oliver K. jetzt zu einem anderen Unternehmen wechselt. Ich kenne den aber gar nicht. Und das Unternehmen auch nicht. Auch nicht das Unternehmen, bei dem der sagenumwobene Oli K. vorher gearbeitet hat.

Wohlgemerkt: es handelte sich nicht um den legendären Oli P. oder sonst einen Promi. Sondern es war eine Personalmeldung. Und die hatte mit unserem Blog auch eigentlich nur am Rande zu tun.

Es war also so: eine unbekannte Person wechselt in ein unbekanntes Unternehmen. Und wir sollen darüber bloggen. Warum denn?

Das Ganze war als Pressetext deklariert. Ehrlich gesagt: verstehen konnte man den nicht so gut. Abgesehen davon, dass es eigentlich nur ein einziger ziemlich langer Absatz war. Und der Text hing so mir nichts, dir nichts als pdf an einer E-Mail, die mir auch so gar nichts sagte.

Ehrlich gesagt: ich glaube noch nicht einmal, dass irgendwelche Leute aus der Branche von Oli K. ihn überhaupt kennen. Oder sein Unternehmen. Vor der Pressemeldung nicht. Und nachher auch nicht.

Naja. Oli K. jedenfalls ist jetzt Geschäftsführer. Und zwar nicht mehr dort, wo er vorher war. Sondern woanders. Falls das jemand wissen möchte. Falls nicht: kein Problem. Dann merke er sich Oli K. jedenfalls als Presseverhinderer. Das kann er gut.

Presseverhinderer sitzen auch in großen Agenturen

Gestern bekam ich von einer großen PR-Agentur, die sich selbst das
weltweit größte unabhängige PR-Netzwerk
nennt, eine Pressemitteilung. Der Inhalt war tatsächlich für meine Leser interessant. Leider kam der Text als pdf-Datei. Ich kann ja mit zehn Fingern schreiben, aber abschreiben finde ich irgendwie doof. Und abschreiben will ich ja eigentlich auch gar nicht.

Aber die eine oder andere Textpassage muss ich ja nicht neu erfinden. Und bei Pressemitteilungen ist ja - anders als bei Doktorarbeiten - Copy und Paste erlaubt. Wenn die Pressemitteilung als pdf daherkommt, ist das allerdings etwas mühsamer als bei anderen Formaten, denn an jedem Zeilenende ist ein Zeilenumbruch eingebaut, den ich dann manuell entfernen muss. Was tut man nicht alles für seine Leser...

Darüber hatte der Mitarbeiter dieses
weltweit größten unabhängigen PR-Netzwerkes
leider nicht nachgedacht. Ich vergaß zu erwähnen, dass diese Agentur auch den Titel "PR-Agentur des Jahres 2011" trägt (obwohl ja 2011 noch gar nicht zu Ende ist...).

Neben der ärgerlichen, aber nicht tragischen pdf-Datei war der Information leider auch kein Bild beigefügt. Das ist blöd, weil in meiner Zeitschrift weder online noch in der Print-Version ein Artikel ohne Bild veröffentlicht wird. Es ging übrigens um eine Studie, da wäre das eine oder andere Chart sicher interessant gewesen...

Um also passendes Bildmaterial zu bekommen, rief ich den Mann in der Agentur an. Positiv: er war sofort dran. Aber: war das stotternde Wesen eventuell ein Praktikant? Er konnte mir zum Glück ein Foto übermitteln, aber weiter gehende Informationen waren aus ihm nicht heraus zu pressen.

"Ähhh, das macht der Kollege, der ist heute nicht da.", hieß es. Nein, die Studie könne man mir nicht geben. Wie es mit einem Interviewpartner sei? Ja, vielleicht. Man meldet sich.

Ich bin gespannt!

P.S.: Der Kunde dieser Agentur ist ein großes Mineralölunternehmen, das sicher einige Euros für diese Agentur investiert. Ob die gut angelegt sind, liegt im Auge des Betrachters.

Ergo: potenzielle Kunden haben Angst

Wen wundert das noch? Nach ein paar Skandalen und Skandälchen ist die Versicherung Ergo nicht mehr so richtig gut angesehen. Und jetzt hat Faktenkontor die Revolution in der Marktforschung angeschoben: Man hat Tausend Bürger befragt, ob sie sich gern von einem Ergo-Vertreter beraten lassen würden.
Wen wundert es, dass sechzig Prozent der Befragten nicht so gern mit den Leuten von Ergo zu tun haben möchten? Viel interessanter wäre aber gewesen, ob die Leute sich überhaupt gern mit Versicherungsfuzzis auf ein Gespräch einlassen. Allgemein sind die ja eher weniger beliebt... Darüber erfahren wir in der sensationellen Studie leider nichts.
Ich vermute ja, dass vielleicht ähnlich viele gar nicht auf ein Gespräch mit Herrn Kaiser und seinen Kollegen anderer Gesellschaften abfahren.
Und dass Schlagzeilen wie "Rauschende Sex-Party bei der Ergo-Versicherung" für den Ruf des Unternehmens nicht gerade förderlich sein dürften, braucht man eigentlich auch nicht mit einer Befragung herauszufinden. Wir sind also sehr gespannt auf weitere Forschungsergebnisse.

Web 2.0 für Anfänger

Alle sind ja jetzt irgendwie Web 2.0. Und irgendwie ist das ja auch so total hip und so. Keiner weiß zwar so ganz genau, was er erreichen will, aber dabei sein ist alles. Egal wie. Und irgendwer wird sich schon und die Tweets, die Facebook-Seite und die sonstigen Präsenzen kümmern. Ob der auch auf Fragen der Community reagieren kann, ist völlig zweitrangig.

Nun, auch ich experimentiere etwas mit Facebook, und schaue, wer so in meiner Branche - dem automobilen Ersatzteil- und Reparaturgeschäft - präsent ist und etwas sagen möchte. Und neulich war es so weit. Eine für mich interessante Firma schrieb etwas, das für mich interessant war. Ich wagte das Unmögliche: ich stellte in einem Kommentar eine Frage.

Eigentlich hatte ich ja damit gerechnet, dass es Tage dauern würde, bis ich eine Antwort bekäme. Weit gefehlt! Kurze Zeit später teilte man mir via Kommentar mit, dass die Antwort auf meine Fragen in meinem Facebook-Postfach sei. Oh, dachte ich bei mir. Jemand nutzt diesen in der Branche wahrlich noch eher experimentell zu nennenden Kanal vorbildlich und vor allem schnell.

Doch: der Blick ins Postfach enttäuschte. Man hatte mir nur die Kontaktdaten einer Person geschickt, die weitere Auskünfte erteilen würde. Eine Person, deren Kontaktdaten ich ohnehin schon hatte. Nun hätte ich alles wieder an diese Person schicken sollen und darauf warten, dass sie mir erneut antwortet. Ich habe es nicht getan.

Presseverhinderer: Hartnäckigkeit zählt

Presseverhinderer sind fleißige Kerlchen (auch in der weiblichen Form). Sie strengen sich mächtig an, um ihre hoch gesteckten Ziele zu erreichen. Sogar bei Deutschlands größtem Autobauer.
Kürzlich wusste der Chefredakteur einer Fachzeitschrift zu berichten, er hätte sich die Messe-Pressekonferenz dieses Unternehmens lieber gespart, weil sie für zwei Stunden angesetzt war. Welcher Journalist hätte schon zwei Stunden Zeit für ein einziges Unternehmen auf der für seine Branche weltweit größten Messe?
So ging er also zu dieser bedeutenden Veranstaltung nicht hin. Er wollte aber gern die Pressemappe haben, um trotzdem auf dem Laufenden zu sein. Also besuchte er nach der Pressekonferenz den Messestand und fragt höflich nach der Mappe. Die Mitarbeiterin dort wollte sie ihm nur gegen Vorlage seines Presseausweises geben.
Dazu muss man wissen, dass jeder Journalist auf dieser Messe seine Pressekarte um den Hals hängen hat. So sind die Journalisten wirklich gut zu erkennen. Er hatte übrigens bereits seine Visitenkarte gezeigt, die ihn als Chefredakteur auswies. Nun also auch noch der Presseausweis.
Da sein Verlag in Bayern ansässig ist, holte er den Presseausweis des bayerischen Verlegerverbandes heraus. Bemerkung der Presseverhinderin auf dem Messestand: "Diesen Ausweis erkennen wir nicht an." Irgendwie hat sie ihm dann doch noch die Pressemappe gegeben, so richtig glücklich hat sie ihn damit aber nicht gemacht.

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