Der Zweck adelt die Mittel

Werbemittel stehen in einem seltsamen Ruf. Entweder gelten sie als zu teuer – gerade bei Individualanforderungen, oder als zu beliebig: Kuli, Süßigkeiten, Blöcke.

Die Frage ist: Wer gibt ihnen diese Meinung? Im Grunde sind das die Werbetreibenden auf beiden Seiten des Besprechungszimmertisches. Die einen (die „Kreativen“) haben eine, wie könnte es anders sein, ganz tolle Idee, die dem Budgetverantwortlichen vermuten lässt, er sei bei der Versteckten Kamera. Die anderen (die Kunden) wollen alles mit ihrem Logo versehen, was sich in riesiger Stückzahl bei minimalen Kosten produzieren lässt.

Da sind die Vorwürfe vorprogrammiert. Aber weil es sich weder die Agentur mit dem Kunden noch der Kunde mit der Agentur wegen so was verscheißen will, ist halt die Werbemittelindustrie schuld – eben, weil sie nichts Kreatives zu einem vernünftigen Preis anbietet.

Sehr typische Herangehensweise, sich auf die Kosten zu fokussieren, statt auf den Nutzen. Das Werbemittel selbst ist dabei völlig egal. Es muss halt zu dem Unternehmen u/o dem Anlass passen. Da könnten die Kreativen ja den Kunden von ihrer Kernkompetenz überzeugen und den Kunden zu etwas bringen, was er gerne, aber selten sagt: „Ja!“

In kleinen Quadraten eingetütete Zuckerstückchen mit Logo sind unglaublich langweilig. Ein Logo für einen Hörgeräte-Akustiker macht es nicht besser. Das aber mit dem Hinweis zu versehen: „Der kleinste Hörtest der Welt.“ Gibt dem Ganzen schon wieder Charme und Witz und Mehrwert – und sorgte zumindest einmal, nämlich bei mir, dazu, dass der Kaffee ungesüßt blieb.

Werbemittel Schlafbrille
Bitte nicht stören! Ich bin kreativ. / via ebets.at
Eine Schlafbrille. An sich schon ganz nett. Auch nützlich. Aber ergibt allein keinen Sinn. "Nur so" fördert so ein Werbemittel nur das Schmarotzertum. Wenn man es aber kombiniert mit einem thematischen Bezug, dann besitzt das Ganze mehr Charme und Witz, wie z. B. bei dieser Aktion für die Kreativwirtschaft der Stadt Mannheim: „Bitte nicht stören. Ich bin kreativ!“ Das hat wieder Witz, weil es eben mit einem Klischee spielt.

Man kann auch Aufklebern oder bedruckten T-Shirts etwas abgewinnen, auch in einem herkömmlichen Design. Natürlich gibt es auch bereits ganz lustige Beispiele, die bereits eine Aussage zum Werbetreibenden treffen, wenn sie aber mehr sein sollen denn Druckfläche für ein Logo, so bleibt man besser bei Kulis und anderen Werbegeschenken.

Diese transportieren auch das Logo und sind sehr nützlich, was man allein daran erkennt, dass man nie etwas parat hat, wenn man es braucht, also immer Bedarf für so was hat, aber, wie gesagt, nur zur Anbringung des Logos ... Das ist einfach zu wenig.

Klar ist das Logo 100% Teil des CI, aber das CI ist mehr als das Logo. Wie der Name schon sagt, hat das was mit etwas Wesentlichen zu sein, der Identität. Diese Identität gilt es zu kommunizieren. Da ist es eigentlich egal, wie teuer das Werbgeschenk bzw. die einzelnen Werbemittel waren/sind, sondern was sie bringen (sollen)?

Genau diesen Dialog scheuen aber sowohl Agentur als auch Kunde. Wofür stehen wir? Was wollen wir mit diesem Werbegeschenk bzw. Werbemittel über uns sagen lassen? Diese Fragen gilt es in erster Linie zu klären. Und dann kommen erst die Kosten, dann die Strategie – und dann geht’s um die Umsetzung.

Na dann isses auch egal, wenn es etwas mehr kostet, weil es vielmehr bringt: an Nachhaltigkeit, Gesprächseinstiege, leichtere Nachfassaktionen und und und ...

So sollte es ja sein: Der Zweck adelt die Mittel.

Werbung für das Wesentliche



Heute ist der Tag des Kusses.

Bannerwerbung – Ein Test für die Sinne

Wenn es um Werbung geht, ganz gleich ob TV-Werbung, Radiowerbung, Onlinewerbung, Plakatwerbung, Bannerwerbung oder oder oder ... der Werbetreibende will immer wissen:

Wie sinnig ist das?

Gute Frage. Schlecht aber ist, dass sie meist nur rhetorisch gemeint ist, und selbst wenn nicht, ist sie es nicht wörtlich, denn es geht bei der Fragen nicht um einen Sinn, sondern ums Geld. Gemeint also ist: Lohnt sich eine solche Investition? Steht die Kosten in einer gutem Verhältnis zum Nutzen?

Hierauf eine Antwort zu geben, die auch nur den Hauch von Seriosität besitzt, qualifiziert einen zu einem Seher, einem Propheten, doch jene werden seit schon mehreren Jahrhunderten bereits mit Scharlatanerie in Verbindung gebracht. Also besser nichts dazu sagen und besser zur Eingangsfrage zurückkehren:

Wie sinnig ist das?

Und weil wir uns weitaus lieber als Nestbeschmutzer denn Scharlatane beschimpfen lassen, fangen wir erste gar nicht vom 6. oder gar 7. Sinn an, sondern bleiben bei den fünfen, die jeder Mensch (beisammen) haben sollte – und fragen uns einfach mal, wie weit die reichen – denn auch das, die Reichweite – ist ja ein Entscheidungskriterium pro und contra einer Werbemaßnahme, ganz gleich, ob es sich um teure TV-Werbung oder günstige Bannerwerbung oder oder oder handelt.

Fünf Sinne

Der Geschmacksinn
... hat eine Reichweite von ca. – 5 cm, denn dieser Sinn kommt ja erst zum Einsatz, wenn man sich etwas oral einverleiben möchten. OK, diese Reichweite lässt sich auch ins positive bis zu + 5 cm erweitern, aber da muss man schon seine Zunge rausstrecken.

Der Tastsinn
... hat eine Reichweite von 0, denn für ihn ist es unabdingbar, dass er in Kontakt mit etwas tritt.

Der Geruchssinn
... hat eine sehr variable Reichweite, die von wenigen Zentimetern bis zu einigen Hundert Metern reichen kann – je nach Windverhältnissen und Intensität des Duftmarkensenders, die ja sehr variabel sein kann, beispielsweise ob der Duft von einem menschlichen oder baulichen Körper ausgesandt wird – vor allem, wenn er innerlich brennt. Der Sinn hat allerdings die Besonderheit, dass er, wenn er über einen gewissen Zeitraum von einer Quelle aus aktiviert wird, einfach abschaltet und die Sendung nicht mehr wahrnimmt. Im Alltag ein Segen, für Werber ein Fluch.

Der Hörsinn
... hat eine enorme Reichweite, wobei dieser noch mehr als der Geruchsinn das Problem der Quellenidentifikation hat. (Selbsttest: Kaffeekränzchen, Samstagmorgen in einem modernen Supermarkt etc.) Auch die Qualität des über diesen Sinn Wahrgenommen lässt ab wenigen Dutzend Metern sehr stark ab – außer in der Nähe von Rock Open Airs, Fußballstadien zu Derbys oder Militärflugzeugbasen. Bleibt:

Der Sehsinn
... mit seinen mehreren Dutzend Kilometern Reichweite eindeutiger Sieger der Sinne, der zudem bereits ohne technische Hilfsmittel sehr gezielt zur Ortung und Wahrnehmung visueller Reize eingesetzt werden kann.

Was also ist die beste Werbung? Kommt natürlich darauf an. Wer aber wirklich „sinnig“ Werbung machen will, für den empfiehlt sich Bannerwerbung – und zwar offline.

„Hä?,“ fragt da wer aus der Leserschaft, „offline Bannerwerbung?“
„Ja, offline Bannerwerbung. Das gab’s schon lange vor online und wird es auch länger geben,“ prophezeien wir da zurück.

Denn wir sprechen hier nicht für diese Flackerdinger, die sich immer vor igrendwelche Nachrichten oder Filme im Internet stellen und jeden nerven, sondern von den ganz klassischen meist auf witterungsbeständigem Planen, z. B. PVC oder Mesh, groß bedruckten Flächen , gut platziert weithin sichtbar, mehrfach wieder verwendbar, was allein schon für diese Form der Werbung spricht.

Vielleicht mag der Frager die nicht „hip“ finden, aber dafür ist sie auf jeden Fall „top“, denn die Kosten-Nutzen-Relation ist gerade bei den günstigen Druckkosten geradezu unschlagbar.

Zudem adressiert sie den Sinn mit der größten Reichweite. Sie ist also die wohl einzige Werbeform, die man unabhängig von der Frage, ob die Werbung sinnig sei, man locker und sicher und ganz ohne Scharlatanerie mit „Ja!“ beantworten kann.

Das wiederum lässt zudem folgenden Schluss für klassische Bannerwerbung zu:

„Bannerwerbung ist richtig sinnvoll!“

Ein Klick auf expo-deal.com wäre es auch, denn der Spezialist für Werbebanner und Werbeplanen, schlug uns diesen Beitrag vor. Danke.

Die Messe, die Probleme, die Professionellen.

Messen sind etwas Wunderbares. Klar gelten TV-Spots als kreativer, erzeugt man mit einem "viral" weltweit mehr Aufmerksamkeit und auch Plakate bringen mehr Publicity, aber auch hier gilt der alte Spruch:


Und für gewöhnlich ist das bei einer Messe gegeben. Man trifft auf ein Fachpublikum, zumindest ein thematisch interessiertes Publikum meist auch noch eines, das dafür Eintritt bezahlt hat, dass es einen selbst sehen kann und darf – und dann ... wird's verbockt.

Auf der MesseThemenquelle: mobiler-messestand.eu
"Die Messe, die Probleme, die Professionellen." vollständig lesen »

Was ist eigentlich ... Employer Branding?

In unserer netten, kleinen Reihe möchten wir uns heute wieder eines Begriffes annehmen, der es einem schwer macht, Marketing als im weitesten Sinne geisteswissenschaftliche Disziplin zu akzeptieren. Gewiss gibt es immer wieder anglizistische Begriffe, deren Existenz sich fast nur mit der theologischen Logik rechtfertigen lässt, wonach Gott existiert, weil man über ihn spricht. Der Begriff ist das Ding an sich. Philosophisch gewiss eine schöne Spielerei, dennoch dürfte eine Definition dieser Art einem Kunden schwer in Rechnung zu stellen sein.

Employer Branding

Fakt ist: Bei Google wird der Begriff „Employer Branding“ abertausende Male gesucht. Die Vermutung, dass es sich hierbei um eine Nachfrage nach der Sinnhaftigkeit des Begriffes handelt, hat sich nicht bestätigt, denn ganz offensichtlich wird dieser Begriff von nicht wenigen und nie lustig benutzt. Dabei ist der Begriff zumindest letzteres, denn statt zu klären, zu determinieren, zur Klarheit aka Ökonomie der Sprache beizutragen, tut er genau das nicht.

Employer Branding ist der Inbegriff der sprachlichen Ineffizienz.


Auch keine Definition des Begriffes, aber das ist auch nicht so ohne Weiteres möglich, denn der Terminus klärt weder gemäß deutscher noch nach englischer Semantik, ob Employer Branding das Branding für den Employer ist (wenn das, durch wen oder was?) oder durch den Employer (wenn das, dann wäre Kim Jong-Il wohl zweifelsfrei DER EB-World Master).

Und wie steht Employer Branding, wenn damit gemeint ist, den Arbeitgeber zur Marke zu machen, zu Corporate Identity? Wer oder was ist da Teil wovon? Wenn das Unternehmen eine Identität hat, der Arbeitgeber aber keine Marke ist ... hmmm ... Und wer ist für das Employer Branding zuständig? Marketing? Klingt so, ist aber zumindest in dieser Ausschließlichkeit unwahrscheinlich. HR? Dto.

Oder ist es nicht einfach ein Terminus von unterbeschäftigten Verbalautisten? Denn ist es nicht ganz einfach so:

Wer als Arbeitgeber nicht interessant ist, ist auch für seine Kunden nicht interessant.
Und wer für seine Kunden nicht interessant ist, wird nicht lange Arbeitgeber bleiben.

Stichwort: Schlecker. Oder umgekehrt: Stichwort: Grupp (trigema)

Genau das dürfte wie so oft auch das Hauptproblem sein: die Simplizität. (Etwas, wovor wir uns wahrlich nicht fürchten.)

Gewiss gibt es Firmen, für die es per se schwer ist, potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden (zumindest unterstelle ich das Unternehmen in der Kläranlagenreinigungsbranche oder den Inspekteuren von Windkrafträdern), aber andere, die darunter leiden, gehen doch lieber vor die Hunde als zu einem „Berater“, der so etwas wie „Employer Branding“ feilbietet.

Außerdem gibt es da ein Sprichwort im Deutschen, dass eigentlich alles zu diesem Thema sagt: „Der Fisch, der stinkt vom Kopfe her!“

Das gilt allerdings nur, wenn er tot ist. Solange er lebt, sitzt im Kopfe aber auch der Motor für den An- bzw. Vortrieb und die Fortpflanz... Fortsetzung. Und um den geht es: den Kopf (als Motor). Und den richtig zu nutzen, können die einem nicht glaubhaft beibringen, die Begriffe wie „Employer Branding“ ernsthaft gebrauchen.

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FischerAppelt - der Spiegel zappelt

Wir produzieren Gesprächsstoff, der Menschen bewegt. Zum Clicken, zum Liken, zum Sharen, zum Kaufen. Bei uns entsteht Content zur Unterhaltung, zur Berichterstattung, zum Weitersagen, zum Wiederkommen, zur Kundenbindung und zur Mitarbeitergewinnung.

So steht es auf der Internetseite von fischerAppelt und man muss zugeben: Genau das tun sie - und das zudem, zumindest was die Eigenvermarktung angeht, ziemlich perfekt. Auf sie (im Gegensatz zu dem Verfasser dieser Zeilen) trifft der Satz "Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe" nicht zu - und der Wegbereiter ist Spiegel Online in seiner Sparte Karriere.

Freitag kommt dort der "tiefenentspannte" Agenturchef zu Wort, genauer: zu 702 Wörtern, in denen er seine "10 Tipps für ein entspanntes Berufsleben" ausbreiten darf - und dies eingeleitet mit den Worten:

Immer gut drauf, scheinbar nie gestresst. Wie macht er das bloß? Manager Frank Behrendt war für Kollegen ein Rätsel - bis er die wichtigsten Job-Ratschläge in eine Liste packte. Hier sind seine zehn Tipps.

Na, wenn das mal keine top Selbstdarstellung ist (Es gibt da andere. :-) ) - und das auch im redaktionellen Teil. Allein das nötigte einem schon Respekt ab, aber heute wurde es noch besser: Heute "kontert" ein Angestellter und erzählt

(...) nach einer 80-Stunden-Woche (...), wie der Alltag in der Werbebranche wirklich ist.

Davon mal abgesehen, dass diese Einleitung ein Klischee mit einer 2-in-1-Phrase bedient, da es einerseits DIE Werbebrangsch ebenso wenig gibt, wie die Deutschen, die Flüchtlinge, die Schwaben (pardon: die gibt's), und zudem andererseits jeder Bericht eines Einzelnen nie dazu angetan ist, etwas darzustellen, wie etwas "wirklich" ist, kann man das dem Mitarbeiter nicht anlasten, da dies die Einleitung der Redaktion war.

Das heißt aber nicht, dass sein Text klischeefrei wäre. Oh, ist er ganz und gar nicht, aber diese haben ein größeres Humorpotenzial, wie überhaupt der Text sehr spaßig ist, wenn man sich für ihn im Detail interessiert:

"Ich bin Senior Berater und Projektleiter in einer Kommunikationsagentur."
Einer? Wo doch schon einleitend kommuniziert wird, dass er auf die Tipps seines Chefs antwortet.

"Wann fangen wir an, realistisch zu kommunizieren, wie wir arbeiten? Normalerweise kommen wir übermüdet ins Büro, da wir am Tag zuvor wieder bis in die Puppen am Schreibtisch gesessen haben, um alle Abgaben rechtzeitig zu schaffen - für ein Projekt, das binnen viel zu kurzer Zeit erledigt werden musste."
Schnuppert man hier nicht den Hauch von Abenteuer? Wer denkt da nicht an die tickende Bombe unter dem Kinderwagen? Welches Kabel ist es? Es ist ein Code, ein Code! Oder an Scotty, der mindestens drei Tage braucht, um den WARP-Antrieb mit dem Anti-Materierefusor mit der Gravitation der interstellaren Turbulenz zu synchronisieren, von Capt'n Kirk dafür aber höchstens fünf Stunden bekommt und es immer wieder gerade so noch schafft?

"Wir sind eben nicht den ganzen Tag nur am Brainstormen. Zu unserem Alltag gehören auch langweilige, verwaltende Aufgaben und niemals enden wollende Abstimmungsschleifen und Diskussionen. Wir erarbeiten tage- und nächtelang Konzepte für großartige und innovative Kommunikationsmaßnahmen, die am Ende im Papierkorb landen, weil der Kunde doch etwas anderes will."
Hm, da ich den Herrn nicht kenne, kann ich nichts zur Beratungskompetenz sagen, aber Fragen hätte ich.

"Es ist ein verdammt harter Job, und wir brauchen ein dickes Fell, um täglich aufs Neue bestehen zu können."
Navy CIS? Navy Seals? Auf jeden Fall etwas mit höchster Alarm- und Dringlichkeitsstufe. Was auch erklärt, dass sein Chef anders tickt. Er ist 52, Ralf Junge 30. Und wie wir aus Lethal Weapon wissen, ist man erst mit 40 "zu alt für diesen Scheiß."

"Warum tue ich mir das an? Aus Leidenschaft für die Arbeit, nicht jedoch für den Job. Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, Geschichten zu schreiben, die für Gesprächsstoff sorgen, Botschaften und Strategien für Produkte zu entwickeln."
Wenn ein Berater Geschichten schreibt, ist er selber schuld. Dazu gibt es Werbetexter oder eben "Content Provider", wie es im Falle der Agentur wohl heißt, da sie ja keine Werbeagentur ist, sondern eine "Agenturgruppe für Creative Content" (WTF), weshalb sie ja auch "Gesprächsstoff zum Clicken" produzieren (- mit kreativem, äh: creativem C). Aber immerhin erclärt es, warum er mit seinem Zeitmanagement nicht hinkommt, schließlich macht er den Job eines anderen. Und solange keiner ihrer Geschichtenerzähler für ihn die Organisation und das Rechnungswesen und das Zusammenschustern der Präsentation übernimmt, übernimmt er sich halt.

"Der Beruf des Werbers ist immer noch spannend. Aber wir sollten für ihn nicht mit irreführender Werbung werben."
Wow, wenn das mal nicht mega-authentisch ist, also absolute "loft-credibility" besitzt. Supi. Eine Art "Endlichsagtsmaleiner" der Generation IMM.

Also wir können nur den Hut ziehen - vor fischerAppelt. Sie haben alles richtig gemacht. 1a-Employer Branding.

Als Chefred des Spiegels hingegen ... naja ... wenn deren Kunden dafür Werbung in den Verlagsmedien buchen ... war es ja auch nicht verkehrt.

Der ADC und der Levitenleser Winterscheidt

Gestern kam das ADC-Jahrbuch 2015. In der branchenüblichen Bescheidenheit tituliert als "Die Design-Bibel der Kreativbranche."

Was natürlich Quatsch ist, denn eine Bibel erscheint nicht jährlich mit wechselndem Inhalt. Zudem wirft sie nur bedingt einen Blick zurück, eher warnt sie davor (s. Lukas 17,32).

Aber derartige Unstimmigkeiten haben die/meine Brangsch noch nie gestört. Hauptsache, es verkauft. (Klingt auch irgendwie gottlos, aber so isses ja halt auch.)

Und ebensowenig kümmert es die Werbung, wenn man sie basht. Im Gegenteil, das gefällt ihr - und den Part übernimmt in dem Werk Joko Winterscheidt mit einem Vorwort, das gewiss insgesamt nicht so viel Applaus erhält wie sein Video, in dem er mit seinem Circus Halligalli-Partner Stellung zu Rechtsradikalen bezieht, aber von uns.

Denn irgendwie halten wir es dann doch mit dem Wort aus der echten Bibel (Johannes, 3,18):

"Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit."

Die Unsterblichkeit des Markenkerns

Aktuell erfreuen sich zwei Spots des dänischen Reiseveranstalters Spies Rejser großer Beliebtheit im Netz, denn er hat alles, was im Netz interessiert: Sex, Sport, Reisen, Geld - und handelt damit auch zwangsläufig irgendwie von Muschis und Hunden, zumal auch ein "Dackel" auftritt - und witzig ist das Ganze auch noch.



Nun, bevor von den nach 1980 Geborenen wieder der dämliche Einwurf kommt, warum es etwas Derartiges nicht von deutschen Firmen gibt, der kann ja mal seine Großeltern, inzwischen wohl besser: Urgroßeltern fragen, was ihnen der Satz "Kinder für den Führer" sagt. Denn sie kennen bestimmt noch den "Lebensborn", ein von der SS getragener, staatlich geförderter Verein, dessen Ziel es war, auf der Grundlage der nationalsozialistischen Rassenhygiene und Gesundheitsideologie die Erhöhung der Geburtenziffer „arischer“ Kinder herbeizuführen. Und auch außerhalb dieses Vereins gab es nach Ansicht von Himmler, des Chefs der SS, die »Pflicht« einer jeden deutschen Frau, Reich und Führer Kinder zu schenken.Man kann sich also vorstellen, was hierzulande los wäre, wenn wer eine derartige Kampagne fürs Kinderkriegen machen würde - und das, obgleich sie hierzulande rein faktisch aus den in dem Spot genannten Gründen ebenso geboten wäre.

Diese Gefahr besteht für "Spies Rejser" steht, was nicht nur damit zu tun hat, dass sie aus Dänemark kommen, dem Land der immer noch geilsten ÖPNV-Werbung der Welt, sondern den Namen eines ganz besonderen Zeitgenossen des 20. Jahrhundert in sich trägt: Simon Ove Christian Oglivie Spies.

Er gründete das Unternehmen 1956 und bot als erstes günstige Bus-/Schiffsreisen nach Mallorca an. Anfang der 60er kaufte er die bankrotte Fluglinie "Flying Enterprise" auf und machte daraus "Conair of Scandinavia."

Bis dahin klingt das noch alles recht normal. Das trifft aber so gar nicht auf seinen Lebenswandel zu, der mit extravagant-hedonistisch nur sehr mangelhaft beschrieben ist. Dazu zählten unter anderem morgenbolledamer, also Damen, die morgens für bolle zuständig sind. Hierzu ist es ganz hilfreich, wenn man weiß, dass bolle sowohl Brötchen heißen kann als auch ficken.



Doch damit nicht genug. Anfang der 70er Jahre tat er sich mit Mogens Glistrup zusammen, der 1972 die Fremskridtspartiet (Fortschrittspartei) gründete, die 1973 als zweitstärkste Fraktion ins dänische Parlament einzog, wo sie von ihm 1973?1983 und 1987?1990 vertreten wurde.

Landesweite Bekanntheit erhielt er bereits am 30. Januar 1971, als er live im dänischen Fernsehen das Zahlen von Steuern für unmoralisch erklärte und die Ansicht vertrat, Steuerhinterzieher würden ebenso patriotisch handeln wie die Eisenbahnsaboteure während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, und als großer Patriot zeigte er dann seinen Steuerabschluss vor - mit einem Lohnsteuersatz von 0 Prozent.

Auf die Frage, was er als Verteidigungsminister machen würde, schlug er vor, das dänische Militär abzuschaffen und durch einen Anrufbeantworter zu ersetzen, der in allen Weltsprachen „Wir ergeben uns“ melden sollte. Das spare bares Geld und im Ernstfall Menschenleben, weil Dänemark ohnehin nicht verteidigungsfähig sei.

Dieser Radikalität nahm mit den Jahren nicht ab, nur brachte sie ihm weniger Applaus und Lacher ein, dafür Haftstrafen wegen Steuerhinterziehung sowie Geldstrafen, denn auch sein Verständnis von Patriotismus wurde über die Jahre und Jahrzehnte nicht milder. 1999 erklärte er: Natürlich bin ich Rassist – das sind alle guten Dänen. Man ist entweder Rassist oder Landesverräter.“

Direkt nach seiner Haftentlassung 1985 gab es bereits die erste Geldbuße für "Alle Muslime sind zum heiligen Krieg gegen die Ungläubigen erzogen worden." 2005 verbüßte er eine 20-tägige Haftsrafe für „Die Anhänger Mohammeds sind nach Dänemark gekommen, um die Dänen aus ihrem Vaterland zu vertreiben”.

2008 starb er in der Lyngby-Taarbæk Kommune, wo sich unter anderem auch der Sommersitz des dänischen Ministerpräsidenten befindet. Damit überlebte er Simon Spies um ganze 24 Jahre.

Die beiden waren ein so ungleiches wie unwirkliches, aber doch reales Paar, das 2013 auch Einzug in die Kinos hielt. Ihr gemeinsamer Werdegang wurde in dem Film "Spies & Glistrup – Sex, Drugs & Taxation" festgehalten und war einer der großen Erfolge auf dem Filmfestival Heidelberg-Mannheim:



Also wenn man sich das mal alles so sieht, wirken die Videos vielleicht gar nicht mal mehr sooo lustig. Sind sie trotzdem. Und die Idee ist ja nicht falsch. Also, äh ... Schönes Wochenende ...


(Eine Idee) Stirbt langsam ...

Erinnert sich noch wer an "Terminator", "Stirb langsam", "Männerherzen"? Allesamt gute Filme, die eine etwas extrem Seltenes gemeinsam haben: ein weitaus besseren Nachfolger.

Nun gab es vor rund zwei Jahren einen echten Internetfilmhit für Marketeers: "s Leben is a Freid - Die Mutter aller Imagefilme", ...



... dessen Nachfolger jetzt auf YouTube erschien: "Total authentisch - Die Mutter aller Recrutingfilme" - und der das Problem nahezu aller Follow-Ups teilt (Die Ausnahmen haben wir ja eingangs erwähnt.): Er reicht bei weitem nicht an das Original heran.

Das erkennt man allein schon daran, dass der Film zu dem Thema, zu dem es gewiss weniger zu erzählen gibt, als zu "Image", fast 50% länger ist. (Der Hinweis auf Kürze-Würze muss hier reichen.) Klar, gibt es die ein oder andere Teilidee, die nicht völlig misslungen ist, aber als Gesamtwerk funktioniert es einfach nicht. Bestenfalls ist das, was einem da präsentiert wird, als "Journalistenhumor" zu bezeichnen.

Bild- und Textgags werden solange wiederholt, bis sie auch der letzte verstanden hat. Das kann man machen, Mario Barth ist damit ja auch sehr erfolgreich, aber "Avantgarde Experts" haben halt leider überhaupt nicht das Niveau von "Obststandl Didi".

Natürlich kann man argumentieren, dass es Ersteren ja in realiter gibt, was es leichter mache. Das muss man nicht akzeptieren, kann man aber als Argument respektieren. Aber wenn es schwer ist, warum macht man es dann überhaupt - und warum lehnt man sich dann so sehr an die ursprüngliche Version an. "Terminator II" basierte nur grob auf dem Original, aber genau das machte seinen Erfolg aus.

Ist das überhaupt ein Film übers "Recruiting"? Oder ist es nicht eher eine superdeutsche Scherzerklärsatire übers "Employer Branding"?

Das Filmchen ist leider sehr unlustig. Sehr schade.



Jetzt ist es zu spät, aber wenn schon ein "Recruitingfilm", warum dann nicht aus Sicht eines Dealers?
Ja, das hätte nicht die heitere Note des Originals aufrechterhalten können, aber die Idee.

Falls Interesse, einfach mailden.

SM - Der neue Fetisch

Früher erkannte man an fünf Buchstaben, dass die Welt sich weg vom Handwerk ins Digitale bewegt. E - M - A - I - L. Wer denkt da heute noch an "Schmelzglas"? (OK, wikipedia, aber sonst ...?)

Heute sind es nur noch zwei: S - M.

Das hat heute gar nichts mehr zu tun mit Lack und Leder und Bondage und Pein, sondern mit Facebook und Twitter und Instagramm und Pinterest. "Social Media" hat "Sado-Maso" zumindest in puncto Akronympopularität längst abgelöst, wobei es aber an der Dualität festhält. Dabei sind auch da die Rollen klar verteilt: Den passiven Part ("Sub") haben dabei die Unternehmen inne, zumindest die, die nach Ansicht der "SM-Experten" ("Dom") in jenen Medien zu wenig aktiv sind.

Die Methoden dieser Doms sind denen aus den einschlägigen Clubs nicht unähnlich. Auch sie versuchen, die "Sub-Unternehmen" zu fesseln (mit Nachrichten). Dabei achten sie natürlich darauf, dass ihr Spiel, denn nichts anderes ist es, ernst rüberkommt und sie ihnen dabei gerade so sehr weh zu tun, dass sie Gefallen daran finden, um letztlich durch sie erlöst zu werden.

Ein Beispiel hierfür ist so etwas:
Die Anzahl der weltweit monatlich aktiven Nutzer von Twitter wuchs kontinuierlich und erreichte im Juli 2014 eine Anzahl von rund 271 Millionen. In Deutschland ist der Kurznachrichtenservice laut der Studie Social Media-Atlas 2013 zufolge in den beiden Bundesländern Baden-Württemberg und Berlin am populärsten mit einem Nutzeranteil von 37 Prozent. Gemessen an den Besucherzahlen von Sozialen Netzwerken in Deutschland zählt der Mikro-Blogging-Dienst zu den Top-10. Die Nutzung der Kommunikationsplattform Twitter als Social-Media-Kanal ist auch im E-Commerce in Deutschland mittlerweile weit verbreitet. So haben laut einer Erhebung des EHI Retail Institutes und Statista im Jahr 2013 beispielsweise rund 66 Prozent aller Online-Shops Twitter genutzt. (Quelle)

Der Rohrstock von heute, die Rhetorik. Jeder Satz ein Hieb, der sitzt, der schmerzt - und doch will man es - zumindest macht einen der Experte das glauben, was ihm nicht schwer fällt, befindet man sich doch meist in einer hilflosen Lage.

Aber wenn man es mal von außen betrachtet, so wie wir hier, sieht das natürlich grotesk aus - und man fragt sich, was das soll. Und wie kam man überhaupt so weit? Was für ein Aufwand, um sich in eine solche Situation zu bringen, aus der man dann ja (ohne des Doms Hilfe) auch nicht so ohne Weiteres wieder rauskommt. Welche andere Chance als Füße küssen hat man da? Deshalb gibt es nur den totalen Gehorsam: "Ja, Meister!" Und maximale Verbundenheit. Denn sollte der einen hängen lassen, ...

Schauen wir uns also das Joch an, das die Unternehmen an den Eiern packen soll:

Die Anzahl der weltweit monatlich aktiven Nutzer von Twitter wuchs kontinuierlich und erreichte im Juli 2014 eine Anzahl von rund 271 Millionen.

Wohlgemerkt: weltweit - bei 7,28 Milliarden Menschen (3,72%). Und Juli 2014. Nur zur Erinnerung: Fußball-WM!

In Deutschland ist der Kurznachrichtenservice laut der Studie Social Media-Atlas 2013 zufolge in den beiden Bundesländern Baden-Württemberg und Berlin am populärsten mit einem Nutzeranteil von 37 Prozent.

Natürlich NICHT von den zuvor genannten 271 Millionen Nutzern, sondern nur von denen in Deutschland und das sind gerade einmal 5,7 Millionen. Also nutzen in Berlin und Baden-Württemberg (14,1 Millionen Einwohner) 2,1 Millionen Menschen Twitter (14,9%). In anderen Worten: 85,1% der Menschen in den Hauptnutzungsländern nutzen es NICHT.

Gemessen an den Besucherzahlen von Sozialen Netzwerken in Deutschland zählt der Mikro-Blogging-Dienst zu den Top-10.

In einer kleinen Gruppe derer, die diese Dienste insgesamt nutzen, und das sind gerade einmal 28 Millionen (35%), ist der Kurznachrichtendienst also nicht einmal unter den besten drei. (Die gehen an Facebook, What's App, und Facebook Messenger mit 28, 26 respektive 15%). Selbst Skype wird aktiver genutzt. (9%)

Die Nutzung der Kommunikationsplattform Twitter als Social-Media-Kanal ist auch im E-Commerce in Deutschland mittlerweile weit verbreitet. So haben laut einer Erhebung des EHI Retail Institutes und Statista im Jahr 2013 beispielsweise rund 66 Prozent aller Online-Shops Twitter genutzt.

Sehr weit verbreitet? 66% aller Online-Shops? Wie viele Online-Shops sind das denn absolut? Was für ein Beispiel soll das denn sein? Indikator wofür? Genutzt wofür?

Machen Sie sich also frei.

Wir wollen Sie nicht missionieren. Wir wollen Ihnen auch nicht sagen, dass SM auch für Sie etwas sein könnte.

Nur bei Social Media sind wir uns aktuell noch nicht so sicher.

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