Mittwoch, 20. Januar 2010
Leuteleute... Leider wissen scheinbar die wenigsten Menschen, was Versalien sind. Das sind schlicht Großbuchstaben. Die sind ja an sich nicht verboten. Aber wenn irgendwelche PR-Fuzzis (und ich bin ja selbst eine davon) mir mit diesen Großbuchstaben auf den Geist gehen wollen, bitteschön. Beliebt macht man sich bei Journalisten anders.
Gerade redigiere ich eine Online-Nachricht. Das ist nichts Spektakuläres. Jemand hat ein neues Produkt entwickelt, wir berichten in der Fachwelt darüber. So weit, so gut. Wenn aber dieser Jemand meint, es wäre toll, wenn man seinen Firmennamen immer in VERSALIEN schreibt, dann täuscht er sich.
Wenn in den Medien alle Firmen-, Marken- oder Produktnamen so geschrieben würden, wie die Firmen das gern hätten, wären die Leser sicher ein wenig verwirrt. Die wüssten nämlich gar nicht mehr, wann man was groß oder in Versalien oder irgendwie komisch gemischt schreibt.
Gerade habe ich in einem Text sage und schreiben zehnmal den Firmennamen von Versalien in Gemischte (so heißt das, wenn vorn ein Großbuchstabe steht und es dann klein weitergeht) umgewandelt. Danach habe ich dann ungefähr fünf Mal den Firmennamen entfernt, weil das sozusagen Namen-SPAM war. Das macht wirklich keinen Spaß! Und ich mache das heute schon zum zweiten Mal!
Dass ich mit dem Text ansonsten nicht sehr gnädig umgehe, versteht sich von selbst. Dabei hoffen doch die Presseverhinderer, dass ich ihn möglichst unredigiert übernehme.
Ob ich beim nächsten Mal die selbe Geduld aufbringe? Oder den Text lieber ganz unter den Tisch fallen lasse?
Freitag, 15. Januar 2010
Man muss sich immer wieder wundern, für was für Zeug Unternehmen noch Geld ausgeben. Die Programmzeitschrift "Hörzu" hat gerade mit Hilfe einer Umfrage herausgefunden, was wir doch schon lange vermutet hatten: Der Hund ist das beliebteste Haustier der Deutschen. Auf dem zweiten Platz folgt, wer hätte das gedacht, die Katze.
Was soll uns das sagen? Und was bringt das Hörzu? Mehr Anzeigen für Katzen- und Hundefutter? Die einzige Neuigkeit, die wir erfahren, ist, dass ein Viertel der Befragten den Delphin gern als Haustier hätten. Was? Ja richtig, den Delphin. Ob die den dann gern in der Badewanne halten würden oder im Aquarium, ist nicht überliefert. Und ob man bei Hörzu darauf spekuliert, dass dann auch Anzeigen für Fischfutter besser gehen, wir wissen es nicht.
Umfragen sind ja immer ein beliebtes Instrument, um auf sich aufmerksam zu machen, aber ob diese Masche wohl zieht?
Die Top Ten der Umfrage wurden komplettiert von Pferd (14 Prozent), Adler (14 Prozent), Pinguin (12 Prozent), Löwe (12 Prozent), Elefant (11 Prozent), Schimpanse (9 Prozent) und Pandabär (9 Prozent). Zur Auswahl standen 15 Tiere, Mehrfachnennungen waren möglich.
Das erstaunliche Ergebnis ist wohl darauf zurückzuführen, dass die wenig gängigen Tiere einfach ausgewählt werden mussten und dass Mehrfachnennungen möglich waren. Dass das Ganze dann wohl eher auf tönernen Füßen steht, was soll's? Man hat mal wieder von sich reden gemacht, und wenn es mit Delphinen und Pandabären ist. Die sind ja so süüüüüüüß.
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Stefan Hertach von mediaquell macht uns darauf aufmerksam, dass inzwischen auch in PR-Agenturen und Pressestellen der Trend in Richtung Web 2.0 geht. Er fasst dabei eine aktuelle Studie von Faktenkontor und news aktuell zusammen.
Die Studie hat ergeben, dass sich ein echter Wandel in der PR-Landschaft abzeichnet. Man denkt nicht mehr nur in klassischen Medien, sondern beteiligt sich aktiv am Web 2.0. Auch wenn Konzepte in diesem Bereich noch eher die Ausnahme sind, so haben die PR-Menschen erkannt, dass die klassischen Medien an Bedeutung verlieren.
Hertach:
Damit zeigt sich, dass u.a. die schrumpfenden Leserzahlen, die Einstellung zahlreicher Printtitel sowie das Auftreten neuer Multiplikatoren (Blogger, Fans etc.) und Kommunikationsformen und -kanälen (Social Media, Online Portale, Aggregatoren, Kurznachrichtendienste, RSS-Feeds etc.) nun auch merklich die PR-Branche treffen.
Die PR-Branche hat jetzt neue Zielgruppen für sich entdeckt, zum Beispiel Blogger und Communities. Davon kann wahrscheinlich inzwischen jeder Blogger ein Lied singen, wird er doch mit mehr oder weniger relevanten Presseinformationen zum Thema (oder auch nicht) versorgt. Inwieweit es bisher wirklich gelingt, den richtigen Ton zu treffen, ist nicht bekannt. Denn sicher genügt es nicht, Presseinformationen eins zu eins an Blogger zu versenden.
Aber: das Schiff nimmt Fahrt auf. Man kann gespannt sein, welche neuen Wege sich für die PR-Branche im Zeichen von Web 2.0 wirklich als gangbar erweisen. Denn bisher wird vor allem noch viel experimentiert.
Dienstag, 1. Dezember 2009
Letzte Woche war ich auf einem Recherchetermin. Bei einem richtig großen Automobilzulieferer. Ich habe mir dort angeschaut, wie die ihre Teile produzieren und werde darüber schreiben, was da so für Know How in unspektakulär aussehenden Sachen steckt. Ich war einen ganzen Tag vor Ort, habe einiges über Gummi und über Vliesstoffe gelernt, mit dem Geschäftsführer in der Kantine gegessen und hätte eigentlich meine Story im Sack gehabt....
Aber: keine Fotos. Die Angst vor Industriespionage ist offenbar so groß, dass man es noch nicht einmal zulässt, dass ich dort unter den Augen der Verantwortlichen Bilder mache, die sie sich sogar vor der Veröffentlichung noch anschauen könnten. Ich hätte sogar auf deren Wünsche Rücksicht genommen, schließlich will ich ja auch niemandem schaden. Aber: keine Fotos.
Und obwohl vorher bekannt war, dass ich auch Fotos benötige, hatte man auch nichts vorbereitet. Schon jetzt weiß ich: das war das letzte Mal, dass ich dort war.
Donnerstag, 12. November 2009
... das verspricht mir ein penetranter Verkaufstrainer, der mir unaufgefordert E-Mails ins Haus schickt. Woher er meine Adresse hat? Keine Ahnung. Wahrscheinlich nahm er an, nur weil ich eine Website habe, möchte ich auch gerne Verkaufstrainings besuchen. Ich möchte nicht.
Da schreibt er mir also mit dem Betreff "Nie wieder Kaltakquise". Ja, was ist denn das? Kälter geht's doch gar nicht. Ich kenne den Typ nicht und der will mich ganz kalt akquirieren. Könnte also fast sein, dass er sein eigenes "Nie wieder Kaltakquise" da ein kleines bisschen ad absurdum führt. Aber nur ein bisschen.
Ich jedenfalls möchte nicht akquiriert werden und freue mich ehrlich über den Link "Newsletter abbestellen" in der E-Mail. Dass nach der Bestätigung auf der Website dann noch eine weitere E-Mail mit einem Abbestell-Link kommt, ist schon komisch. Schließlich wollte ich ja keine weiteren Mails von diesem Kaltakquisiteur mehr bekommen. Der Höhepunkt wird allerdings dann bei der dritten Mail erreicht, die mir mitteilt, dass ich jetzt wirklich diesen "Nie wieder Kaltakquise"-Newsletter abbestellt habe.
Vor einiger Zeit übrigens bekam ich schon mal so eine Mail. Darin war kein solcher Link enthalten. Weil ich ein freundlicher Mensch bin, antwortete ich, dass ich niemals eine solche Information angefordert habe und auch weiterhin keine wünsche. Daraufhin heute diese wunderbare Information zum Thema "Nie wieder Kaltakquise".
Übrigens: der Mann selbst bezeichnet sich als "Europas bester Verkaufstrainer". Bei der Kaltakquise kann er noch dazulernen.
Montag, 2. November 2009
Brand eins... jaaa, wer ist das eigentlich? Angeblich erfreut sich dieses Magazin wachsender Beliebtheit, aber bisher nur kleiner Bekanntheit. Das möchten die gerne ändern. Und jetzt rufen sie auf. Zu einem Ideenwettbewerb.
Danach gibt es einen Pitch, der auch bezahlt wird. Und dann wird das Honorar der Entwicklung der Auflagen von Brand eins angepasst. Ein fairer Deal? Oder mal wieder ein neuer Versuch, eine Menge guter Ideen zum Discountpreis zu bekommen?
Donnerstag, 29. Oktober 2009
Gerade jetzt ist es wieder so weit. Mein Rechner ist blockiert. Ein wohlmeinender PR-Mensch schickt mir eine Pressemitteilung. In der E-Mail Numero eins kündigt er bereits E-Mail Numero zwei an. Und ich weiß: die ist es, die gerade meine nicht eben dünne Leitung verstopft. Mit sicherlich wieder einmal unbrauchbarem Bildmaterial. Und davon viel.
Muss ich erwähnen, dass zwei meiner Redaktionskollegen in strukturschwachen Regionen wohnen, wo DSL nur vom Hörensagen bekannt ist? Die kriegen diese Mails auch. Und können deshalb eine halbe Stunde nicht arbeiten. Und ärgern sich. Noch mehr als ich. Wir alle haben eines gemeinsam: wir hassen diesen PR-Menschen. Aber der lernt einfach nichts dazu. Als Presseverhinderer ist er auf jeden Fall sehr geeignet.
Dienstag, 20. Oktober 2009
Wenig Freunde macht sich derzeit der deutsche Outdoor-Bekleidungsmacher Jack Wolfskin. Er mahnt derzeit generalstabsmäßig ab. Und zwar Menschen, die irgendwie Geschäfte mit einem Tatzen-Motiv machen. Begründung: die Tatze sei markenrechtlich geschützt.
Einige Anbieter des Bastelportals verkaufen Artikel, auf denen Tatzen zu sehen sind. Das mögen die Wolfshäute gar nicht und versenden anwaltliche Kostennoten. Eine Zusammenfassung der Ereignisse gibt es beim Werbeblogger und auf Spiegel Online .
Bei Jack Wolfskin setzt man auf Härte und prügelt brachial auf alle ein, die irgendwie was mit Tatzen zu tun haben. Ich stelle mir nun die Frage:
Was ist denn mit Nachbars Katze? Die läuft doch hier durch die Pfützen und hinterlässt so manchen Tatzen-Abdruck. Und die vielen Hunde, die jeden Tag mit ihren Pfoten hundertfach Spuren auf Pflaster und im Matsch hinterlassen? Dürfen die das noch? Sie hinterlassen sie ja öffentlich, einsehbar für jeden. Wenn ich die jetzt fotografiere? Was passiert mir? Zahlt meine Rechtsschutzversicherung da noch?
Eins ist klar: Sympathien wird sich die Firma mit der Tatze so nicht erwerben. Denn ein Sturm der Empörung ist schon losgebrochen.
Montag, 19. Oktober 2009
Mein Kollege Peter Richter plant im kommenden Jahr eine bundesweite PR-Kampagne. Ihr Ziel ist es, Menschen mit einer Behinderung bei der Umsetzung ihrer anspruchsvollen Ziele zu unterstützen. Gleichzeitig sollen Nichtbehinderte darauf aufmerksam gemacht werden, was die Betroffenen trotz Ihrer Behinderung leisten können. Damit soll beiden Gruppen verdeutlicht werden, dass das Leben sehr viel zu bieten hat, man muss nur die Chancen nutzen. Die Kampagne steht unter dem Arbeitstitel "Behinderte Menschen mit großen Zielen".
Sie geht aus von einem Wunsch des seit seiner Geburt spastisch gelähmten Michael Huber, mit einem Spezial-Rollstuhl der Firma Otto Bock von seinem Wohnort Überlingen am Bodensee zum Comer See zu fahren. Das sind immerhin 358 Kilometer und es gilt, den Julierpass mit 2.300 Meter Höhe zu überwinden, gefolgt vom niedrigeren Maloyapass. Er wird von einem ehemaligen Zivildienstleistenden auf dem Fahrrad begleitet. Die Strecke ist bereits erkundet und ermöglicht behindertengerechte Übernachtungen. Mit herausfordernden Aufgabenstellungen hat Michael Huber schon Erfahrung: Er hat bereits den Bodensee umrundet und ist auf Teneriffa den Pico del Teide-Höhenstraße von 3.200 Meter hinunter gefahren.
Aber nicht nur Michael Huber soll bei seinem Projekt unterstützt werden, es gibt noch eine Reihe anderer Menschen mit ambitionierten Zielen und mehr oder weniger großem Handicap. Peter Richter sucht nun für diese Aktion Sponsoren und freut sich über Kontakt unter peter.richter@autocom-deutschland.de
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Presseverhindern ist gar nicht so leicht. Aber man wundert sich, dass auch große PR-Agenturen (laut eigener Website) in diesem Fall sogar "der europäische Marktführer" zu den Presseverhinderern gehören möchten. Dabei hätte ich eigentlich gedacht, die wissen wie es geht... Aber, zur Sache:
Man lädt mich ein. Zu einem Pressegespräch. Das ist schon mal nett. Zum Verständnis: ich arbeite für eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift und wohne exakt 563 Kilometer vom Ort der angekündigten Veranstaltung entfernt. Am 29. September um 14.03 h erhalte ich eine E-Mail mit der Einladung für den Folgetag um 11.30 h. Ich habe also gut 21 Stunden, um da hin zu fahren.
Meinen die das ernst? Glauben die wirklich, dass jemand, der nicht bei der Tagespresse arbeitet, ein solches Timing schaffen kann? Oder warum laden die mich ein? Der Termin wäre übrigens inhaltlich wirklich interessant gewesen, aber so habe ich noch nicht einmal abgesagt. Schade eigentlich.
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